Dietikon

Limmattalbahn-Depot wird an einem sensiblen Ort stehen — trotz Bedenken

Der Widerstand ist gross, aber am Bau des Limmattalbahn-Depots im Dietiker Müsli gibt’s nichts mehr zu rütteln.

Der Widerstand ist gross, aber am Bau des Limmattalbahn-Depots im Dietiker Müsli gibt’s nichts mehr zu rütteln.

Das Limmattalbahn-Depot wird an einem sensiblen Ort stehen, ist sich der Dietiker Stadtrat bewusst. Er sieht aber keine Alternative.

Das Depot der Limmattalbahn wird im Dietiker Gebiet Müsli, das sich an der Grenze zu Spreitenbach befindet, erstellt. Dass dem so sein soll, passt Grünen-Gemeinderat Beat Hess nicht: In einer kleinen Anfrage wollte er deshalb vom Stadtrat wissen, ob dieser damit einverstanden sei, dass das Depot dort auf einer «grünen Wiese» gebaut wird, oder ob er sich dagegen wehre. Der Stadtrat sieht nun aber keinen Anlass, das Depot im Müsli zum jetzigen Zeitpunkt nochmals in Frage zu stellen, wie aus seiner vorliegenden schriftlichen Antwort hervorgeht.

Restlos begeistert ist der Stadtrat vom Standort aber nicht; er bezeichnet ihn als «sensibel». Denn das Depot komme «in einer intakten Landschaftskammer» zu liegen, kritisiert er. Das Gebiet sei ursprünglich im kantonalen Richtplan als Freihaltegebiet ausgeschieden gewesen. Der Boden weise Fruchtfolgequalität auf und biete lokalen Landwirten «eine willkommene Produktionsgrundlage», zählt der Stadtrat auf.

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video (19. August 2019)

Die Fruchtfolgefläche wird in Maschwanden ersetzt

Allerdings geht die Fruchtfolgefläche, die im Dietiker Müsli wegen des Limmattalbahn-Depots und der notwendigen langen Zufahrten wegfallen wird, flächenmässig nicht verloren, wie der Stadtrat festhält. Denn diese Fläche muss zwingend im selben Umfang und in derselben Güteklasse andernorts neu geschaffen werden. Der Kanton hat dafür ein Gebiet in Maschwanden vorgesehen.

Zudem werde auch nicht das gesamte unüberbaute Müsli von der Limma ttalbahn beansprucht, schreibt der Stadtrat weiter. Im kantonalen Richtplan, den der Kantonsrat im März 2017 anpasste, sei verankert, «dass die Realisierung des Depots unter Minimierung des Flächenbedarfs entlang der Gleise des Rangierbahnhofs zu erfolgen hat.» Das Gebiet Müsli selbst bilde trotz Depot weiterhin einen Teil des Grüngürtels im Bereich der Kantonsgrenze, der längerfristig durch eine attraktivere Gestaltung aufgewertet werden soll. Angesichts dieser Rahmenbedingungen stellt das Limmattalbahn-Depot für den Stadtrat «einen gerade noch tolerierbaren Eingriff in die heute unberührte Landschaftskammer des Müslis dar.»

Mehrere Evaluationen vor der Standortwahl

Zudem sieht der Stadtrat auch keine andere Möglichkeit. Er verweist auf die «vorangegangenen, umfassenden Abklärungen», welche die beteiligten Kantone Zürich und Aargau, die betroffenen Standortgemeinden sowie die Limmattalbahn AG vorgenommen hatten. So wurde in den Jahren 2011 und 2012 ein umfangreicher Evaluationsprozess durchgeführt.

2013 und 2014 wurde in einem Re-­Evaluationsprozess abgeklärt, ob wirklich alle geeigneten Standorte erfasst worden waren. Parallel dazu wurde eine unabhängige Zweitmeinung eingeholt, welche den ganzen Prozess hinterfragte und beurteilte.

Die Ergebnisse all dieser Abklärungen waren stets dieselben: Der Standort Müsli hat sich unter Berücksichtigung aller Faktoren als bester Standort herausgestellt. Zwar stand zunächst das Spreitenbacher Gebiet Asp in der Poleposition. Doch zeigte sich, dass dort bei einer Bebauung eine Altlastensanierung notwendig würde, die mit unerwartet hohen Sanierungs- und Entsorgungskosten verbunden wäre. Die Gesamtkosten für das Depot, die rund 35 bis 40 Millionen Franken betragen, hätten sich um rund 25 bis 30 Millionen erhöht. Zudem hätte eine Sanierung der Deponie Asp das Limmattalbahn-Projekt um Jahre verzögert. Aus diesem Grund entpuppte sich der Müsli-Acker, der zunächst als nicht ideal beurteilt wurde, insgesamt als bester Standort.

«Alle Möglichkeiten ­wahrgenommen»

«Der Stadtrat Dietikon hat seit 2011 mit der intensiven Begleitung und Teilnahme an der umfassenden Standortevaluation alle Möglichkeiten wahrgenommen, um einen alternativen Standort zu prüfen», schreibt er in seiner Antwort auf Hess’ Anfrage. Dabei habe sich aber gezeigt, dass es «keinen anderen geeigneten Depot-Standort» gebe.
Die Standortwahl fürs Depot hat im Dietiker Gemeinderat schon mehrfach für Diskussionen gesorgt. An der Standortwahl wird sich aber nichts mehr ändern.

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