Limmattal
Rohbau der dritten Gubriströhre wird bis Ende November fertig – in Weiningen stehen jetzt grössere Arbeiten an

Im über drei Kilometer langen Tunnel fehlen noch der Deckbelag und die Innenausstattung. Mitte August startet beim Portal in Weiningen der Bau der 100 Meter langen Überdeckung.

Sven Hoti
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Im Innern der dritten Gubriströhre wird noch fleissig asphaltiert.

Im Innern der dritten Gubriströhre wird noch fleissig asphaltiert.

Walter Bieri/Keystone

In den provisorischen Wohn- und Bürobauten in der Nähe des Gubristportals in Regensdorf war auch schon mehr los. Zu Spitzenzeiten lebten hier über 100 Bauarbeiter. Inzwischen habe die Arbeitslast jedoch abgenommen, sagte Roland Hag, Projektleiter beim Bundesamt für Strassen (Astra), an einem Rundgang mit Medienschaffenden am Donnerstag. «Daran sieht man, dass die Baustelle langsam dem Ende zugeht.»

Bis zur Fertigstellung des Rohbaus – bis voraussichtlich Ende November, wie die Verantwortlichen vor Ort sagten – werden ziemlich genau fünf Jahre seit Baubeginn vergangen sein. «Wir befinden uns jetzt in der 235. Arbeitswoche seit dem Spatenstich und genau so viele Millionen Franken wurden bisher verbaut», sagte Hag. «Damit wird rund eine Million Franken pro Woche umgesetzt.» Bis Ende 2022 soll die dritte Röhre fertig. Ab Anfang 2023 soll sie befahrbar sein. Insgesamt 565 Millionen Franken hat das Astra für den Bau veranschlagt.

Während Hag auf dem Weg zum Tunnelportal Affoltern stolz diese Zahlen präsentiert, fängt sich bei einer der beiden bestehenden Gubriströhren bereits der Verkehr an zu stauen - symptomatisch für den Gubrist. An rund 350 Tagen im Jahr kommt es hier zu Stau. Mit der neuen Röhre erhält der Gubristtunnel drei neue Fahrbahnen in Richtung Bern, Basel, Luzern und Chur. Zusammen mit dem bereits fertiggestellten Sechsspurausbau zwischen Seebach und Affoltern soll so der Verkehr besser bewältigt werden.

Nach der Fertigstellung der dritten Röhre werden ausserdem die bestehenden zwei Röhren in Stand gesetzt und zwar jeweils nur eine aufs Mal. So sollen jeweils immer zwei Spuren Richtung St.Gallen befahrbar sein. Der Abschluss dieser Arbeiten ist auf Ende 2025 geplant.

So schreiten die Arbeiten in der dritten Gubriströhre voran.

Keystone-SDA

Insgesamt 3310 Meter hatten sich die Arbeiter während der vergangenen fünf Jahre von Affoltern nach Weiningen mit einer Spezialmaschine durch den Berg gefräst. Im September 2020 wurde der Durchstich gefeiert. Das sind über 660 Meter Fortschritt pro Jahr. Inzwischen ist der Rohbau praktisch abgeschlossen. Im Innern des 14,5 Meter hohen und 15,5 breiten Gewölbes fehlt noch der Deckbelag sowie die technische Ausrüstung. Damit soll Ende dieses Jahres begonnen werden.

Grössere Arbeiten stehen noch beim Weininger Tunnelportal an. Hier sind derzeit die letzten Arbeiten am Strassenbankett im Gange. Danach muss auch hier die Fahrbahn fertiggestellt werden. Am 16. August soll zudem der Bau der 100 Meter langen Überdeckung vor dem Portal beginnen. Für eine solche hatte die Gemeinde Weiningen bis vor Bundesgericht gekämpft. Die neue Überdeckung und der neue Weininger Halbanschlusses sollen bis 2025 fertiggestellt sein.

Beim Weininger Portal steht noch der Bau der 100 Meter langen Überdeckung an.

Beim Weininger Portal steht noch der Bau der 100 Meter langen Überdeckung an.

Walter Bieri/Keystone

Ein grosser Teil der weiteren Arbeiten bildet der Einbau der Betriebs- und Sicherheitsausrüstung. Zentrales Element: die drei Betriebszentralen jeweils an den Portalenden und in der Mitte der Röhre. Von hier aus werden beispielsweise die Stromversorgung und die Signalisation im Tunnel gewährleistet. Sie werden dereinst mit zahlreichen Servern und Elektroschränken ausgestattet sein. Deren Überwachung erfolgt extern über die Verkehrsleitzentrale Letten der Kantonspolizei Zürich und die Betriebsleitzentrale beim Werkhof in Urdorf.

Der Abluftkanal oberhalb der Fahrbahn ist mit Klappen ausgestattet, die sich bei einem Brand im Tunnel öffnen.

Der Abluftkanal oberhalb der Fahrbahn ist mit Klappen ausgestattet, die sich bei einem Brand im Tunnel öffnen.

Walter Bieri/Keystone

Von der Betriebszentrale im Stollen gelangt das Personal zudem unter die Fahrbahn zu den Werkleitungen, wo Hunderte Kilometer Kabel für den Tunnelbetrieb verlegt werden. Über eine Treppe erreicht man ausserdem den Abluftkanal oberhalb der Fahrbahn. Er ist auf der ganzen Tunnellänge mit Klappen ausgestattet. Brennt es im Tunnel, so registrieren das die Sensoren in der Röhre – sie geben dann ein Signal an die nächstgelegenen Klappen, die sich daraufhin öffnen und die Luft ablassen.

Der eingangs erwähnte Stau beim Gubrist hat sich nach dem Rundgang bereits wieder gelegt. In der Nähe des Weininger Portals befindet sich der inoffizielle Pannenparkplatz für den Gubrist. «Fast täglich kommen hier Unfallfahrzeuge vom Gubrist hin», erzählte ein Verantwortlicher. Ein stark demoliertes Fahrzeug steht auf dem Parkplatz. Gut möglich, dass es für den Stau verantwortlich war.

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