1 Worum geht es?

Am 23. September entscheiden die Stimmberechtigten des Kantons Zürich über den Bau der zweiten Etappe der Limmattalbahn. Sie führt von der Station Geissweid in Schlieren zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach sowie vom Bahnhof Zürich Altstetten zur Station Farbhof. Die erste Etappe (Farbhof-Geissweid) ist bereits im Bau, die zweite wurde eigentlich in der Kantonalzürcher Volksabstimmung 2015 ebenfalls schon beschlossen.

2 Was kostet das?

Die Gesamtkosten für das Projekt Limmattalbahn werden auf 755 Millionen Franken veranschlagt. Die zweite Etappe, um die es in der jetzt anstehenden Abstimmung geht, brächte für den Kanton Zürich noch Kosten in Höhe von 262 Millionen Franken mit sich. Für Planungsarbeiten haben die Kantone Zürich und Aargau bereits über 40 Millionen Franken ausgegeben.

3 Wer bezahlt?

Die Kosten teilen sich der Bund sowie die Kantone Zürich und Aargau. Den Löwenanteil übernimmt der Kanton Zürich. Er hat für die zweite Etappe ursprünglich 382 Millionen Franken bewilligt, der Kanton Aargau 178 Millionen. Nachdem der Bundesanteil von 35 Prozent nun gesichert ist, verringern sich die Kosten für die beiden Kantone entsprechend.

27 Stationen zwischen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach soll die Limmattalbahn dereinst umfassen – ausser, die Volksinitiative der Limmattalbahn-Gegner hätte Erfolg.

27 Stationen zwischen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach soll die Limmattalbahn dereinst umfassen – ausser, die Volksinitiative der Limmattalbahn-Gegner hätte Erfolg.

4 Warum wird ein zweites Mal abgestimmt?

Über das Gesamtprojekt Limmattalbahn haben die Stimmberechtigten des Kantons Zürich 2015 schon einmal abgestimmt. Damals beschlossen 64,5 Prozent des Zürcher Stimmvolks den Bau der Limmattalbahn. Im Bezirk Dietikon, durch den der grösste Teil der Limmattalbahn fährt, lehnten jedoch 54,1 Prozent die Limmattalbahn ab; in der Stadt Dietikon waren es gar 64 Prozent. Aus dem Kreis der Limmattaler Limmattalbahngegner wurde in der Folge die Volksinitiative gegen den Bau der zweiten Bahnetappe lanciert, die nun zur Abstimmung kommt.

5 Wer sind die Gegner der Limmattalbahn?

Das Komitee der Volksinitiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» wird präsidiert vom parteilosen Dietiker Schulpfleger Bernhard Schmidt. Dem Initiativkomitee gehören zudem unter anderem der frühere SVP-Ständeratskandidat Hans Geiger aus Weiningen, die SVP-Kantonsräte Hans-Peter Amrein und Lorenz Habicher sowie mehrere Dietiker und Schlieremer alt Gemeinde- und Stadträte an. Die Ja-Parole zur Volksinitiative hat keine einzige Kantonalpartei ausgegeben.

6 Wer sind die Befürworter der Limmattalbahn?

SVP, SP, FDP, Grüne, GLP, CVP, EVP, BDP, EDU und AL empfehlen ein Nein zur Volksinitiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren». Auch der Regierungsrat lehnt die Initiative ab. Das Komitee «Nein zur halben Limmattalbahn» wird von den alt Stadtpräsidenten Toni Brühlmann-Jecklin (SP, Schlieren) und Otto Müller (FDP, Dietikon) präsidiert. Zudem gehören ihm die aktuellen Gemeindeoberhäupter von Dietikon, Schlieren, Urdorf, Killwangen und Spreitenbach sowie mit Michael Baumer (FDP) und Raphael Golta (SP) zwei Zürcher Stadträte an. Sämtliche Gemeinde-Exekutiven im Bezirk Dietikon haben sich für die Limmattalbahn ausgesprochen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattaler Zeitung sind die künftige Strecke schon einmal abgefahren respektive abgelaufen.

7 Was sind die Argumente der Limmattalbahn-Gegner?

Sie argumentieren vor allem mit dem «Selbstbestimmungsrecht der Limmattaler Bevölkerung über ihre Region». Die Ablehnung der Limmattalbahn durch die Limmattaler Bevölkerung sei in der Abstimmung 2015 klar zum Ausdruck gekommen. Zudem befürchten sie eine kostspielige Fehlentwicklung und noch mehr Verstädterung. Das Limmattal sei mit dem öffentlichen Verkehr bereits bestens erschlossen, so das Initiativkomitee. Mit dem Bau der Limmattalbahn würden jedoch Buslinien aufgehoben.

8 Was sind die Argumente der Limmattalbahn-Befürworter?

Ihr Hauptargument lautet, eine halbe Limmattalbahn ergebe keinen Sinn. Das Bahnprojekt sei zentral für die Region und den ganzen Kanton. Zudem käme ein Abbruch des Projekts einer Missachtung des Volkswillens gleich. Schliesslich sagte die Mehrheit des kantonalzürcher Stimmvolks 2015 Ja zum Gesamtprojekt Limmattalbahn. Der Regierungsrat betont, mit dem bestehenden Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln sei das in den nächsten Jahren zu erwartende Verkehrsaufkommen im Limmattal nicht mehr zu bewältigen.

9 Was bringt die Limmattalbahn den Autofahrern?

Ergänzend zum Bahnprojekt ist eine Reihe von strassenbaulichen Massnahmen geplant respektive in Umsetzung. So sollen die Stadtzentren von Schlieren und Dietikon vom Durchgangsverkehr entlastet werden – und zwar durch bauliche Massnahmen innerorts und durch die Aufwertung bestehender Umfahrungsstrassen, namentlich der Überlandstrasse und der Bernstrasse. Abgesehen davon würde wohl auch das neue Tram das Strassennetz entlasten, indem es Pendlern innerhalb der Region Limmattal mehr Möglichkeiten böte, auf den Schienenverkehr umzusteigen.

Alle Visualisierungen der geplanten Limmattalbahn: 

10 Wie geht es weiter?

Bei einem Ja zur Initiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» bliebe es bei der ersten Etappe der Limmattalbahn, die in einem Jahr eröffnet werden soll. Faktisch wäre dies eine Verlängerung der bestehenden Stadtzürcher Tramlinie 2 bis Schlieren Geissweid. Bei einem Nein zur Initiative würde die Limmattalbahn wie geplant vom Bahnhof Zürich Altstetten mit insgesamt 27 Stationen bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach gebaut und ab 2022 im Viertelstundentakt fahren. Die Abstimmung am 23. September könnte auch noch verschoben werden: Aus dem Umfeld des Initiativkomitees wurde eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht, weil die Gegner der Initiative für ihren Abstimmungskampf Steuergelder erhalten hätten. Die Beschwerde ist noch hängig.