Limmattal
Liebestoll und hungrig: Stadtfüchse sind derzeit besonders aktiv

Nahrungs- und Partnersuche führen die Rotfüchse ins Siedlungsgebiet.

Thomas Mathis
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Getty Images/iStockphoto

Schlieren hat einen neugierigen Touristen. Regelmässig um 16 Uhr zeigt er sich entlang der Bahngleise. «Innerhalb von zwei Wochen habe ich ihn schon vier Mal gesehen», erzählt Bruno Barbieri, der in der Nähe wohnt. Der Fuchs habe die Gleise überquert und sei in Richtung Dietikon verschwunden.

Dass sich Füchse im Siedlungsgebiet aufhalten, ist nicht selten. «Wildtiere wie Füchse und Elstern finden im Siedlungsgebiet ein reiches Nahrungsangebot», sagt Adrian Stutz, Jagdaufseher von Dietikon und Urdorf. Er legt der Bevölkerung deshalb ans Herz, alles wegzusperren, was Wildtieren als Nahrungsgrundlage dienen kann. «Der Kehricht soll nicht schon am Vorabend, sondern erst am Morgen nach draussen gestellt werden», sagt Stutz. Auch Fressgeschirr von Haustieren und offene Komposteinrichtungen würden Wildtiere ins Siedlungsgebiet locken.

Mit lauten Geräuschen verjagen

«Auf keinen Fall dürfen Füchse gefüttert werden, weil sie sich nicht an den Menschen gewöhnen sollen», betont Stutz. Die Rotpelze sollen deshalb, wenn immer möglich, mit lauten Geräuschen vertrieben werden. Angst vor einem Angriff durch den Fuchs müsse man dabei nicht haben. Füchse seien grundsätzlich scheue Tiere.

Die Füchse sind derzeit aber nicht nur wegen der Nahrung auf Erkundungstour: «Im Februar ist Paarungszeit. Dann irren die Füchse hirnlos herum, wie es auch liebestrunkene Menschen tun», sagt Stutz und lacht. Das Gebiet, in dem die Füchse im Grossraum Zürich unterwegs sind, ist rund 30 Hektar gross, wie vor zehn Jahren eine Studie zeigte. In einem Gebiet von einem Quadratkilometer würden rund zehn erwachsene Tiere leben.

Insgesamt wurden im Kanton Zürich im Jahr 2015 rund 2000 Rotfüchse geschossen, wie die eidgenössische Jagdstatistik zeigt. Im Siedlungsgebiet dürfen Füchse von Gesetzes wegen aber nicht geschossen werden.

Der Juckreiz ist unerträglich

Eine Bedrohung für den Fuchs ist aber die Räudemilbe. Sie setzt dem Bestand weiterhin zu. «Gerade jetzt, wenn es kalt ist, kuscheln sich die Füchse im Bau nahe aneinander, sodass die Milbe einfach übertragen wird», sagt Stutz. Die Milbe nistet sich in der oberen Hautschicht ein und legt dort Eier ab. Das verursacht einen unerträglichen Juckreiz. Um dem Jucken ein Ende zu bereiten, beginnen die Füchse dann, sich das Fell auszurupfen. «Zurzeit schiessen wird ab und zu Tiere, um sie von ihren Qualen zu erlösen», so Stutz. Kein Problem mehr stelle der Staupevirus dar, der die Fuchspopulation im Limmattal vor einigen Jahren stark dezimierte.

Gartengemüse immer waschen

Kommen Füchse ins Siedlungsgebiet, fürchten viele, dass der für Menschen gefährliche Fuchsbandwurm übertragen wird. Wer gewisse Sicherheitsvorkehrungen befolgt, muss davor keine Angst haben: «Es reicht, wenn das Gemüse aus dem Garten mit Wasser gründlich gewaschen wird», sagt Stutz. Das Institut für Parasitologie der Universität Zürich rät zudem, Fuchskot im Abfall zu entsorgen und sich nach der Gartenarbeit die Hände gut zu waschen. Die Gefahr einer Infektion schätzt das Institut als eher gering ein.