Schlieren
Limmattalbahn: Hauseigentümer sind sich uneins

Während der kantonale Verband im Abstimmungskampf das Pro-Komitee unterstützen will, beschliesst die Schlieremer Sektion die Nein-Parole.

Florian Niedermann
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Die Limmattalbahn in der Visualisierung.

Die Limmattalbahn in der Visualisierung.

Zur Verfügung gestellt

Der Schlieremer Hauseigentümerverband (HEV) ist mit seiner Mutterorganisation uneins. Der Grund: Der HEV des Kantons Zürich stellt sich vor der Volksabstimmung vom 22. November über den Kredit für die Limmattalbahn klar hinter das Projekt. Der Vorstand plant gar, dem Pro-Komitee im Abstimmungskampf 20 000 Franken beizusteuern, wie Hans Egloff, Verbandspräsident und Co-Präsident der Allianz Pro Limmattalbahn, auf Anfrage bestätigt. Der HEV Schlieren beschloss Mitte Juli hingegen die Nein-Parole zur Abstimmung.

Auf das Ausscheren der Sektion reagiert der kantonale Hauseigentümerverband gelassen. «Ich bin Demokrat genug, um anzuerkennen, dass man in Schlieren einen anderen Entscheid gefällt hat, als wir», sagt Egloff. Dass die Nein-Parole vorstandsintern und nicht von allen Mitgliedern gefasst worden ist, habe jedoch «etwas Zufälliges». Beat Friedrich, Vizepräsident des HEV Schlieren, widerspricht: «Wir sind überzeugt, dass der Rückhalt des Vorstands in der Sektion gross ist.» Man habe eine Mitgliederbefragung diskutiert. «Es fehlte aber die Zeit, um eine Generalversammlung einzuberufen», sagt er.

«Belastung» oder «Wertsteigerung»?

Zum Bahnprojekt vertreten der Schlieremer und der kantonale HEV teilweise konträre Haltungen. Die Sektion in Schlieren argumentiert in ihrem Communiqué, dass die Stadt mit bestehenden Bus- und S-Bahn-Linien bereits «gut erschlossen», die Vorteile der Limmattalbahn daher gering und die Kosten zu hoch seien. Weiter kritisiert der HEV Schlieren, dass die Bahn den Fluss des individuellen Verkehrs in der Stadt beeinträchtige. Und schliesslich weist er auch auf die geplante Linienführung an der Spitalstrasse hin, die zusammen mit dem Strassenverkehr «die Grundeigentümer in übermässiger Weise belasten» würde. Der kantonale Hauseigentümerverband geht hingegen davon aus, dass Besitzer von Liegenschaften entlang des Bahntrassees generell profitieren: «Eine gute Anbindung an den Verkehr schafft Nähe zum Arbeitsplatz und zu Freizeitangeboten. Die Limmattalbahn steigert den Wert der Liegenschaften also», sagt Egloff. Der HEV Zürich kam daher zum Schluss, dass die Unterstützung des Projekts zu seinem «Kerngeschäft» gehört. Dabei müsse der Mutterverband das Gesamtinteresse über die Individualinteressen an der Spitalstrasse stellen, erklärt der Präsident.

Friedrich, der selbst eine Wohnung an der Spitalstrasse besitzt, kritisiert, dass der Schlieremer Stadtrat und die Limmattalbahn AG den Vorschlag der Grundeigentümer, die Situation mittels eines einspurigen Kreisels über die Spital-, Bundental- und Schönenwerdstrasse zu entschärfen, nie ernsthaft prüfen wollten. «Das Auftreten der Limmattalbahn AG war schlicht arrogant», so derVizepräsident des HEV Schlieren.

Sein Vorstand stellt im Communiqué auch infrage, ob die Stadtbevölkerung die geplante bauliche Verdichtung entlang der Limmattalbahn begrüsst. «Könnte es auch heissen: Wer die Verdichtung nicht will, lehnt die Limmattalbahn ab?», so der HEV Schlieren. Egloff verneint. Die anhaltend grosse Nachfrage nach Wohnraum in der Region schaffe den Bedarf nach einer höheren Ausnutzung des Baulandes. Angesichts der knappen Landreserven bleibe nichts anderes übrig, als zu verdichten, sagt er: «Dass dies ohne Limmattalbahn nicht nötig wäre, stimmt nicht. Die Bahn soll – wie auch das verdichtete Bauen – vielmehr helfen, das Wachstum der Region aufzufangen.»
Mit ihrer Nein-Parole steht die Schlieremer Sektion in der Region bislang alleine da: Auch der Hauseigentümerverband Dietikon-Urdorf folgt dem kantonalen Verband in seiner befürwortenden Haltung zum Projekt, wie seiner Website zu entnehmen ist.