Schlieren
«‹Limeco› steht auf jedem Abfallsack»: Auch der Bekanntheitsgrad des Unternehmens gibt zu reden

Die Betreibergesellschaft der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Dietikon will für brutto 90 Millionen Franken das Nachbargrundstück der heutigen Anlage, die Coop-Verteilzentrale, kaufen, um darauf eine neue KVA zu planen. Im Saal des Spitals Limmattal stellte sich die Limeco den Fragen der Bürger zur Abstimmung am 10. Juni.

David Egger
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Am 10. Juni findet die Abstimmung über den geplanten Kauf des Coop-Areals in Dietikon statt, um darauf eine neue Kehrichtverwertungsanlage zu bauen.

Am 10. Juni findet die Abstimmung über den geplanten Kauf des Coop-Areals in Dietikon statt, um darauf eine neue Kehrichtverwertungsanlage zu bauen.

Sandra Ardizzone

Am 10. Juni stimmt das Volk der fünf Gemeinden rechts der Limmat sowie von Dietikon, Urdorf und Schlieren über den geplanten Kauf des Coop-Areals in Dietikon ab, um darauf eine neue Kehrichtverwertungsanlage (KVA) zu bauen. Denn die heutige KVA auf dem Nachbarareal, die im Jahr 90'000 Tonnen Kehricht verwertet, wird bis etwa 2035 stillgelegt, da sie immer altersschwächer wird. Brutto kostet der Landkauf 90 Millionen Franken, der Nettopreis bewegt sich zwischen 40 und 65 Millionen Franken, da mit Coop bereits vereinbart ist, dass Coop das Verteilzentrum für mindestens sechs und maximal zwölf Jahre zurückmieten wird. Das Geld für den Kauf würde Limeco am Kapitalmarkt aufnehmen, gleichwohl ist eine Volksabstimmung nötig.

Die Coop-Verteilzentrale (vorne), die die Limeco kaufen will, grenzt direkt an die alte Kehrichtverwertungsanlage (KVA) im Dietiker Gebiet Silbern.

Die Coop-Verteilzentrale (vorne), die die Limeco kaufen will, grenzt direkt an die alte Kehrichtverwertungsanlage (KVA) im Dietiker Gebiet Silbern.

Sandra Ardizzone

Doch der Volksabstimmung zum Trotz wüssten viele gar nicht, was die Limeco überhaupt ist, hiess es aus den Reihen der rund 30 Besucher des Info-Abends der Limeco im Bühnen- und Gartensaal des Spitals Limmattal. Bei der Limeco ist man sich bewusst, dass sie noch am Bekanntheitsgrad arbeiten muss. «Wir sind dran», sagte Stefano Kunz, der Schlieremer Werkvorstand (CVP) der bei der Limeco als Verwaltungsratspräsident amtet. Kunz fügte an: «‹Limeco› steht auf jedem Abfallsack.»

Mit Regiowärme zu den Leuten

Weiter wies er darauf hin, dass es bei der Kehrichtverwertung und der Abwasserreinigung ähnlich sei wie bei der Trinkwasserversorgung (die in Schlieren zu seinem Ressort gehört): «Sie kommt erst dann ins Bewusstsein, wenn das Trinkwasser nicht mehr gut ist.» Für die Limeco heisse das, dass sie einen grossen Aufwand betreiben müsse, um ins Bewusstsein zu kommen. Die Regiowärme (die zurzeit ausgebaut wird) helfe dabei etwas. «Mit ihr kommen wir zu den Leuten», sagte Kunz. Und nicht zuletzt die Abstimmung rufe die Limeco ins Bewusstsein des Volks.

Aus den Reihen der Bürger am Info-Abend kam auch die Frage, ob die Limeco all die Investitionen in den nächsten Jahrzehnten überhaupt finanzieren könne, ergäben doch alle zusammen bis ins Jahr 2050 etwa 500 Millionen Franken. Dazu Kunz: «Wir haben intern, insbesondere für das Kontrollorgan, eine sogenannte Gesamtschau bis 2050 erstellt. Und wir sind zum Schluss gekommen, dass wir alles stemmen mögen.» Wie Patrik Feusi, Geschäftsführer der Limeco, weiter erklärte, hat die Limeco zudem durch eine Agentur ein Rating durchführen lassen. Dafür musste die Limeco ihre Businesspläne bis ins Jahr 2050 offenlegen. «Wir haben ein Rating von AA-», erklärte Feusi. Das sei im Kontext der Tätigkeiten der Limeco ein hervorragendes Rating, so Feusi. «Man hat uns attestiert, dass wir per se ein sehr attraktiver Kapitalnehmer sind.» Denn die Limeco böte Sicherheit. Die Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Limeco eine Anlage bauen könne, die auch langfristig wirtschaftlich funktionieren könne.

Genau damit habe die im Richtplan eingetragene Grösse von 160'000 Jahrestonnen für die neue KVA zu tun. Je grösser, desto wirtschaftlicher ist eine KVA. In Irland baue man daher KVAs mit rund 600'000 bis 700'000 Jahrestonnen, erklärte Kunz. Über den KVA-Neubau in Dietikon wird es eine eigene Abstimmung geben. Was eine Bürgerin zur Frage veranlasste, was denn passiere, wenn der Landkauf genehmigt, aber der Neubau abgelehnt werde. Laut Feusi bräuchte die Limeco dann einen kleinen Teil der Fläche für eine Ersatzwärmequelle für das Regiowärmenetz. Den Rest könnte man im Baurecht für Gewerbe- oder Industriebauten abgeben oder wieder verkaufen.

An Interessenten würde es offenbar nicht mangeln. «Als bekannt wurde, dass Coop das Grundstück an uns verkaufen will, ging es nicht einmal eine Woche, bis ich zwei Telefonanrufe hatte von Leuten, die sagten: ‹Wenn die Limeco es nicht nimmt, nehmen wir es sofort›.» So sind insbesondere Logistikunternehmen heiss auf so grossen Flächen nahe Zürich.

«Abfall ist für mich ein sauberer und CO2-neutraler Energieträger.» -René Beck, Präsident des Kontrollorgans der Interkommunalen Anstalt Limeco und Werkvorstand im Gemeinderat Oberengstringen (CVP).

«Abfall ist für mich ein sauberer und CO2-neutraler Energieträger.» -René Beck, Präsident des Kontrollorgans der Interkommunalen Anstalt Limeco und Werkvorstand im Gemeinderat Oberengstringen (CVP).

zvg

Im Schlusswort sagte René Beck, Präsident des Limeco-Kontrollorgans: «Abfall ist immer ein wenig mit einem negativen Touch behaftet. Aber Abfall ist für mich ein sauberer und CO2-neutraler Energieträger.» Und schliesslich sei man auch der übernächsten Generation verpflichtet.