Curling-Club Limmattal
Lieber Slowdown als gar kein Sport: Curler starten «Liga» und Spendenaufruf

Der Curling-Club Limmattal geht im Coronawinter neue Wege. Mit einem eigenen Trainingsspielbetrieb soll das Curling-Spielen möglich bleiben. Ein zusätzlicher Solidaritätsfonds soll den Verein finanziell unterstützen.

Ruedi Burkart
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Vor einem Jahr war bei der Saisoneröffnung in Urdorf Corona nur als Name des Kehrausturniers ein Begriff.

Vor einem Jahr war bei der Saisoneröffnung in Urdorf Corona nur als Name des Kehrausturniers ein Begriff.

Ruedi Burkart

Von behördlich verordneten Trainingsverboten oder Meisterschaftsunterbrüchen bis zur Einhaltung strikter Schutzkonzepte: Sportklubs erleben aufgrund der Coronapandemie weiss Gott keine einfache Zeit. Dem Curling-Club Limmattal – vor 20 Jahren aus einer Fusion des CC Schlieren und des CC Urdorf hervorgegangen – geht es da nicht viel besser als Vereinen in anderen Sportarten.

Immerhin: Dank der Tatsache, dass Curling offiziell nicht als Kontaktsport gilt, kehrt ab diesem Dienstag wieder ein bisschen Normalität in die Urdorfer Halle zurück. Die sogenannte «Trainingsliga» soll zweimal wöchentlich die Mitglieder des CCL bei Laune halten. Mitspielen dürfen Aktiv- wie auch Passivmitglieder.

Interessierte Aussenstehende können für die Gebühr von 60 Franken zu Passivmitgliedern werden und so einen Winter lang zu einem günstigen Preis in den Curlingsport hineinschnuppern – wenn auch durch eine Schutzmaske, welche beim Spielen Pflicht ist. «Wir wollen verhindern, dass das Vereinsleben einschläft», erklärt CCL-Präsident Mario Freiberger. Wer mitspielt, muss sich an ein siebenseitiges Schutzkonzept halten.

«Curling-Shutdown» lohnt sich in Urdorf nicht

Dass die Limmattaler ihre Halle für die anstehende Saison öffnen, ist nicht selbstverständlich. «Es gibt Curling- Klubs, die aus finanziellen Gründen darauf verzichten, Anlässe und interne Wettbewerbe durchzuführen», so Freiberger. Ein «Curling-Shutdown» in Urdorf sei allerdings nie ein realistisches Szenario gewesen. «Wir haben im Vorstand darüber diskutiert. Aber finanziell lohnt sich ein Abbruch der Saison für uns nicht wirklich, denn die laufenden Kosten belasten das Budget ja so oder so. Zudem geht es uns auch um das Vereinsleben. Wir wollen ein Signal aussenden, das da heisst: Bleibt zu Hause, aber kommt und spielt Curling.»

Mitglieder sind äusserst loyal

Der CC Limmattal zählt aktuell 122 Aktiv- und 107 Passivmitglieder, die einen Jahresbeitrag leisten. Wenn diesen Personen nichts geboten werden kann, flattert eventuell plötzlich die eine oder andere Kündigung der Mitgliedschaft auf der Geschäftsstelle ein. Oder aber es werden Forderungen nach der Rückzahlung eines Teils des Jahresbeitrags laut. «Bis dato haben wir noch keine einzige Kündigung wegen Corona bearbeiten müssen. Unsere Mitglieder zeigen sich in dieser schwierigen Lage äusserst loyal», freut sich Freiberger.

Wie loyal tatsächlich, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Alle Mitglieder erhalten in den nächsten Tagen Post vom Verein mit der Bitte, einen frei wählbaren Betrag auf ein neu errichtetes Konto einzubezahlen. «Das ist ein freiwilliger Obolus, welcher uns helfen kann, die laufenden Kosten zu decken», so Freiberger, «wir wollen schliesslich auch im kommenden Winter immer noch Curling spielen in Urdorf.» Mit anderen Worten: Mit dem Geld soll das Weiterbestehen des CC Limmattal gesichert werden.

Nur zwei Partien gleichzeitig erlaubt

Und so startet man in Urdorf mit Respekt, aber auch einer positiven Grundhaltung in den anstehenden Curlingwinter. «Wie erwähnt wollten wir die Halle nicht geschlossen lassen. Also wechselten wir per 2. November in den Slow-Down-Betrieb», so Freiberger. Die Schlagwörter dazu lauten «Schutz der Gesundheit», «Curling spielen» und «finanzielles Überleben des Vereins».

Aufgrund der geltenden «15er- Regel», nach welcher sportliche Aktivitäten in Innenräumen mit bis zu 15 Personen unter Einhaltung der Maskenpflicht erlaubt sind, dürfen in der Urdorfer Drei-Rink-Halle nur zwei Partien gleichzeitig gespielt werden, mit je drei Akteuren pro Team.

«Natürlich wäre uns eine 16er-Regel entgegengekommen», sagt Freiberger, «dann hätten die vier Teams wie gewöhnlich mit vier Spielern antreten können.» Aber die Situation sei nun mal so, wie sie eben ist. Darum solle auch auf ausgiebiges Zusammensein nach dem Spiel verzichtet werden, wie er erklärt.

Man solle sich «auf einen allfälligen Apéro im Team» beschränken, steht beispielsweise in den Bestimmungen geschrieben. Das ist zweifellos eine spezielle Herausforderung für die bekanntermassen geselligen Curlerinnen und Curler.

Bis zu 40 000 Franken Verlust

Schrammten die Limmattaler Curler im Frühling noch haarscharf an der ersten Coronawelle vorbei – das traditionelle Abschlussturnier mit der sinnigen Bezeichnung «Corona- Kehraus» endete einen Tag vor dem landesweiten Lockdown – erwischt sie die zweite Corona-Welle frontal.

Im vergangenen Sommer investierte der Klub rund 250000 Franken in die Verbesserung der Eisqualität, aber jetzt können lediglich interne Wettkämpfe durchgeführt werden. Aufgrund der aktuellen Lage wird mit einem Einnahmenausfall von bis zu 40'000 Franken gerechnet. «Es ist eine herausfordernde Situation», so CCL-Präsident Mario Freiberger.

Hoffnung auf finanzielle Entspannung gibt die Tatsache, dass man in der Eishalle grundsätzlich Anlässe mit bis zu 50 Personen durchführen könnte. «Wie und was überhaupt möglich ist, wird zurzeit geprüft», sagt Freiberger und wagt trotz allem einen positiven Ausblick: «Wir sind guter Dinge, dass wir gestärkt aus dem Winter 2020/21 herausgehen werden. Der Zusammenhalt innerhalb des CC Limmattal kann von der schwierigen Lage profitieren.» (rubu)