Limmattalbahn

Limmattalbahn-Infostand verwirrt – werden Steuergelder missbraucht?

«Wichtigste Eckwerte des Grossprojekts»: Die Limmattalbahn AG hat im Dietiker Stadthaus einen Infostand aufgestellt.

«Wichtigste Eckwerte des Grossprojekts»: Die Limmattalbahn AG hat im Dietiker Stadthaus einen Infostand aufgestellt.

Im Dietiker Stadthaus gibts einen Infostand zur Limmttalbahn. Die Gegner befürchten, es würden dafür Steuergelder gebraucht. Derweil beginnen Befürworter und Gegner erst mit dem Sammeln von Geld für den Wahlkampf.

Das Dietiker Stadthaus hat derzeit eine eigene Tramhaltestelle. Keine echte, sondern eine, die mit einem Video, Karten und Broschüren über die Limmattalbahn informiert. Dies hat Gemeinderat und Limmattalbahn-Gegner Martin Müller (DP) veranlasst, beim Stadtrat eine kleine Anfrage zu deponieren: Darin will er wissen, wie viel der Infostand gekostet hat. Und ob dieser mit Steuergeldern finanziert worden sei. Müllers Verdacht: Behördenpropaganda.

Um nicht der stadträtlichen Antwort auf Müllers Vorstoss vorzugreifen, kann die Stadt derzeit zum Stand keine Auskunft geben. Das farbige Logo «Limmattalbahn» auf der Haltestelle lässt jedoch den Schluss zu, dass die Limmattalbahn AG deren Urheber ist. Bei der von den Kantonen Aargau und Zürich getragenen Organisation bestätigt man die Vermutung. Laut Julie Stucki, Kommunikationsverantwortliche der AG, ist die Haltestelle im Rahmen einer Wanderausstellung seit mehreren Jahren im Limmattal unterwegs.

«Zweck ist die Information über die wichtigsten Eckwerte des Projekts», sagt sie. Die Limmattalbahn AG greife nicht in den Abstimmungskampf ein, sondern informiere zum Projekt. «Wir verwenden keine finanziellen Mittel für gekaufte Plakate, Inserate oder Ähnliches», so Stucki. Die bestehenden Mittel, wie etwa der Infostand, seien im Rahmen der Projektkommunikation der letzten Jahre entstanden.

Schnell 50'000 Franken nötig

Mittendrin in der Planung der Öffentlichkeitsarbeit stecken dagegen die Befürworter vom Komitee «Limmattalbahn Ja». Sie betonen, dass ihr Abstimmungskampf ohne öffentliche Gelder finanziert wird. Die Vorgängerorganisation «Allianz Pro Limmattalbahn» war bis im vergangenen Sommer auch von Gemeinden und Städten finanziell mitgetragen worden. «Die Kommunikationsmassnahmen werden ausschliesslich mit privaten Spenden finanziert», sagt Noëmi Baumann von der Agentur Farner Consulting, die von «Limmattalbahn Ja» mit der Kommunikationsarbeit beauftragt wurde.

Im Vergleich zu anderen kantonalen Abstimmungen sei das geplante Budget klein. Inserate gebe es deshalb voraussichtlich keine, der Fokus liege auf Plakaten, Facebook sowie Flyern und Schokolade, die beispielsweise an Herbstmärkten verteilt werden sollen.

NEUES VIDEOS VERWENDEN Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Bei der Finanzierung ist das Komitee derzeit noch in der Beschaffungsphase, wie Co-Präsident Hans Egloff sagt. Um im Abstimmungskampf auch nur halbwegs sichtbar zu sein – etwa mit Plakaten – seien mindestens 50'000 Franken nötig. «Wir sind diesbezüglich auf die Unterstützung von Verbänden, Vereinen und Privatpersonen angewiesen.» Kein einfaches Unterfangen, da diese für den nationalen Wahlkampf auch von anderer Seite um Spenden angefragt werden. «Ich bin aber zuversichtlich, dass wir diese 50'000 Franken zusammenbringen werden», sagt Egloff.

Auch beim Komitee «Schlieren sagt Ja zur Limmattalbahn» laufen derzeit die Vorbereitungen für den Abstimmungskampf. «Wir feilen noch an den Details», sagt Pierre Dalcher vom Co-Präsidium. Das Engagement werde sich auf die Stadt Schlieren beschränken, und man werde sich dabei mit den anderen Komitees absprechen, um sich nicht in die Quere zu kommen.

Umgesetzt werden die Kommunikationsmassnahmen laut Dalcher erst, wenn dafür das notwendige Geld beisammen ist. «Da wird schnell ein höherer vierstelliger Betrag nötig.» Mit einem bescheideneren Budget muss derzeit das überparteiliche Dietiker «Pro-Komitee für die Limmattalbahn» haushalten. «Die Parteien haben insgesamt 2000 Franken beigesteuert», sagt Ernst Joss, Komiteemitglied und Gemeinderat (AL). Hinzu kämen allenfalls noch Spenden.

Während das Dietiker Pro-Komitee seine Finanzierung offenlegt, lassen sich die Gegner der Limmattalbahn diesbezüglich überhaupt nicht in die Karten blicken. «Kein Kommentar», sagt Christian Meier, Präsident des Referendumskomitees «Limmattalbahn Nein», zur Frage, wie viele Mittel für den Abstimmungskampf zur Verfügung stehen.

Angesichts der bereits aufgehängten Plakate und verteilten Flyer scheint bei den Gegnern aber durchaus Geld vorhanden zu sein. Auch wenn Marcel Achermann, Vizepräsident des mit dem Referendumskomitee verbundenen Vereins «Limmattalbahn Nein», in der Öffentlichkeit gerne darauf verweist, dass «die Befürworter das Geld haben und wir die Argumente.»

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