Das Kloster Fahr feiert sein 888-Jahr-Jubiläum. Eine besondere Zahl mit doppelter Freude. Denn die Schwestern haben sich für diesen Geburtstag ein aussergewöhnliches Geschenk ausgedacht. Zudem feiert der Verein Pro Kloster Fahr sein zehn jähriges Bestehen. Die Vereinsmitglieder sind Freunde des Klosters. Sie helfen den 20 Schwestern dort, wo Hilfe nötig ist. «Innerhalb von zehn Jahren haben wir 600 Mitglieder gewonnen», sagte der Vereinspräsident Robert Nitschké am Samstag anlässlich der Vernissage zum Buch «Im Fahr» und der dazugehörigen Open-Air-Plakatausstellung im Klosterhof. Beides sind Geschenke der Schwestern an sich selber und für die interessierte Öffentlichkeit. Gekommen sind trotz Nieselregen über 400 Besucher.

Die Initiative fürs Projekt kam von der Autorin Susann Bosshard-Kälin, einer ehemaligen Schülerin der Bäuerinnenschule des Klosters. Ein Jahr lang begleitete Fotograf Christoph Hammer und Bosshard-Kälin die Schwestern. Entstanden ist das Buch «Im Fahr», das Berufungswege und berührende Lebensgeschichten, aber auch einfühlsame Porträtfotos und Bilder aus dem Klosteralltag zeigt. «Dieses Buch hat etwas Pionierhaftes», sagte Denise Schmid vom Hier und Jetzt Verlag. Die Verlegerin steuerte die historischen Hintergründe bei. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätten sich die Schwestern gegenseitig gesiezt. Erst mit dem Amtsantritt 2003 von Priorin Irene wurde das Du eingeführt.

Fotograf Hammer bedankte sich für die authentische Herzlichkeit und Offenheit der Schwestern. Im Wissen um die persönlichen Geschichten, welche die Autorin aufzeichnen durfte, warnte sie die Schwestern noch: «Liebe Schwestern, das Buch geht nun hinaus in die Öffentlichkeit. Es gibt jetzt ‹No Way of return›.» Die Schwestern in den vorderen Reihen des Publikums kicherten.

70 Plakate im Klosterhof

Feierlich wurde schliesslich der Vorhang aufgemacht für die Open-Air-Plakataustellung. Die Ehre hatte der Würenloser Gemeindeschreiber Daniel Huggler und der Architekt und Hauptsponsor der Plakate Castor Huser, dessen Architekturbüro die Renovation des Klosters machte.

70 Bilder aus dem Buch «Im Fahr» sind im Klosterhof ausgestellt. «Sehr schön und lebendig», lobte die Weininger Besucherin Ursula Engelfried. Freund des Klosters, Ajoy Bhattacharya zeigte sein Lieblingsplakat. Darauf ist die Priorin mit Schwester Bernadette verkleidet bei der Klosterfasnacht zu sehen. «Es ist beeindruckend. Man sieht Freude trotz streng strukturiertem Alltag», sagte der Unterengstringer Gemeinderat Yiea-Wey Te. Sein Gemeinderatskollege Urs Muntwyler sah es ähnlich: «Die Bilder zeigen Menschen mit Humor in einer bestimmten Lebensform». Der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender fand: «Das Kloster hat etwas, das einen nicht mehr loslässt.»

Die Zukunft des Klosters ist ungewiss. Der letzte Eintritt geht ins Jahr 1989 zurück. Die Priorin zeigte sich zuversichtlich, dass es weitergehen wird. Die Unterengstringerin Brigitte Hunkeler sagte: «Es darf nicht verloren gehen, wenn nicht von Klosterfrauen, dann vielleicht bewohnt von Katholikinnen oder von noch nicht existenten katholischen Priesterinnen».
Neben der Vernissage gab es Lesungen und Führungen durchs Kloster. Die Denkmalpflege Kanton Aargau, der Fischerverein Kloster Fahr und die Gemeinde Würenlos bedankten sich für die Verbundenheit mit einem eigenen Informationsstand. Auch der Kiwanis Club Limmattal-Zürich war präsent. Denn seit 38 Jahren ist das Klosterrestaurant ihr Clublokal. Einblicke in sein Handwerk gab der Kellermeister der Klosterweine Roland Steinmann.