Fernwärmenetz

Limeco prüft ein Geothermie-Kraftwerk im Limmattal

Die Dietiker Kehrichtverwertungsanlage wird zurückgebaut und liefert keine Fernwärme mehr. Eine Alternative ist nötig. SAN

Die Dietiker Kehrichtverwertungsanlage wird zurückgebaut und liefert keine Fernwärme mehr. Eine Alternative ist nötig. SAN

Alternative Energien könnten ab 2030 die Wärme aus der Müllverbrennung ersetzen. Unabhängig davon, ob das Limmattal auch nach 2030 noch über eine Kehrichtverwertungsanlage (KVA) verfügt, will die Limeco ihr Fernwärmenetz weiterbetrieben.

Am liebsten wäre es ihr, wenn die neue überkantonale Anlage im Limmattal zu stehen kommt. So könnte ihr Fernwärmenetz auch in Zukunft mit Wärme aus der KVA versorgt werden. Im Rahmen der Feinevaluation des Projekts Effiziente Verwertung von Abfall klärt die Limeco zugleich ab, wie sie die Energie aus der KVA ersetzen könnte, falls es im Limmattal künftig keine KVA mehr gibt.

Wegen der Umweltgesetzgebung und der Energiestrategie 2050 des Bundes kommen fossile Energiequellen wie Erdgas nicht als Hauptenergiequelle infrage, sondern einzig als Absicherung für Spitzenbelastungen an extrem kalten Wintertagen, was maximal zehn Prozent der Leistung ausmacht.

Auch Holzkraftwerk ein Thema

In der Studie prüft die Limeco ein Holzkraftwerk, Flusswasser-Wärmepumpen, Grundwasser-Wärmepumpen und ein Geothermiekraftwerk. Dazu wird auch abgeklärt, ob die Wärme von extern, aus benachbarter Quelle stammen kann – zum Beispiel, wenn eine neue KVA im nahen Aargauer Limmattal zu stehen kommt, etwa in Spreitenbach.

Gerade die Idee der Geothermie (zu Deutsch: Erdwärme) sorgt dabei für Aufsehen: Entsprechende Pläne in Basel und St. Gallen mussten nämlich verworfen werden, da schon die ersten Probebohrungen zu Erdbeben führten. Bei Erkundungsbohrungen im Zürcher Triemli-Quartier kam es hingegen zu keinen derartigen Zwischenfällen.

Dort wurde das undurchdringliche Grundgebirge in etwas mehr als 2400 Metern Tiefe erreicht. Allerdings bot der Untergrund zu wenig durchlässige Schichten, in die das Wasser zur Erwärmung hätte gepumpt werden können. Auch der Limmattaler Untergrund muss zuerst genauer erforscht werden. «Er ist gemäss heutigem Wissensstand durchaus für Geothermie geeignet», sagt Limeco-Geschäftsführer Patrick Feusi.

«Auf jeden Fall würden wir nicht die gleichen Bohrungsarten wie in Basel oder St. Gallen nutzen. So kann man die Erdbebengefahr aus dem Weg räumen.» Wie erwähnt ist aber noch offen, ob das Limmattal diese alternative Energiequelle wirklich erschliesst. Die Prüfung alternativer Wärmequellen ist auch darum nötig, weil über die nächsten Jahre ein schon bewilligter Gross-Ausbau der Limeco-Regiowärme ansteht.

Zuerst sollen für 30 Millionen Franken das Fondli-Quartier, das zukünftige Stadtquartier Niderfeld und der Osten Spreitenbachs mit Fernwärme erschlossen werden. Der Spatenstich für diese Erschliessungsarbeiten ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Die Leitungen müssen die SBB-Geleise passieren.

Ursprünglich war eine Überquerung von der Silbern zum Fondli auf der Viaduktstrassen-Brücke geplant. Diese Linienführung musste nach bewilligungsrechtlichen Bedenken der Stadt Dietikon aufgegeben werden. Stattdessen sollen die Gleise nun auf der Überlandstrasse unterquert werden – mit dem Vorteil, dass so auch die Quartier Altberg, Schuelguet und Lagerstrasse mit Fernwärme erschlossen werden. Diese Änderungen hat Investitionen von 6,8 Millionen Franken zur Folge.

Fernwärme für 99 Millionen

Mit der Erschliessung des Altberg-Quartiers gelangen die Leitungen so nahe an die Limmat, dass die Idee einer Flussüberquerung aufkam. Für – ebenfalls bereits bewilligte – 24 Millionen Franken werden Geroldswil und die Fahrweid, in einer weiteren Phase auch der Rest des rechten Limmattals erschlossen, namentlich Oetwil, Weiningen, Unterengstringen und Oberengstringen, was mit etwas mehr als 38 Millionen Franken zu Buche schlägt, die auch bereits bewilligt sind.

In den Gesamtkosten von 99,3 Millionen Franken sind total 21,8 Millionen Franken Anschlusskosten enthalten, die die Abnehmer der Fernwärme bezahlen.

Damit ist die Entwicklung noch nicht fertig: Im Rahmen der Limmattalbahn-Bauarbeiten sollen dann ab 2019 auch Leitungen nach Urdorf, Schlieren und eventuell Killwangen verlegt werden. Der dafür nötige politische Bewilligungsprozess wird frühestens 2018 aufgegleist.

Hintergrund des Ganzen ist auch, dass zurzeit bloss 15 Prozent der Limeco-Wärme genutzt wird, nämlich rund 27 000 Megawattstunden. Mit dem bereits bewilligten Ausbau steigt diese Zahl bis 2030 auf 160 000 Megawattstunden. Mit dem noch nicht bewilligten Teil würde sie auf 250 000 Megawattstunden ansteigen, was rund 100 Prozent entspricht. Wenige Jahre später könnte diese Energie dann tief aus der Erde kommen.

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