25 000 Megawattstunden Wärmeenergie setzt das Kehrichtheizkraftwerk (KHKW) Dietikon zurzeit jährlich ab — genug, um den Warmwasser- und Heizbedarf von 1500 Einfamilienhäusern zu decken. Doch nicht genug für die Limeco, Betreiberin des Kraftwerks: Um noch mehr der Verbrennungsabwärme nutzen zu können, investiert sie rund 30 Millionen Franken in den Ausbau des Fernwärmenetzes. Unter dem neuen Namen «Limeco Regiowärme» soll der jährliche Absatz bis 2029 auf 75 000 Megawattstunden verdreifacht werden.

«Weil unsere Energie klimaneutral ist, wird der CO2-Ausstoss in der Region pro Jahr um 10 000 Tonnen reduziert», sagt Patrik Feusi, Geschäftsführer der Limeco. Der vom Verwaltungsrat vorgeschlagene und von den Trägergemeinden genehmigte Ausbau des Netzes weckt Erinnerungen: Bereits vor drei Jahren kündigte Limeco an, entlang des Trassees der Limmattalbahn eine Transferleitung vom Spital in Schlieren bis nach Spreitenbach bauen zu wollen.

Das Fernwärmenetz der Limeco.

Das Fernwärmenetz der Limeco.

Laut Feusi ist dieser Plan nicht vom Tisch, die Erschliessung von Quartieren entlang der Bahnlinie bleibe die «langfristige Absicht». Denn die Tiefbauarbeiten fürs Fernwärmenetz können laut Feusi «bis zu 30 Prozent» günstiger ausfallen, wenn sie gemeinsam mit dem Bau des Bahntrassees durchgeführt werden. Eine allfällige Anbindung weiterer Quartiere erfolge deshalb in enger Koordination mit dem Bau der Limmattalbahn, aber auch mit gemeindeeigenen Gasversorgungen.

Mit oder ohne Limmattalbahn

In einem ersten Ausbauschritt sollen nun bis 2017 aber zunächst die Dietiker Quartiere Fondli und Gjuch sowie die Siedlungsreserve Niderfeld ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Im Fondli-Quartier ist dafür laut dem Dietiker Stadtrat und Verwaltungsratspräsident Jean-Pierre Balbiani nun der richtige Zeitpunkt dafür. «Schulhaus und Schwimmbad im Fondli brauchen schon lange eine neue Heizung.» Mit der Stadthalle gebe es zudem einen weiteren potenziellen Fernwärme-Grossbezüger.

Beim Niderfeld ist ein Anschluss ans Fernwärmenetz gar im Gestaltungsplan festgeschrieben. Der Ausbau geschieht unabhängig von einem möglichen Volks-Nein zur Limmattalbahn im November. «Das Budget wurde ohne die möglichen Synergien der beiden Projekte erstellt», erläutert Feusi. Grosse Überschneidungen zwischen dem Bahn-Trassee und der Erschliessung von Fondli und Niderfeld gibt es ohnehin nicht. Laut Feusi muss ein kurzes Stück von 50 Metern mit dem Bau des Trassees koordiniert werden.

Limeco möchte ihr Netz aber nicht nur in Dietikon ausbauen, sondern auch Spreitenbach Ost mit Wärme beliefern. «Wir sind derzeit mit Bauherren und der Gemeinde im Gespräch», sagt Feusi. Das Shoppingcenter Tivoli, das bald seine Heizung ersetzen müsse, habe Interesse an «Regiowärme» bekundet und «könnte zu einem wichtigen Ankerbezüger in Spreitenbach werden».

Heutige Kunden zahlen mehr

Limeco will den Ausbau nun rasch vorantreiben. Mit der Erschliessung des Fondli soll bereits nächstes Jahr begonnen werden. Denn: «Bis eine Heizung amortisiert ist, dauert es 15 bis 20 Jahre», so Feusi. Investiere ein Hausbesitzer in den nächsten Jahren in eine andere Heizart, sei er als Kunde für lange Zeit verloren. Mit dem Ausbau des Netzes steigert die Limeco nicht nur den Absatz der Fernwärme, sondern auch die Energienettoeffizienz des KHKW, also die tatsächliche Nutzung der gewonnenen Wärme und Energie: Diese liegt heute mit 55 bis 57 Prozent unter dem Durchschnitt der Schweizer KHKW. Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft fordert von der Limeco mit der aktuellen Betriebsbewilligung mittelfristig 65 Prozent. «Um diesen Grad zu erreichen, brauchen wir mehr Abnehmer», erklärt Feusi.

Um die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, wird Limeco die Preise für ihre Fernwärme anheben. «Früher galt sie als Abfallprodukt der Abfallverwertung und wurde billig verkauft», sagt Verwaltungsratspräsident Balbiani. Heute gelte die Abwärme als ökologisch wertvolle Energie. «Künftig orientieren wir uns deshalb an den Marktpreisen.»
Im Sinne der Gleichbehandlung würde auch bestehenden Bezügern im Gebiet Silbern nach Ablauf der laufenden Verträge die neuen Konditionen unterbreitet. «Vereinzelt werden sie bis zu 40 Prozent mehr bezahlen müssen, was wir bedauern», sagt Balbiani.

Er ist dennoch zuversichtlich, dass ein Grossteil der Kunden weiterhin Fernwärme beziehen wird. «Nüchtern betrachtet ist die Fernwärme auch nach dem Preisanstieg günstiger als andere Heizsysteme.» Selbst mit dem derzeit tiefen Ölpreis sei sie konkurrenzfähig. «Ausserdem muss das System im Haus des Kunden weder gewartet werden, noch ist es von ausländischen Lieferanten abhängig.»