Limmattal
Geroldswiler Gemeinderäte gewähren ihren Amtskollegen einen Einblick in die Zukunft ihres Dorfzentrums

An der 78. Limmattaler Bauvorständekonferenz zeigte die Gemeinde Geroldswil ihr Dorfzentrum, das sich mitten im Wandel befindet. Dabei erklärte Hochbauvorstand Peter Vogel, wieso die Gemeinde zwei grosse Projekte selbst entwickelt hat, statt das Land an Private zu verkaufen.

Florian Schmitz
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Zwischen alt und neu: Die Gäste der Bauvorständekonferenz wurden über den Dorfplatz im Zentrum zur neuen Überbauung Huebegg geführt.

Zwischen alt und neu: Die Gäste der Bauvorständekonferenz wurden über den Dorfplatz im Zentrum zur neuen Überbauung Huebegg geführt.

Florian Schmitz

Eine gute Gestaltung des Zentrums ist in vielen Limmattaler Gemeinden aktuell ein wichtiges Thema. Vor wenigen Wochen stellte der Unterengstringer Gemeinderat seine Pläne vor, bei der Unteren Bergstrasse einen neuen Dorfplatz mit Brunnen, Spielplatz und Sitzgelegenheiten zu erstellen. Bei den Nachbarn in Oberengstringen steht eine Umgestaltung und Sanierung des in die Jahre gekommenen Dorfplatzes bevor. In Schlieren ist mit dem Bau der Limmattalbahn ein unverkennbarer Stadtplatz mit markantem Flügeldach entstanden. In den nächsten Jahren wird unter anderem der Stadtpark erweitert und aufgewertet. Und Dietikon will seinen historischen Ortskern um das Kronenareal aufwerten.

Das Dorfzentrum von Geroldswil ist exemplarisch für viele laufende Entwicklungen. Entsprechend passe das Dorf bestens als Treffpunkt für die Bauvorständekonferenz, sagte der Schlieremer Bauvorstand und Präsident der Limmattaler Bauvorständekonferenz Stefano Kunz (Mitte) zur Begrüssung am Donnerstag. Zum jährlichen Anlass treffen sich Gemeinderäte, deren Ressorts mit dem Thema Bau zusammenhängen, sowie Angestellte aus den Bauabteilungen, um sich über ihre Erfahrungen und Herausforderungen auszutauschen.

Im Herbst 2020 konnte die Überbauung Huebegg bezogen werden.

Im Herbst 2020 konnte die Überbauung Huebegg bezogen werden.

Florian Schmitz / Limmattaler Zeitung

Führung durch das neue Zentrum statt Baustellenbesichtigung

Bereits letztes Jahr hätte Geroldswil die Gastgeberrolle der jedes Jahr in einer anderen Limmattaler Ortschaft stattfindenden Konferenz übernehmen sollen. Aber wegen Corona musste der Anlass mehrmals verschoben werden. Statt der ursprünglich geplanten Baustellenführung könne deshalb nun bereits die fertiggestellte Überbauung begutachtet werden, sagte der Geroldswiler Liegenschaftenvorstand Peter Christen (FDP).

Auf dem ehemaligen Kiesplatz im Zentrum wurde nämlich im Herbst 2020 das knapp 35 Millionen Franken teure Zentrum Huebegg mit 27 Wohnungen, einem Coop und einer Apotheke bezogen. Auf der anderen Seite der Huebwiesenstrasse steht als starker Kontrast die markante Zentrumsüberbauung mit dem autofreien Dorfplatz. «Eine exemplarische 1970er-Jahre-Planung», sagte Architekt Peter Baumgartner, Inhaber der Baumgartner & Stegmeier AG.

Sein Architekturbüro war nicht nur für die Huebegg zuständig, sondern hat auch den Architekturwettbewerb für die anstehende Erneuerung im alten Zentrum, dem sogenannten Baufeld Hotel, gewonnen. Im Juni 2021 genehmigten die Stimmberechtigten einen Baukredit von 35,6 Millionen Franken, um das in die Jahre gekommene Hotel ab Ende 2022 in kleine Mietwohnungen umzubauen.

Dorfplatzkommission soll den alten Platz beleben

Bei einer Führung durch das Dorfzentrum zeigten Christen, Baumgartner und der Geroldswiler Hochbauvorstand Peter Vogel (FDP) ihren Gästen das sich im Wandel befindende Zentrum. Der autofreie Dorfplatz der alten Zentrumsüberbauung solle künftig stärker als kultureller Begegnungs- und Veranstaltungsort gefördert werden, sagte Vogel. Auf dem Papier existiere schon eine Dorfplatzkommission, die künftig für Belebung sorgen soll.

Das geschäftige Alltagstreiben spielt sich dagegen eher auf dem kleinen Platz vor dem Coop bei der neuen Überbauung ab. Um die beiden Plätze noch besser zu verbinden, werde diskutiert, die Huebwiesenstrasse zu einer Begegnungszone mit Tempo 20 umzufunktionieren, sagte Christen. Die Verbindung funktioniere aber bereits trotz eines Tempolimits von 50 km/h gut, weil die meisten Autos dank der Strassenführung merklich langsamer unterwegs sind.

Architekt Peter Baumgartner (zweiter von links) erklärt, was sich um den Dorfplatz alles verändern wird.

Architekt Peter Baumgartner (zweiter von links) erklärt, was sich um den Dorfplatz alles verändern wird.

Florian Schmitz

Neben der fertiggebauten Huebegg und dem anstehenden Umbau besitzt die Gemeinde im Zentrum noch ein derzeit ungenutztes Stück Land, das sogenannte Baufeld West, auf dem sich früher die Buswendeschlaufe befand. Dieses könnte die Gemeinde an den Besitzer des Nachbargrundstücks verkaufen, damit dieser auf einer grösseren Fläche ein zusammenhängendes Projekt realisieren könnte. Zurzeit laufen die Verhandlungen, denn die Gemeinde will sicherstellen, dass sich das Zentrum in ihrem Sinn weiterentwickeln wird.

Steuersenkung dank erfolgreicher Vermietung

«Wir wollen nicht unbedingt alles selbst umsetzen», sagte Vogel. Dass die Gemeinde das Huebegg-Grundstück nicht verkauft, sondern selbst entwickelt hat, habe im Vorfeld für kontroverse Diskussionen gesorgt. Er fährt fort:

«Wir haben bewusst selbst geplant, um längerfristig den Finanzhaushalt der Gemeinde zu entlasten.»

Das Risiko habe sich schon jetzt gelohnt. Inzwischen sind alle Wohnungen vermietet und die Gemeinde geht davon aus, dass die jährlichen Einnahmen finanziell 3 bis 3,5 Steuerprozentpunkte ausmachen. Bereits die per 2021 beschlossene Steuersenkung von 49 auf 46 Prozent sei auch dank der Huebegg zu Stande gekommen.

Architekt Baumgartner lobte den Entscheid der Gemeinde, das Land zu behalten und einen für alle öffentlichen Projekte notwendigen Architekturwettbewerb auszuschreiben. «Unsere Baukultur lebt vom Wettbewerbswesen», sagte er. Seiner Erfahrung nach sei es ein zunehmender Trend, dass Gemeinden ihr Tafelsilber nicht mehr verkaufen, sondern lieber die Kontrolle behalten und selbst bauen wollen.

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