Für die Realisierung der Limmattalbahn müssen die Zentren von Schlieren und Dietikon vom regionalen Durchgangsverkehr entlastet werden. Das schreibt der Zürcher Regierungsrat in einer Mitteilung vom Donnerstag zum Strassebauprogramm.

Die Limmattalbahn soll ab 2020 von Zürich-Altstetten bis Killwangen verkehren.Mit 27 Haltestellen auf 13,5 Kilometern werden die Gemeinden durchs Limmattal erschlossen. Weil die Bahn auf der Strasse verkehrt, müssen Spuren, Brücken und teils Unterführungen gebaut werden. Zudem sollen die beiden Umfahrungsstrassen Bern- und Überlandstrasse ausgebaut werden.

Ausbau Nordumfahrung blockiert

Diese beiden Strassen werden aber auch immer häufiger als Ausweichroute benutzt, wenn auf dem Nordring der Verkehr stockt oder steht, wie Anselm Schwyn vom Amt für Verkehr gegenüber der sda sagte. «Die Nordumfahrung mit dem Gubristtunnel muss ausgebaut werden.» Für den Kanton sei es von höchster Priorität, dass es dort vorwärts gehe.

Das Ausbauprojekt am Nordring ist jedoch blockiert - obwohl die eidgenössischen Räte die Mittel dafür bereits freigegeben haben. Denn die Verantwortung für den Bau der Nationalstrasse liegt beim Bund. Mehrere Beschwerden sind beim Bundesverwaltungsgericht hängig - unter anderem von der Gemeinde Weiningen.

«Wir arbeiten intensiv an einer Lösung», sagte Schwyn. Bund und Kanton seien mit der Gemeinde Weiningen daran, eine einvernehmliche, aussergerichtliche Lösung zu finden.

Die Kapazitätserweiterung auf den beiden Umfahrungsstrassen für die Limmattalbahn bringe wenig, wenn das übergeordnete Autobahnnetz nicht ausgebaut werde, so Schwyn. Die Investitionskosten für die Anpassungen in Schlieren und Dietikon betragen gemäss Bauprogramm rund 30 Millionen Franken.

Jährlich rund 90 Millionen für Strassenbauprojekte

Konkret umgesetzt werden sollen in den nächsten drei Jahren zudem auch der Autobahnzubringer Obfelden/Ottenbach, dessen Kredit das Stimmvolk Ende September angenommen hatte und das Projekt «Uster West», wo eine niveaufreie Querung der SBB-Linie die beiden anderen Bahnübergänge entlasten soll.

Mit dem Bauprogramm erstattet der Regierungsrat dem Kantonsrat Bericht über die in den kommenden drei Jahren geplanten Projekte zur Erreichung der strategischen und verkehrspolitischen Ziele. Bis 2015 sollen jährlich zwischen 88 und 94 Millionen Franken in die Strasseninfrastruktur im Kanton Zürich investiert werden.

Wichtigstes Ziel des Strassenbauprogramms sind gemäss Regierungsrat die Entlastung der Ortszentren sowie die Erhöhung der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, insbesondere für Fussgängerinnen und Fussgänger. Für 13 Millionen Franken soll denn auch die Sicherheit für Fussgänger innerorts verbessert werden.

SVP, FDP, CVP: noch nicht am Ziel

Er sei erfreut darüber, dass der Kanton nun wirklich anfange, sich für das Limmattal einzusetzen, sagte der Dietiker SVP-Kantonsrat Rochus Burtscher auf Anfrage. Der Regierungsrat habe erkannt, dass nur eine gesamtheitliche Betrachtung der Verkehrssituation zu einer Entlastung der Zentren in Dietikon und Schlieren führe. Zentral sei auch, dass die flankierenden Massnahmen gleichzeitig mit der Limmattalbahn umgesetzt werden. Burtscher: «Jetzt müssen den Worten Taten folgen.»

Der Schlieremer SVP-Kantonsrat Pierre Dalcher sagte, die Ausführungen der Regierung stimmten ihn «sehr zuversichtlich»: «Wenn alles so kommt, wie es jetzt geplant ist, dann darf die Limmattalbahn ungeniert durch unsere Gemeinden fahren.»

Auch der Schlieremer FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich zeigte sich zufrieden. Der Regierungsrat habe das Problem erkannt. Geistlich wertet dies als «Chance zur Dorfreparatur» für Schlieren.
Der Dietiker CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr ist zufrieden mit dem Erreichten, glaubt aber, dass der Teufel im Detail steckt. Ob die einzelnen Projekte tatsächlich so einfach aufeinander abgestimmt werden können, wie es jetzt den Anschein mache, bezweifelt er.

GLP: Beim Veloverkehr ideenlos

Der Urdorfer GLP-Kantonsrat René Gutknecht ist nur teilweise mit der regierungsrätlichen Antwort zufrieden. Er begrüsst, dass Limmattalbahn und Kapazitätsausbau gleichzeitig geschehen sollen. Er kritisiert aber, dass die Limmattaler Planung nicht mit jener der Stadt Zürich einhergehe.

Während im Limmattal eine verkehrsbelastete Umfahrungsachse in die Stadt Zürich geführt werden soll, müsste dort der Stadtrat den Autoverkehr um 20 Prozent reduzieren. So habe es die Stimmbürgerschaft dieses Jahr beschlossen. Auch vermisst Gutknecht ein Velonetzkonzept. Kopenhagen zeige, dass ein gutes Velonetz den Strassenverkehr- wie den öffentlichen Verkehr entlasten könne.