In den kommenden Nächten kämpfen Obstbauern und Winzer um jedes einzelne Grad. Mit einer Reihe von Mitteln versuchen sie, Bäume und Reben vor den Minustemperaturen zu schützen. Denn sinkt das Thermometer auf unter minus zwei Grad, wird es kritisch. Angesagt sind im Limmattal bis zu minus vier Grad. «Ich rechne mit Schäden, nicht aber mit einem Totalausfall», sagt Winzer Robin Haug aus Weiningen. Die Triebe der Reben hätten schon weit ausgetrieben und seien deshalb anfällig auf die Kälte. Ernteausfälle wie bereits im vergangenen Jahr sind so auch in diesem Jahr zu erwarten.

Die Kälte schadet den Blüten und den noch kleinen Früchten gleichermassen, weil beim Auftauen des gefrorenen Wassers die Zellen platzen. Um ein Gefrieren des Wassers zu verhindern, setzen die Landwirte im Limmattal auf verschiedene Massnahmen, wie eine Umfrage zeigt. Obstbauer Kurt Bräm aus Dietikon hat bereits jetzt die Folie ausgerollt, die die reifen Kirschen vor dem Regen schützen wird. «Das bringt etwa ein Grad zusätzlich», sagt er. Mit Holzschnitzeln, die er zwischen den Bäumen verbrennt, wird er künstlich Wärme erzeugen. «Ich bin wie auf Nadeln und werde in der Nacht regelmässig die Temperatur kontrollieren», sagt Bräm.

Finnenkerzen geben Wärme

Auch auf dem Fondli-Hof in Dietikon sind die Hagelnetze und Regenfolien bereits geschlossen, um die Bodenwärme zurückzuhalten. Zudem ist das Gras tief geschnitten, damit der Boden seine Restwärme abgeben kann. «Die Obstanlage zu hacken, haben wir nicht mehr geschafft», sagt Tina Siegenthaler, Nachfolgerin auf dem Hof. Für Wärme sollen erstmals auch angezündete Finnenkerzen sorgen.

Eine Alternative dazu sind sogenannte Frostkerzen, mit Paraffin gefüllte Blechkessel. Sie haben eine Brenndauer von rund zehn Stunden. Aufgrund der Wettervorhersage sind sie derzeit ausverkauft. Landwirt Franz Mörgeli aus Aesch hat jedoch vorgesorgt und sich im Winter mit 250 Kerzen eingedeckt. «Das reicht für rund eine Hektare, die Hälfte meiner Anlage», sagt er. Vor allem die Kirschbäume will er so vor dem Frost schützen. Ausserdem hat Mörgeli seine Bewässerungsanlage in Betrieb genommen. Sie versprüht auf einer Höhe von 20 Zentimetern Wasser und erwärmt so die Luft, die kälter als das Leitungswasser ist. «Das erzeugt wiederum ein bis zwei Grad», sagt er.

Die Hanglage ist vorteilhaft

Von den tiefen Temperaturen sind aber nicht alle Landwirte gleich stark betroffen. Während sich in Mulden die Kälte sammelt, fliesst sie an den Hängen ab. «Aufgrund der Hanglage ist die Temperatur in unserer Baumanlage jeweils ein bis zwei Grad höher», sagt Landwirtin Irene Suter aus Aesch. Andere Bauern wie Fabian Brandenberger aus Dietikon können ihre Bäume nicht schützen. «Hochstammbäume können wegen ihrer Grösse kaum gegen Frost geschützt werden», sagt er. So bleibt zu hoffen, dass die kommenden Nächte nicht allzu kalt und klar werden, damit nicht das passiert, was Landwirt Fredy Boll aus Bergdietikon befürchtet: «Eine einzige kalte Nacht kann die monatelange Arbeit an meinen 450 Obstbäumen zunichtemachen.»