Das Ja des Zürcher Stimmvolks im November 2015 und die Baubewilligung des Bundes für die erste Etappe diesen Juli – das waren aus Sicht von Daniel Issler, dem Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, die beiden bisherigen Meilensteine auf dem Weg zur Realisierung des 755-Millionen-Projektes. Am Montag nun kam ein dritter hinzu.

Nach sechs Jahren Planung erfolgte mit dem Spatenstich auf dem Stadtplatz in Schlieren im Beisein von rund 150 Gästen der offizielle Baustart. Ausgeführt wurde er von Bundespräsidentin Doris Leuthard (CVP), der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), dem Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger (FDP), dem Aescher Nationalrat und Verwaltungsratspräsidenten der Limmattalbahn AG Hans Egloff (SVP) und Daniel Issler.

Spatenstich Limmattalbahn: Die Rede von Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Gemeinsam brachten sie die 27 Dominosteine, welche die 27 Haltestellen auf der 13,4 Kilometer langen Strecke von Zürich Altstetten bis Killwangen symbolisierten, zum Umfallen und damit die am 2. August begonnenen Vorbereitungsarbeiten so richtig ins Rollen. In einer ersten Etappe wird nun der Streckenabschnitt vom Farbhof in Altstetten bis zur Geissweid in Schlieren realisiert. 

Startschuss für die Limmattalbahn

 

Läuft alles nach Plan, fährt die Tramlinie 2 ab August 2019 neu bis ins Limmattal. Die Einhaltung der Termine ist denn auch eines der vier Ziele, die Egloff für die Bauarbeiten formulierte. Zudem hofft er auf einen unfallfreien Bau, die Einhaltung der Kosten, und «dass das Projekt für die Betroffenen möglichst verträglich realisiert werden kann».

Spatenstich Limmattalbahn: Die Rede der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh.

Bedenken ernst nehmen

Mit dem Bau der zweiten Etappe, die von Schlieren über Urdorf, Dietikon und Spreitenbach nach Killwangen führt, soll im Herbst 2019 begonnen werden. Allerdings ist gegen dieses Vorhaben von Gegnern der Limmattalbahn Ende Juli beim Zürcher Regierungsrat eine Initiative mit dem Titel «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» eingereicht worden. Dies nachdem das Projekt an der Urne von 64 Prozent der Zürcher Stimmbevölkerung gutgeheissen, im Bezirk Dietikon selber aber von 54 Prozent abgelehnt wurde.

Spatenstich Limmattalbahn: Die Rede des Aargauer Regierungsrats und Verkehrsministers Stephan Attiger.

Auch Verkehrsministerin Leuthard, die von Egloff als gute Gotte für das Limmattal bezeichnet wurde, weil sie immer ein offenes Ohr für die Region habe, erinnerte in ihrer Rede daran, dass nicht alle Einwohner mit der Bahn zufrieden sind. Gerade aus Schlieren habe sie viele Mails von Leuten erhalten, die mit der Linienführung nicht einverstanden seien. Man müsse das ernst nehmen. 

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattalerzeitung sind die künftige Strecke schon einmal abgefahren, respektive abgelaufen.

Nichtsdestotrotz zeigte sie sich sicher, dass sich die Limmattalbahn auszahlen werde. «Ich bin überzeugt, dass das Projekt einem Bedürfnis entspricht», sagte sie. Gerade im boomenden Limmattal, mit seinem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sei die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinaus extrem wichtig. Die Limmattalbahn sei denn auch ein Vorzeigeprojekt.

Ein «geschichtsträchtiger Tag»

Ähnlich argumentierte Regierungsrätin Walker Späh. Sie erinnerte an die Zeiten, als die Spanischbrötlibahn gebaut wurde und eine Aufbruchstimmung in unserem Land herrschte. «Das Limmattal war damals Avantgarde», so Walker Späh. Ganz so revolutionär sei die Situation heute nicht mehr, da die Limmattalbahn mit der Glattalbahn bereits eine grosse Schwester habe. «Das schmälert die Bedeutung der Limmattalbahn aber in keiner Weise.

Es ist ein Generationenprojekt», hielt sie fest. Die Weitsicht äussere sich darin, dass man von Anfang nicht bloss eine Strassenbahn bauen, sondern die gesamte Verkehrssituation im Limmattal verbessern wollte. Sie sprach damit die Massnahmen beim Langsam- und beim Strassenverkehr an, die im Rahmen des Baus der Limmattalbahn umgesetzt werden.

Von einem «geschichtsträchtigen Tag» sprach Urdorfs Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) und wies auf die Bedeutung der Bahn für die Erschliessung der Kantonsschule Limmattal hin, die ausgebaut werden soll. Aber auch für den Wirtschaftsstandort Urdorf. Schlierens Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) empfand es als eine Ehre, dass der Spatenstich in Schlieren erfolgte. 

Spatenstich Limmattalbahn: Die Rede von Gesamtprojektleiter Daniel Issler.

Durch die Limmattalbahn werde die Stadt neu gestaltet. Von einer Genugtuung wiederum sprach Willy Haderer, der «Vater der Limmattalbahn», der als ehemaliger Unterengstringer Gemeindepräsident, Kantonsrat (SVP) und Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal das Projekt über Jahrzehnte hinweg so eng begleitete wie sonst kaum jemand. Er brachte unter anderem den sogenannten Letter of intent auf den Weg, mit dem sich alle Gemeinden von Zürich bis Baden 2007 zur Notwendigkeit der Limmattalbahn bekannten, und der der damaligen Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP) überreicht wurde.

Landammann Attiger hofft denn auch, dass die Limmattalbahn dereinst bis nach Baden verkehren wird. «Wir befinden uns in einem Raum, der überproportional wächst. Das heisst, wir sind attraktiv», so Attiger. Neben der Steuerbelastung werde die Erreichbarkeit bei der Standortwahl zunehmend ein wichtiges Kriterium. Sie müsse deshalb auch in Zukunft sichergestellt werden. «Nicht nur für den Wirtschaftsraum, sondern für die Leute, die hier wohnen und ihre Freizeit verbringen.»