Limmattal
Austrainiert: Die Fitnesscenter wissen nicht, wie sie die Zwangspause überstehen sollen

Aufgrund der Schutzmassnahmen sind die Fitnesscenter seit Wochen geschlossen. Limmattaler Center erzählen, welche Sportmöglichkeiten sie weiter anbieten und wie sie über die Runden kommen.

Lydia Lippuner
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Lahmgelegt: Die Sportgeräte in den Fitnesscentern stehen unbewegt im Raum. Die Inhaber hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung, trotz Corona.

Lahmgelegt: Die Sportgeräte in den Fitnesscentern stehen unbewegt im Raum. Die Inhaber hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung, trotz Corona.

Bild: Britta Gut

Das David Gym ZH-West in Schlieren ist über die Region hinaus als Fitnesscenter für angehende Bodybuilder, Hobbysportler und Senioren bekannt. Seit Wochen stehen die Kraftgeräte aber unbewegt da, die Hanteln werden nicht mehr hochgedrückt und die Gruppenfitnessstunden wurden abgesagt. «Wir haben Kurzvideos mit Home-Work-outs für unsere Mitglieder erstellt und Übungsvorschläge für Home-Work-outs auf unsere App geladen», sagt Kathi Fleig, Inhaberin des David Gym. Sollte der Lockdown noch länger anhalten, werde das Fitnesscenter ab März Work-outs im Freien für Kleingruppen anbieten. Denn gerade für Senioren sei die Zwangspause im Sport problematisch, weil sich die Muskulatur im Alter noch schneller zurückbilde und die gesundheitlichen Probleme dadurch grösser werden.

Normalerweise verkaufen die Fitnesscenter im Januar viele Abos, da die Leute ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzen wollen. Das David Gym verbuchte so jeweils zu Jahresbeginn mindestens 100 Neuzugänge. Dieses Jahr sei wegen des Lockdowns kein einziges neues Abo abgeschlossen worden. Um die ausbleibenden Erträge zu kompensieren, stellte das Gym im Februar ein Härtefallgesuch. So sollen die mindestens 40 Schliessungstage seit November kompensieren werden. «Wenn Härtefallgeld ausbezahlt wird, dann hilft uns das, solange durchzuhalten, bis wir hoffentlich ohne grosse Einschränkungen wieder öffnen dürfen», sagt Fleig. Je länger der Lockdown aber dauere, desto schwieriger werde dies. Denn die Fixkosten wie Miete, Leasing und Versicherung müssen trotz der Schliessung weiterbezahlt werden. Zudem habe mindestens ein Drittel der Mitglieder aus Unsicherheit und Angst das Abo gekündigt. «Die noch bestehenden Mitglieder sind zum grossen Teil nicht mehr bereit, Beiträge zu bezahlen, bevor nicht feststeht, wann wieder geöffnet werden kann», sagt Fleig.

«Ein längerer Ausfall wäre fatal»

Auch die beliebten Gruppenkurse des Ladies Gym in Dietikon finden seit Wochen nicht mehr statt und die grossen Geräte stehen unbenutzt im Raum. «Unsere Kundinnen konnten verschiedene Kleingeräte aus dem Gym ausleihen und die Kurse finden nun per Zoom statt», sagt Kathrin Schmidtke. Sie ist die Assistentin des Geschäftsführers vom ersten Frauenfitnesscenter in der Schweiz. Abos habe man im neuen Jahr noch keine verkauft. Vom Bund werde das Fitnesscenter für Frauen bislang lediglich mit Kurzarbeitsgeld unterstützt. Sie sagt:

«Den Coronakredit, den wir ja zurückzahlen müssen, mussten wir leider im Dezember anknipsen, weil unsere Reserven aufgebraucht sind. Wir hoffen, dass es im März wieder losgeht. Ein längerer Ausfall wäre fatal.»

Trotzdem bleibe sie zuversichtlich und hoffe auf einen baldigen Neustart.

An anderen Orten, zum Beispiel in Geroldswil, tönt es ähnlich: Dort ist das Fitnesscenter Endless Fitness normalerweise während 24 Stunden geöffnet. Seit dem 22. Dezember ist es durchgängig geschlossen. «Wir können keine Angebote im geschlossenen Studio verkaufen, folglich haben wir null Einnahmen», sagt Nurettin Yarasir, Inhaber des Centers. In einem normalen Jahr hätte er seit Jahresbeginn locker 120 Abos verkauft. Nun fühlt er sich in dieser Situation vom Bund und vom Kanton im Stich gelassen. «Wir haben noch keinen Rappen Unterstützungsgeld gesehen. Sogar unser Antrag auf Kurzarbeit wurde abgelehnt», sagt er. Unter solchen Bedingungen werde er nur noch wenige Monate überleben können, bis er Konkurs anmelden müsse.

Kein Geld für die gepellten Kunden

Nicht nur die Fitnesscenter leiden unter den Schutzmassnahmen. Die sportbegeisterten Kunden haben im Voraus bezahlt, können aber die Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen. Im David Gym erhalten sie deshalb eine Zeitgutschrift. Das Ladies Gym wählte einen ähnlichen Weg: Es gibt kein Geld zurück, dafür eine Gutschrift für einen Monat Fitness und einen Gutschein über 50 Franken. Auch das 24-Stunden-Fitnesscenter in Geroldswil erstattet den Kunden das Geld nicht. «Das würde unseren finanziellen Ruin bedeuten», sagt Yarasir. Die Leistung werde jedoch erstattet, sobald ein neues Abo gemacht werde.

An der Medienkonferenz des Schweizer Gewerbeverbands am vergangenen Dienstag zeigte sich auch Roland Steiner, Vize- und Ehrenpräsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands (SFGV) besorgt. Er sagte: «Wir bitten den Bundesrat, Fitness- und Gesundheitscenter als systemrelevant einzustufen.»

Mit den Schutzkonzepten stehe für jeden Kunden genug Raum zur Verfügung. Er sagte weiter, dass der Bundesrat mit einer baldigen Öffnung der Center die Eigenverantwortung der Kunden stärken könne. Man hoffe auf eine weise Entscheidung des Bundesrates, denn die bisherige Strategie sei nicht zielführend gewesen.

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