Das Schlieremer Parlament stärkt seinem Stadtrat und der Limeco den Rücken und heisst den Kaufvertrag mit der Coop-Genossenschaft über 90 Millionen Franken mit 31 zu 2 Stimmen gut. Die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) im Dietiker Silbernquartier, die von der Limeco betrieben wird, erreicht das Ende ihres Lebenszyklus voraussichtlich 2035. Ein Neubau soll auf dem 43 612 Quadratmeter grossen, direkt angrenzenden Coop-Areal erstellt werden. Doch dazu müssen die acht Trägergemeinden – die beiden Städte Dietikon und Schlieren sowie Urdorf und die Gemeinden rechts der Limmat – erst den Kaufvertrag absegnen.

«Es geht um den Landkauf und nicht um den Bau eines neuen Werks oder den Mehrverkehr, den ein solches mit sich bringen könnte», sagte Walter Jucker. Der SP-Gemeinderat und Sprecher der Rechnungsprüfungskommission verwies darauf, dass der Antrag in seiner Kommission einstimmig angenommen wurde. «Mit dem Kauf der Coop-Parzelle hat man genug Land, um die Limeco künftig zu entwickeln», sagte er. Auch Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP) verwies darauf, dass das Land genau im Perimeter liege, in welchem der kantonale Richtplan eine KVA vorsehe. «Für den Bau einer neuen KVA braucht es keinerlei Änderungen im Richtplan», so Dalcher.

Diese Vorzüge lässt man sich einiges kosten. Für rund 285 Millionen Franken soll dereinst eine neue Anlage erstellt werden, die eine grössere Kapazität aufweist. Heute verbrennt die Limeco rund 90 000 Tonnen Abfall pro Jahr. Die neue Anlage soll dereinst zwischen 120 000 und 160 000 Tonnen verarbeiten können.

«Es gibt Spekulationen»

«Aus unserer Sicht gehen wir mit dem Landkauf kein Risiko ein, da in den kommenden sechs bis zwölf Jahren kein Wertverlust des Landes vorhersehbar ist», sagte SVP-Sprecher Boris Steffen. Damit spricht er an, dass Coop das Land für mindestens die kommenden sechs Jahre mieten wird – eine Verlängerung auf bis zu 12 Jahre ist eine Option. So fliessen zwischen 25 und 50 Millionen als Miete zurück an die Limeco.

Jürg Naumann (Quartierverein) vermutet, dass ein Ja zum Landkauf auch ein Ja zur Erweiterung der KVA ist. «Obwohl wir nicht wissen, wie gross diese werden soll», sagte er. Es gebe zahlreiche Spekulationen bezüglich der künftigen Kapazitäten der KVA. «Brauchen wir wirklich eine derart grosse Anlage?» fragte er. Dies lasse sich nicht sagen, denn es blieben noch viel zu viele Ungewissheiten.

Wie Naumann sieht es auch der Urdorfer Gemeinderat, der den Landkauf ablehnt. Mit einer derartigen Erhöhung der Kapazität folge mehr Verkehr, da gemäss kantonalem Abfallplan Kehricht von anderen Regionen ins Limmattal gebracht werden soll. Dem sei jedoch nicht so, versichert die Limeco, da dereinst weniger Lastwagenfahrten durch eine neue KVA getätigt würden als heute durch die Coop-Verteilzentrale.

Songül Viridén, Sprecherin der GLP, verwies darauf, dass man mit einem Nein zu diesem Landkauf die Selbstbestimmtheit der Region bezüglich der Müllverwertung aufgeben würde. «Dies müssen wir verhindern.»

Bei der Abstimmung sprachen sich lediglich die beiden Parlamentarier des Quartiervereins gegen den Antrag aus. Die 31 restlichen Vertreter waren für den Landkauf. Seinen Segen erhielt das Geschäft bereits vonseiten des Dietiker Gemeindeparlaments. Dieses genehmigte den Kredit Anfang Februar mit 31 zu 1 Stimmen deutlich.

Nun ist das Stimmvolk an der Reihe. Am 10. Juni werden die Stimmberechtigten der Trägergemeinden über den Kredit befinden. Damit das Land gekauft werden kann, müssen mindestens die Hälfte der Gemeinden sowie eine der beiden Städte zustimmen.