Schlieren

Limmattalbahn: Jetzt wird ein Jahr lang über die Linienführung verhandelt

Visualisierung der Limmattalbahn in Dietikon an der Badenerstrasse

Visualisierung der Limmattalbahn in Dietikon an der Badenerstrasse

Die Limmattalbahn AG und der Stadtrat von Schlieren verhandeln ab Juni über die Einsprache der Stadt zur Linienführung der Limmattalbahn. Wenn sie sich nicht einigen können, greift der Bund ein.

Nun gilt es ernst: Der Schlieremer Stadtrat und die Verantwortlichen der Limmattalbahn AG haben ein Jahr lang Zeit, um sich auf eine Linienführung der geplanten Bahn zu einigen. Dazu werden sie sich ab Juni zu regelmässigen Verhandlungen treffen, wie beide Seiten gestern in individuellen Medienmitteilungen verkündeten. Nötig wurde dieser Prozess, auf den man sich gemeinsam geeinigt hat, weil die Stadt Schlieren im Rahmen der öffentlichen Auflage des Projekts eine Einsprache eingereicht hat.

Regelmässige und häufige Treffen

Weil die Limmattalbahn AG anstrebt, möglichst viele der insgesamt 196 eingegangenen Einsprachen einvernehmlich zu bereinigen, finden seit diesem Monat ausseramtliche Verhandlungen mit Einsprechern statt. Die meisten davon sind jedoch weit weniger aufwendig als der Fall Schlieren, bei dem sich die beiden Seiten nun in den kommenden zwölf Monaten «regelmässig und häufig» treffen wollen, wie die Kommunikationsleiterin der Limmattalbahn AG, Julie Stucki, gestern auf Anfrage sagte.

Sich zu einigen, wird aber auf jeden Fall nicht ganz einfach sein. Denn der Knackpunkt ist nach wie vor das Schlieremer Spitalquartier: Dessen Bewohner verlangen schon lange vehement nach einer Verlängerung des geplanten Färberhüslitunnels, die aber sowohl die Limmattalbahn AG als auch der Schlieremer Stadtrat stets ablehnten.

Doch nachdem sich schliesslich auch das Parlament hinter diese Forderung stellte, brachte es den Stadtrat mit einer Motion von SVP-Gemeinderat Thomas Grädel - der auch Präsident des Komitees «Limmattalbahn, so nicht!» ist - in Bedrängnis: Das Ganze wurde zu einem Fall für den Bezirksrat. Dieser entschied schliesslich, der Stadtrat könne zwar mangels Zuständigkeit nicht verpflichtet werden, eine neue Linienführung festzulegen, aber sehr wohl, wie Grädel gefordert hatte, einen runden Tisch einzuberufen.

Dies tut der Stadtrat nun auch - parallel zu den Verhandlungen mit der Limmattalbahn AG, wie er gestern ebenfalls mitteilte. Am runden Tisch soll nebst einer Delegation des Stadtrates ein Abgeordneter jeder im Parlament vertretenen Partei Platz nehmen, «damit die Interessen möglichst vieler Einwohnerinnen und Einwohner einfliessen können», wie der Stadtrat schreibt.

«Wir müssen eine Lösung finden»

Indem man den runden Tisch einberufe, könne man die Forderung der Motion erfüllen, sagte Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) gestern auf Anfrage. Dass man gleichzeitig mit der Limmattalbahn AG verhandle, sehe er nicht als Schwierigkeit: «Wir sind auch bis anhin immer in einem intensiven Kontakt, das ist nicht neu.»

Was dabei herauskomme, sei völlig offen, sagt Brühlmann: Man werde sicher im Bereich des Spitalquartiers über alle möglichen Alternativen der Linien- und Verkehrsführung diskutieren. Dies sei auch der Grund, weshalb der Stadtrat Einsprache erhoben habe: «Wir wollen es möglich machen, dass über alle offenen Fragen nochmals gründlich diskutiert werden kann.» Es bedeute aber nicht, dass der Stadtrat nun einfach auf die Variante Tunnel umgeschwenkt sei. Er sei aber zuversichtlich, dass man sich finden werde, sagt Brühlmann: «Wir müssen eine Lösung finden.»

Stucki betont ebenfalls, man gehe zurzeit davon aus, dass man eine einvernehmliche Lösung finden werde. Dazu wolle man nochmals alle Optionen der Trasseeführung im Spitalquartier vertieft untersuchen. Sollte man sich bis in einem Jahr nicht einig sein, wird das Bundesamt für Verkehr (BAV), das für das Plangenehmigungsverfahren zuständig ist, über die Einsprache entscheiden.

Uneinigkeit auch in Dietikon

Ebenfalls noch nicht einig ist man sich in Dietikon, wo die Stadt ebenfalls auf Druck des Parlaments Einsprache erhoben hat. Dort geht es um die Frage, ob die Bahn wie geplant direkt an den Bahnhof Dietikon fahren soll oder, wie es das Parlament will, auf der Zürcherstrasse durch das Stadtzentrum fährt und beispielsweise beim Hotel Sommerau anhält.

Zwar ist es klar, dass es auch in Dietikon zu einem Einigungsprozess kommen wird. Wie dieser jedoch ablaufen wird, ist noch nicht klar, wie Stadtpräsident Otto Müller (FDP) und Julie Stucki von der Limmattalbahn AG gestern beide bestätigten. «Der Prozess für Dietikon muss erst noch festgelegt werden», so Stucki. Sie gehe davon aus, dass man im Mai mehr dazu sagen könne.

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