Limmattal
Pflege, Kontrollbesuche und Notfalleinsätze: Das sind die Pläne der regionalen Nachtspitex

Nach drei Jahren Pilotphase soll die Nachtspitex nun zum fixen Angebot gehören, die Mehrheit der Limmattaler Gemeinden bekundeten bereits ihr Interesse.

Lydia Lippuner
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Betreuung zu später Stunde: Eine Pflegefachperson besucht ihren Kunden in der Nacht.

Betreuung zu später Stunde: Eine Pflegefachperson besucht ihren Kunden in der Nacht.

zvg

Zuhause statt im Heim zu altern, das ist der Wunsch vieler Seniorinnen und Senioren. Damit dies trotz Gebrechen möglich ist, wurde im Limmattal vor drei Jahren das Pilotprojekt Nachtspitex Limmattal lanciert. Ab Januar soll das Projekt nun in den regulären Betrieb übergehen. Dietikon, Uitikon und Urdorf hatten bereits kommuniziert, dass sie sich für eine Fortführung der Nachtspitex entschieden haben. Wie nun eine Nachfrage der «Limmattaler Zeitung» ergeben hat, sagten auch die Gemeinden Birmensdorf, Unterengstringen, Oberengstringen, Oetwil, Weiningen und Geroldswil Ja zur Nachtspitex. Bis Ende Jahr sollen auch noch die Gemeinden Schlieren und Aesch der Spitex-Organisation Bescheid geben.

«Wir rechnen mit einer positiven Entscheidung und einer Fortführung der Nachtspitex Limmattal, da die Mehrheit der Gemeinden sich diesbezüglich bereits zustimmend geäussert hat», sagt Manfred Hertach. Er hat die operative Führung im Projektteam Nachtspitex Limmattal. Dieses besteht aus den Geschäftsleiterinnen und Geschäftsleitern der Organisationen Spitex Birmensdorf-Aesch, Spitex Uitikon-Waldegg, Spitex rechtes Limmattal und der Regiospitex Limmattal.

Die Kosten für den Betrieb wurden bereits in der Pilotphase gedeckt

Hertach zieht eine positive Bilanz der letzten drei Jahre. Die Pilotphase sei sehr erfolgreich verlaufen. Da die Nachtspitex von vielen in Anspruch genommen wurde, konnten die Vollkosten gedeckt werden.

Auch die drei Hauptangebote der Nachtspitex kristallisierten sich weiter heraus. Es sind dies die Grund- und Behandlungspflege sowie die Kontrollbesuche und die Pflegenotfalleinsätze bei Kundinnen und Kunden. «Der Schwerpunkt der Spitex-Arbeit liegt in der Grund- und Behandlungspflege. Diese soll nun durch das neue Angebot über 24 Stunden bei den Kundinnen und Kunden zu Hause möglich sein», sagt Hertach.

In der Nacht können die Schmerzen noch stärker werden

Nun verabreichen die Pflegenden den Kunden auch nachts unter anderem Schmerzmedikamente und Infusionen und führen lebenswichtige Überwachungen durch. Das ist laut Hertach wichtig, da das Schmerzempfinden nachts verstärkt sein kann, weil die Ablenkung fehlt und die Leute mit sich und ihren Schmerzen alleine sind.

Mit der Nachtspitex können auch sterbende Patienten zuhause begleitet und gepflegt werden. Die nächtlichen Kontrollbesuche sollen unnötige oder verfrühte Spitaleinweisungen verhindern. Hertach sagt:

«Oft führen Angst oder fehlende Spitex-Besuche zu frühen Heimeintritten. Ängstliche Kundinnen und Kunden oder unruhige und pflichtbewusste Angehörige sollen dadurch entlastet werden.»

Das ergänzende Spitexangebot in der Nacht sei somit ein wichtiges Element, um einen Übertritt in ein Heim hinauszuzögern.

Doch die Nachtspitex ist auch für jüngere Spitex-Kundinnen und -kunden von Bedeutung. Aufgrund der frühen Morgeneinsätze am Ende der Nachtschicht können jüngere Leute, die auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind, weiterhin aktiv am Berufsleben teilnehmen.

Den Betroffenen geht es vor allem um ihre Lebensqualität

Nicht zuletzt habe die Nachtspitex auch das Spital entlastet. Hertach sagt: «Durch die Nachtspitex konnten schon der eine oder andere Rettungsdiensteinsatz sowie notfallmässige Spitaleinweisungen verhindert werden.»

Die Nachtspitex hat jedoch auch ihren Preis. Die Nachtstunden werden teurer verrechnet. Um in allen elf beteiligten Gemeinden Nachspitex anzubieten, fallen jährliche Kosten von insgesamt 300'000 Franken an. Dabei werde ein Teil von den Gemeinden finanziert, der andere Teil von den Krankenkassen. Für den operativen Betrieb werden im Minimum rund zwei Vollzeitstellen benötigt. Im Moment steht jede Nacht eine diplomierte Pflegefachperson im Einsatz. Die Personalführung sowie die Einsatzplanung laufen bisher über die Regiospitex Limmattal mit Sitz in Dietikon. Das werde bei einer Weiterführung der Nachtspitex Limmattal auch so bleiben.

Hertach rechnet in den nächsten Jahren mit einem wachsenden Bedarf an Betreuung zu Hause: «Dieser Trend basiert auch auf der Altersstrategie des Kantons Zürich und dem Vorsatz, ambulante vor stationärer Behandlung zu bevorzugen», sagt er. Deshalb müsse das Bedürfnis nach Nachtspitex in Zukunft regelmässig überprüft und die Kapazität allenfalls erhöht werden. «Ganz abgesehen von allen finanziellen Aspekten, muss man sich bewusst sein, dass die Menschen das Bedürfnis haben, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu können», sagt Hertach. Dabei gehe es für die Betroffenen hauptsächlich um ihre Lebensqualität.

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