Limmattal
Nach den grossen Baustellen: 2023 soll die Limmattaler Bevölkerung zum Verkehr befragt werden

An der Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal zeigte Werner Toggenburger vom Amt für Mobilität auf, wie sich der Verkehr im Limmattal in Zukunft entwickeln soll und welche Planungsinstrumente dafür wichtig sind.

Florian Schmitz
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Nachdem die Limmattalbahn ihren Betrieb aufgenommen hat (im Bild die Zürcherstrasse in Dietikon) will der Kanton 2023 ein Verkehrsmonitoring in der Region durchführen.

Nachdem die Limmattalbahn ihren Betrieb aufgenommen hat (im Bild die Zürcherstrasse in Dietikon) will der Kanton 2023 ein Verkehrsmonitoring in der Region durchführen.

Virginia Kamm

Verkehrskonzepte und Richtplanungen liegen vielen Bürgerinnen und Bürgern fern, weil sie eher theoretisch und abstrakt erscheinen. Aber die Auswirkungen einer guten oder schlechten Verkehrsplanung betreffen uns alle im Alltag – und das besonders im verkehrsbelasteten Limmattal. Aber wie kann eine gute Gesamtverkehrsplanung den täglichen Stau auf vielen Strassen in der Region reduzieren und Anwohner besser vor Strassenlärm schützen? Darüber referierte Werner Toggenburger am Mittwochabend an der Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) im Gemeindesaal in Oberengstringen. Toggenburger ist Projektleiter im Bereich Gesamtmobilität beim kantonalen Amt für Mobilität, das die Verkehrsentwicklung im Kanton Zürich gestalten und steuern soll. Als Verantwortlicher für die Regionen Furttal, Unterland und Limmattal kennt er sich in der Region bestens aus.

«Wir führen immer sehr faire und konstruktive Gespräche mit ihm. Viele von ihnen haben sicher schon mit ihm zusammengearbeitet», stellte ZPL-Präsident und Dietikons Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) Toggenburger vor. Die ZPL besteht aus den 11 Gemeinden des Bezirks Dietikon und betreut als Planungsinstanz fürs Limmattal den regionalen Richtplan. 2018 verabschiedete die Zürcher Regierung ein Gesamtverkehrskonzept für den Kanton mit einem Planungshorizont bis 2030. Im Limmattal soll der öffentliche Verkehr zu Gunsten des motorisierten Individualverkehrs gefördert werden. 2013 betrug der Anteil des motorisierten Individualverkehrs 82 Prozent. Der ÖV-Anteil soll von 18 Prozent bis 2030 auf 30 Prozent anwachsen. «Das Limmattal hat bereits einen relativ hohen Anteil, ländliche Regionen haben mehr Nachholbedarf», sagte Toggenburger.

Nun gehe es insgesamt darum, das kantonale Konzept für die einzelnen Regionen zu vertiefen und sogenannte regionale Gesamtverkehrskonzepte zu erarbeiten, sagte er. Diese Konzepte hätten zwar rechtlich gesehen wenig Gewicht, aber seien wichtig als Auslegeordnung, um auch längerfristig Ziele zu definieren und gemeinsam zu verfolgen. Wichtige Grundsätze seien dabei, alle Verkehrsmittel gut zu vernetzen und aufeinander abzustimmen, flächen- und ressourceneffiziente Verkehrsmittel sowie kurze Wege zu fördern und den Verkehr insgesamt siedlungsverträglich zu gestalten.

Mehrkosten für intensivere Zusammenarbeit mit dem Aargau

An der Delegiertenversammlung der ZPL hiessen die 16 anwesenden Delegierten aus den 11 Gemeinden des Bezirks Dietikon das für 2022 vorgesehene Arbeitsprogramm sowie das Budget 2022 ohne Gegenstimme gut. Der erwartete Aufwand von knapp 409'000 Franken wird von den Bezirksgemeinden gedeckt und liegt gut 4000 Franken über dem Vorjahresbudget. Die Differenz sei grösstenteils auf höhere Honorare zurückzuführen, die wiederum einer intensiveren Zusammenarbeit mit den Aargauer Kollegen von Baden Regio geschuldet seien, wie ZPL-Präsident Roger Bachmann (SVP) erklärte. «Das Verkehrsthema hört nicht an der Kantonsgrenze auf. Es lohnt sich, in diese Kooperation zu investieren.» Anschliessend verabschiedete Bachmann ZPL-Sekretär Matthias Räber nach sechs Jahren im Amt und präsentierte seine Nachfolgerin Nora Fritschi, die schon seit Mai im Amt ist. Weil die ZPL-Delegiertenversammlung im März wegen Corona nicht physisch stattfinden konnte, wurde Räbers Abschied nun nachgeholt. (flo)

Im Limmattal sei die Verkehrsentwicklung dank Grossprojekten wie der Limmattalbahn und den dazugehörigen Strassenprojekten sowie dem Ausbau des Gubristtunnels besonders interessant: «In keinem Raum innerhalb der Schweiz wird in so kurzer Zeit so viel investiert», sagte Toggenburger.

Im Limmattal will der Kanton 2023, nach Inbetriebnahme der Limmattalbahn, ein Monitoring durchführen und dabei sowohl den Verkehr erfassen wie auch mit Befragungen das Verhalten und die Zufriedenheit der Bewohnenden eruieren. Bereits 2018 wurde ein solches Monitoring durchgeführt, um vergleichen und die Entwicklung aufzeigen zu können. «Diese Datengrundlagen sind für uns essenziell, damit wir neue Beurteilungen im Gesamtsystem vornehmen können», sagte Toggenburger.

Dabei müssen die Planer auch unvorhersehbare Entwicklungen berücksichtigen: Die Coronapandemie habe zu einem Umstieg vom ÖV aufs Velo geführt und auch den Stellenwert des Autos wieder erhöht. Der laufende Ausbau des Velonetzes solle dieses weiter fördern und auch Autofahrende zum Umsteigen bewegen. «Wir hoffen, dass das Velo 15 bis 20 Prozent der Gesamtmobilität leisten kann», sagte Toggenburger. Ausgehend von der laufenden Entwicklung sei das Amt für Mobilität zum Schluss gekommen, dass für das Limmattal ab 2025 die rund zwei Jahre dauernde Ausarbeitung eines regionalen Gesamtverkehrskonzepts sinnvoll sei.

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