Gewässer
Limmat und Zürichsee zu warm: Forellen legen ihre Eier später

Die Temperatur der Limmat und des Zürichsees ist um zwei Grad höher als üblich.

Anina Gepp
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Bachforellen, wie es sie in der Limmat gibt, bevorzugen kalte Gewässer. 2014 war für sie deshalb ein gutes Jahr – nur der Dezember ist nun wärmer als erwartet.

Bachforellen, wie es sie in der Limmat gibt, bevorzugen kalte Gewässer. 2014 war für sie deshalb ein gutes Jahr – nur der Dezember ist nun wärmer als erwartet.

Keystone

Die normale Wassertempertemperatur des Zürichsees liegt Anfang Dezember jeweils bei 7 bis 8 Grad. Dieses Jahr jedoch zeigt das Thermometer bis zu drei Grad mehr an. Das hat Thomas Posch der Limnologischen Station der Universität Zürich kürzlich vermeldet. Bis in die tieferen Schichten sei der See zu warm. Schuld daran ist der letzte Winter, in dem es kaum Tage unter dem Nullpunkt gab. Die Folge des warmen Wassers: Die Schichten mischen sich schlecht. Das wiederum führt zu weniger Sauerstoff im tiefen Wasser. Das kann für Fischarten, die dort unten laichen bedrohlich sein. Auch gibt es weniger Nährstoffe an der Oberfläche, was zu mangelndem Algenwachstum führt. Diese Algen werden von Fischlarven und Jungfischen gefressen.

Doch wie stark wirkt sich die wärmere Wassertemperatur wirklich auf das Ökosystem des Sees aus? Henry Loher, Präsident des Fischereiverbands Kanton Zürich, hält die Sorgen für übertrieben. Schon in früheren Jahren sei es so gewesen, dass die Temperaturen im Winter schwankten und das Wasser mal ein paar Grad wärmer war. Den Fischen passiere noch gar nichts, wenn das Wasser zwei Grad wärmer sei. Ausserdem habe er diese Woche eine Seetemperatur von 9.3 Grad gemessen. Dieser Wert liegt noch immer über dem Durchschnitt, aber dennoch unter dem gemessenen Wert der Limnologischen Station der Universität Zürich.

Die Natur sei unberechenbar, so Loher. Noch gebe es im Zürichsee eine breite Palette an Fischen und auch die Menge sei ausreichend. Das sei erstaunlich, wenn man sich vor Augen führe, wie die Frequenz von Schiffen in den letzten Jahren zugenommen habe. Die wichtigste Aufgabe des Fischereiverbands sei es, den See möglichst in seinem ursprünglichen Zustand zu halten.

Die Wassertemperaturen der Limmat sind dieses Jahr ebenfalls um ungefähr zwei Grad höher wie üblich für diese Zeit, wie Andreas Hertig, Fischereiadjunkt der Jagd- und Fischereiverwaltung Zürich bestätigt. Besonders die Felchen, die ihren Laich in der Uferregion legen, seien heuer eine ganze Woche hinterher. Auch die Seeforellen in den kleinen Zuflüssen des Zürichsees sind später dran. Problematisch könne die Situation werden, wenn die Wassertemperaturen über längeren Zeitraum nicht weiter abkühlen. Dann könnten die abgelaichten Eier erhöhte Mortalitäten erleiden oder absterben. Da es nun aber stetig abkühle, würden die Eier und Fischembryos wohl keinen grossen Schaden nehmen. Ändern könne man an der Lage sowieso nichts.

Thomas Hofstetter, Bewirtschafter des Fischerverein Kloster Fahr, sieht die Temperaturen im Winter nicht als Gefahr für die Fische. «Schlimmer ist es, wenn es im Sommer lange Zeit warm ist, viele Leute in der Limmat baden und die Fische durch diesen Stress krankheitsanfälliger werden.» Das Jahr 2014 sei ansonsten für die Fische ein gutes gewesen, da die Wassertemperaturen nie über 23 Grad erreichten. «Karpfen und Alet mögen die höheren Temperaturen sogar.» Es seien die Forellen und Äschen, die kaltes Wasser bevorzugten, so der Fischer.