Limmattal
Limeco: So bereiten Sie den Anschluss ans Wärmenetz vor

Das Kehrichtheizkraftwerk produziert überschüssige Energie. Damit das ein Ende nimmt, sind auch private Gebäudeeigentümer als Energieabnehmer gefragt.

David Egger
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Sie soll künftig auch Private mit Wärmeenergie versorgen: die Kehrichtverbrennung der Limeco.

Sie soll künftig auch Private mit Wärmeenergie versorgen: die Kehrichtverbrennung der Limeco.

Der Name ist Programm: Statt von Kehrichtverbrennungsanlagen oder Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) spricht man heute von Kehrichtheizkraftwerken (KHKW). So auch bei der Limeco, die dasjenige in Dietikon betreibt. Einziges Problem: Nur 54 Prozent der Energie aus dem Kehricht wird als Strom oder Wärme genutzt.

Beide Energieformen haben ihre Vor- und Nachteile: Zwar kann die Limeco ihren Strom direkt ins Netz einspeisen (70 431 Megawattstunden im letzten Jahr, entspricht gut 20 500 Haushalten), aber nicht die ganze produzierte Energie lässt sich effizient in Strom umwandeln. Bei der Wärme ist das Potenzial viel grösser. Dort ist der Nachteil aber, dass man sich zuerst genügend Wärme-Abnehmer organisieren muss, was bisher aber noch nicht geschehen ist.

Der Kreis jener, die sich an das 1985 gegründete Regiowärme-Netz der Limeco anschliessen konnten, war bisher auf das Dietiker Gebiet Silbern beschränkt, da nur dort entsprechende Leitungen vorhanden sind. Die Anzahl Abnehmer steigt langsam: 2008 waren es 22 Bezüger, heute sind es 30. Zuletzt wurden 26 752 Megawattstunden Regiowärme abgesetzt. Über sechs Mal mehr Wärme verpufft in der Luft. Das ist unökologisch und auch finanziell schade, liesse sich die Wärme doch verkaufen.

Mit dem Ausbau, der gestern begonnen wurde, soll sich die Zahl der Bezüger vergrössern: bis 2018 in Dietikon, Spreitenbach, Geroldswil, Oetwil und Weiningen. Voraussichtlich 2019 kommen Unter- und Oberengstringen hinzu. Das Ideal eines Energienutzungsgrads von 100 Prozent rückt damit näher. Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft schreibt 65 Prozent vor.

Mit dem Leitungsbau allein kommt die Limeco diesem Ziel aber nicht näher. Nötig ist auch, dass genügend Eigentümer ihre Liegenschaften an das Regiowärmenetz anschliessen. Wie die Limeco auf ihrer Website schreibt, könnten ihre Trägergemeinden Grundeigentümer sogar dazu verpflichten, Regiowärme zu beziehen. Die Heizölbranche schaltet schon länger Inserate, die vor solchen Anschlusszwängen durch Fernwärmenetze warnen. Die Limeco gibt aber Entwarnung: «Die Trägergemeinden von Limeco verzichten grundsätzlich auf einen Anschlusszwang», schreibt sie auf ihrer Website. Ausnahmen gibt es aber: So ist beispielsweise vorgesehen, dass der Gestaltungsplan für das künftige Dietiker Quartier Niderfeld einen Anschluss an das Regiowärme-Netz vorschreibt.

Limeco: «günstigste Energie»

Die Limeco will sich dem freien Energiemarkt stellen und wirbt bereits damit, dass die Regiowärme günstiger ist als Öl, Gas, Holzpellets sowie Luft- oder Erd-Wärmepumpen. Den Anschlusspreis zahlt man grundsätzlich einmalig. Möglich ist aber auch, ihn über 30 Jahre hinweg abzuzahlen. Der Preis für die Wärme setzt sich zusammen aus dem Grundpreis, dem Preis für die reservierte Leistung und dem Preis für die tatsächlich bezogene Wärme.
Mittlerweile kann man sich nun online oder telefonisch bei der Limeco melden, um den eigenen Anschluss in die Wege zu leiten. Liegenschaftsbesitzer werden persönlich beraten.
Interessierte können dann mit einem Formular die eigenen Wärme-Verbrauchsangaben der letzten Jahre an die Limeco übermitteln, woraufhin diese dann ein sogenanntes Richtpreisangebot macht. Daraufhin gibt es eine Besichtigung der Liegenschaft vor Ort, auf deren Basis die Limeco einen Wärmeliefervertrag entwirft. Bei der Besichtigung vor Ort wird auch die definitive Leitungsführung bestimmt.

Auch Firma Richi gibt Wärme ab

Dieses Prozedere stellte die Limeco am Montagabend rund 80 interessierten Geroldswiler Gebäudeeigentümern vor. Die Geroldswiler und einzelne Dietiker können bereits im kommenden Winter erstmals Limeco-Regiowärme beziehen. Dies hat in Geroldswil insbesondere damit zu tun, dass das Regiowärmenetz dort zusätzlich noch mit Abwärme der Weininger Firma Richi gespiesen wird. Zudem ersetzt die Regiowärme den bisherigen, 45 Jahre alten Nahwärmeverbund Zentrum Geroldswil, der mit fossilen Quellen betrieben wird und jährlich 1287 Tonnen Kohlendioxid in die Luft stösst. Dank Regiowärme soll dieser Wert um 97,8 Prozent auf nur noch 23 Tonnen sinken.

Eine gute Basis für die Regiowärme ist damit gelegt. Offen ist noch, woher das Regiowärmenetz nach 2035 gespiesen wird, wenn der jetzige Standort des KHKW aufgegeben werden muss. Die Limeco favorisiert die Idee eines neuen, grösseren KHKWs in der Region, das den Kehricht aus noch mehr Gemeinden verwertet. Alternativen, die als Plan B abgeklärt werden, sind beispielsweise ein Holz-, Wärmepumpen- oder Geothermiekraftwerk.

Übrigens: Neben dem Kehrichtheizkraftwerk produziert auch die Limeco-Abwasserreinigungsanlage (ARA) Strom (aus Klärgas, für gut 600 Haushalte) und Wärme (5502 Megawattstunden). Das ganze Dietiker Limmatfeld-Quartier bezieht seine Wärme aus der ARA.

Die Limeco steht unter der Trägerschaft der rechtsufrigen Limmattalgemeinden sowie Schlieren, Urdorf und Dietikon. Nicht zur Trägerschaft gehören hingegen Uitikon, Aesch und Birmensdorf. Sie sind per einfachem Vertrag angeschlossen, so wie unter anderem auch Bergdietikon, Spreitenbach und Gemeinden aus dem Freiamt, dem Furttal und dem Knonauer Amt.