Oberengstringen
Lieber Überhosen als Polizeiuniform: Der Abwart, der bei der Polizei war

Werner Heggli ist seit 25 Jahren Abwart und war bis im letzten Jahr Dorfpolizist. Im letzten Jahr hat Heggli den Job als Dorfpolizist an den Nagel gehängt. Nun konzentriert er sich voll auf die Arbeit in «seinem» Gemeindehaus.

Dominic Kobelt
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Werner Heggli, Abwart und ehemaliger Dorfpolizist

Werner Heggli, Abwart und ehemaliger Dorfpolizist

KOB

Es war der 11. Januar 1987, als Werner Heggli wie aus heiterem Himmel seinen Job verlor. 21 Jahre lang hatte er als Giesser bei der Escherwyss gearbeitet - dann beschloss die Firma, die Giesserei zu schliessen. «Noch einen Monat vorher wurden wir gelobt - wir sollten im nächsten Jahr mit dem gleichen Einsatz weiterarbeiten», sagt Heggli, legt nachdenklich seine Brille zur Seite und fährt mit der rechten Hand übers Kinn.

Einen kurzen Moment lang ist die Hoffnungslosigkeit zu spüren, die den Vater von zwei Kindern damals ergriffen haben muss. Dann erhellt sich sein Gesicht wieder: «Ich erinnerte mich, dass Oberengstringen jemanden suchte - der Job umfasste Hausabwart im Gemeindehaus, Mithilfe im Zentrum und Ordnungsdienst. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde.»

Im Nachhinein sieht er das Positive

Kurz entschlossen bewarb sich Heggli. «Das Vorstellungsgespräch hatte ich bei Gemeinderat Willemann und Herrn Gugger - sie hatten Bedenken.» Die Entscheidung, wer die Stelle erhalten sollte, wurde an einem Montag bekannt gegeben - Häggli bat die Gemeinde, ihn gleich um sieben Uhr morgens anzurufen, um ihm den Bescheid mitzuteilen. Das Telefon brachte ihm die Erlösung. Offensichtlich haben die Gemeinderäte damals eine gute Entscheidung gefällt: Heggli feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum.«Am Anfang hatte ich etwas Mühe mit den Arbeitszeiten», sagt der Jubilar, der sich gewohnt war, morgens um fünf bis nachmittags um zwei zu arbeiten. Flexibel habe er sein müssen, sagt er: «Wenn man sich anpassen kann, dann ist es aber der ideale Job.»

Heggli war auch Dorfpolizist

Bis im letzten Jahr war Heggli auch Dorfpolizist. «Über die Polizeiarbeit rede ich aber nicht so gerne», sagt er. In Restaurants die Polizeistunde durchsetzen und Parkuhren kontrollieren, das habe er nie besonders gerne gemacht. «In Überhosen ist mir wohler als in einer Uniform.» Er habe stets darauf geachtet, alle gleich zu behandeln. «Auch meine Kollegen aus der Feuerwehr wussten, dass ich eine Aufgabe zu erfüllen hatte, wenn ich die Uniform trug - ich hätte aber lieber Schokolade anstatt Bussen verteilt», sagt Heggli.

Den Dienst konnte sich der Dorfpolizist selber einteilen - das habe er sehr geschätzt, sagt Heggli: «Wenn ich nervös war oder Probleme hatte, dann ging ich nicht auf Kontrolltour.» Wichtig sei, dass man zuhöre und freundlich sei.

Im letzten Jahr hat Heggli den Job als Dorfpolizist an den Nagel gehängt. «Es gibt ein Alter, in dem man aufhören muss», sagt er. Ein weiterer Grund war, dass Heggli seine Polizeiuniform abgeben musste. Die Dorfpolizisten sollten nicht mehr aussehen, wie die «richtige» Polizei. Ein Gilet mit der Aufschrift «Ordnungsdienst» sollte als Ersatz dienen. Der Effekt war nicht derselbe: «Ich habe durch die Abgabe der Uniform eine Art Schutz verloren», sagt Heggli.

Nun konzentriert er sich voll auf die Arbeit in «seinem» Gemeindehaus. Er kann sich noch gut erinnern, als im August 1987 die symbolische Schlüsselübergabe stattfand: «Damals habe ich meinen Vorgänger angesehen - er hatte diese Arbeit 24 Jahre lang gemacht - und bei mir gedacht: an der Stelle möchte ich auch einmal stehen.»