Schlieren
Limmattalbahn: Kritiker gehen über zu totaler Opposition

Der Schlieremer Verein «Limmattalbahn, so nicht!» bekämpft das Bahnprojekt ab sofort fundamental. Dies teilte das Vereinspräsidium am Dienstag in einer Medienmitteilung mit.

Florian Niedermann
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Wenn es nach den Gegnern geht, soll es so nie aussehen

Wenn es nach den Gegnern geht, soll es so nie aussehen

Limmattalbahn.ch

Die Mitglieder, grösstenteils Bewohner des Schlieremer Spitalquartiers, haben den Kurswechsel an ihrer letzten Generalversammlung beschlossen.

Während der letzten beiden Jahre kämpften sie mit Nachdruck für eine unterirdische Linienführung im Siedlungsgebiet und insbesondere im Spitalquartier. Sie befürchteten, dass durch eine oberirdische Führung die Wohnqualität und die Verkehrssicherheit entlang der Spitalstrasse stark sinken würden. Offiziell lehnten sie das Projekt aber nie gänzlich ab.

Rückzug war der Auslöser

Dass sich dies nun ändert, liegt laut SVP-Gemeinderat und Vereinspräsident Thomas Grädel (SVP) daran, dass die Mitglieder von «Limmattalbahn, so nicht!» keine Hoffnung mehr haben, dass ihre Forderungen umgesetzt werden könnten.

Der Schlieremer Stadtrat zog im Dezember seine Einsprache gegen die Linienführung nach diversen Projektanpassungen durch die Limmattalbahn AG und auf Empfehlung eines parlamentarischen Runden Tischs zurück (die Limmattaler Zeitung berichtete). Damit sanken die Chancen, dass die Untertunnelung des Spitalquartiers doch noch realisiert werden könnte.

Grädel erklärte damals, dass daher auch ein Schulterschluss mit dem fundamental opponierenden Dietiker Verein «Limmattalbahn nein!» im Raum stehe. Obwohl die beiden Vereinigungen nun dasselbe Ziel verfolgen, kommt es aber aus strategischen Gründen nicht zum Zusammenschluss, wie der SVP-Gemeinderat auf Anfrage sagt: «Wir haben gegen die Linienführung auch als Verein Einsprache eingelegt.

Wenn wir fusionieren würden, könnten wir sie aus juristischen Gründen verspielen.» Dennoch wollen die beiden Vereine «die Zusammenarbeit intensivieren», wie es in der Medienmitteilung von gestern heisst. «Wir tauschen Informationen untereinander aus und koordinieren unsere öffentlichen Aktionen», erklärt Grädel.

Noch ist nicht klar, ob die Mitglieder von «Limmattalbahn, so nicht!» und «Limmattalbahn nein» den Bau der Bahn, die ab 2020 Altstetten mit Spreitenbach auf einer 13,5 Kilometer langen Strecke verbinden soll, per Volksreferendum bekämpfen müssen. Denn: Zum jetzigen Zeitpunkt könnte auch der Kantonsrat gegen die Vorlage das Behördenreferendum ergreifen.

Warten auf Behördenreferendum

Grädel sagt, dass er es durchaus für möglich halte, dass die Politiker bei einem Verkehrsprojekt dieser Grössenordnung dem Volk das letzte Wort zugestehen wollen.

Zumal eine Anhörung des Schlieremer Vereinspräsidiums bei der kantonsrätlichen Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (KEFU) laut Grädel «kein befriedigendes Ergebnis» brachte, wäre ein Behördenreferendum aber zumindest nicht zu erwarten. Kommt es nicht dazu, ist für den Präsidenten von «Limmattalbahn, so nicht!» klar:

«Dann müssen wir uns überlegen, ob wir das Volksreferendum anstreben.» Dazu müssten die Gegner des Bahnprojekts allerdings innert 60 Tagen nach dem Kantonsratsentscheid mindestens 3000 Unterschriften sammeln.