Es muss ein dickes Couvert gewesen sein, das letzten Freitag in Oberwil BL geöffnet wurde. Dort ist der Geschäftssitz der Baselland Transport AG (BLT). Diese braucht neue Wagen für ihre Waldenburgerbahn. Dafür hat sie zusammengespannt mit der BDWM Transport AG (BDWM). Die BDWM als künftige Limmattalbahn-Betreiberin beschafft die Fahrzeuge für die Limmattalbahn.

Der Absender des Couverts: Stadler Rail in Bussnang TG. Der Inhalt: die Offerte für den Auftrag, die Limmattalbahn-Fahrzeuge zu bauen, die ab 2022 zwischen den Bahnhöfen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach verkehren sollen. Zwar ist wegen der Volksinitiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» noch ungewiss, ob die zweite Etappe zwischen Schlieren und Killwangen tatsächlich gebaut wird. Aber die BDWM, die auch die Bremgarten-Dietikon-Bahn betreibt, muss für 2022 parat sein. Dann soll die erste Limmattalbahn losfahren – wenn das Volk des Kantons Zürich es will.

Definitive Bestellung erfolgt 2019

Mit der Offertöffnung ging der erste Teil der Fahrzeug-Beschaffung zu Ende. Stadler Rail war der einzige Bewerber, wie Philipp Egli, stellvertretender Leiter Planung, Support und Controlling bei der BDWM, auf Anfrage sagt. «Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es nur ein Angebot geben wird», sagt Egli dazu.

Die Bahn-Betreiberin BDWM wird nun zusammen mit ihrer Baselbieter Beschaffungspartnerin, der BLT, das Angebot der Stadler Rail prüfen. Bis im Oktober fällt der Verwaltungsrat den Zuschlagsentscheid. Die definitive Bestellung der Fahrzeuge erfolgt später: im Sommer 2019 oder spätestens im Herbst 2019. Bis dann soll die Finanzierungsvereinbarung für den Bau der Infrastruktur der zweiten Etappe der Limmattalbahn vorliegen. Die Finanzierungsvereinbarung ist von politischen Prozessen abhängig, zu denen insbesondere die erwähnte Volksabstimmung gehört. Die Vereinbarung soll vom Bundesamt für Verkehr (BAV) und den Kantonen Zürich und Aargau unterschrieben werden.

Umfassendes Pflichtenheft

Sobald im Oktober 2018 der Vergabeentscheid gefällt worden ist, erarbeiten die beiden Besteller zusammen mit Stadler Rail ein Pflichtenheft, das dann auch tief in die Details gehen wird.

Technische Herausforderungen gibt es genug: So forderte etwa die BLT, dass die Wagen auch autonom, also ohne einen Menschen im Führerstand, fahren können. Besonders wichtig ist auch, dass das Behindertengleichstellungsgesetz bis ins Detail beachtet wird. Dafür werden die BDWM und die BLT mit Behindertenverbänden zusammenarbeiten. Und am Schluss wird auch das Bundesamt für Verkehr bei diesem Punkt genau hinschauen.

Gemeinden werden mitreden

Weniger für den Betrieb, aber emotional wichtig, ist natürlich die Frage, wie die Fahrzeuge gestaltet werden. Zur Beantwortung dieser Frage wird die Beschafferin BDWM insbesondere die Limmattaler Gemeinden, durch die die Limmattalbahn verkehren wird, in die Planung einbeziehen. Schliesslich soll die Bahn, die das Herz des Limmattals durchquert, auch nach aussen zeigen, dass sie eine Limmattalerin ist. Und dabei soll sie erst noch gut aussehen.
Die Liste der in die Detailplanung involvierten Stellen ist damit aber noch nicht komplett. Mitreden werden auch der Kanton Zürich – vertreten durch den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) – und der Kanton Aargau.

Die beiden Kantone respektive ihre Einwohner bezahlen die Limmattalbahn letztlich – der Aargau basierend auf einem Entscheid seines Kantonsparlaments, der Kanton Zürich basierend auf der Volksabstimmung im Jahr 2015, bei der auf kantonaler Ebene ein Ja für die Limmattalbahn resultierte – sofern dieser Entscheid nun nicht in der zweiten Volksabstimmung umgestossen wird.

Viele Stellen werden also eingebunden. Mit Rücksicht auf diese wird dann die BDWM über die Details abschliessend entscheiden. Über die Vorgaben der anderen Stellen wird sie sich aber nicht hinwegsetzen, denn die beiden Kantone und der Bund müssen letztlich die Beschaffung und die Finanzierung der Fahrzeuge bewilligen.

Ab Herbst 2019 soll dann in den Fabrik-Hallen von Stadler Rail die grosse Arbeit losgehen. Für die Limmattalbahn sind acht Fahrzeuge gefragt. Optional wird die BDWM später sechs gleiche Fahrzeuge für eine mögliche spätere Taktverdichtung der Limmattalbahn mitbestellen sowie optional zwei gleiche Fahrzeuge, die für die Bremgarten-Dietikon-Bahn eingesetzt werden können.

Die ersten Fahrzeuge – sie werden einige Tests auf den Schienen bestehen müssen – sollen etappenweise ab Dezember 2021 ausgeliefert werden, also rund ein Jahr vor der Inbetriebnahme der Limmattalbahn.

Ausgewählt als Betreiberin der Limmattalbahn wurde die BDWM im Mai 2016. Bis im August 2017 hatte die BDWM das Fahrzeugkonzept ausgearbeitet. Im Herbst 2017 startete die Submission für die Fahrzeuge, die nun also einen wichtigen Schritt weiter ist.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist es sehr wahrscheinlich, dass Stadler Rail die Fahrzeuge der Limmattalbahn bauen wird.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattaler Zeitung sind die künftige Strecke schon einmal abgefahren respektive abgelaufen.