Dietikon
Lichtlers sorgen mit exotischen Klängen für frischen Wind im Gotteshaus

André und Bettina Lichtler haben auf ihrer fünfmonatigen Forschungsreise durch Brasilien 15 latein-amerikanische Kirchenlieder ins Deutsche übersetzt. Diese werden sie nun in ihrem Alltag miteinfliessen lassen.

Ladina Trachsel
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André und Bettina Lichtler sitzen vor der reformierten Kirche in Mellingen und spielen Tanajura und Cajon. (LTR)

André und Bettina Lichtler sitzen vor der reformierten Kirche in Mellingen und spielen Tanajura und Cajon. (LTR)

Schon aus der Ferne hört man exotische Musik vom Pfarrhaus der reformierten Kirche in Mellingen klingen. Es ist jedoch keine Rockband, die hier spielt, sondern André und Bettina Lichtler, die gemeinsam brasilianische Lieder proben. Er ist der Dirigent des Kirchenchors der reformierten Kirche in Dietikon und sie ist Pfarrerin in der aargauischen reformierten Kirchgemeinde Mellingen. Und die exotischen Instrumente, die sie spielen, sind in der Tat ein Cajon und ein Tanajura. Die beiden brasilianischen Instrumente haben einen ähnlichen Klang wie ein Schlagzeug.

Kirchenlieder ins Deutsche übersetzen

Vor einigen Wochen sind André und Bettina Lichtler aus einem fünfmonatigen Forschungssemester im Süden von Brasilien zurückgekehrt, das die reformierte Landeskirche Aargau finanziell unterstützt hat. Das Ziel dieses Auslandaufenthaltes war es, brasilianische Kirchenlieder von der portugiesischen Sprache ins Deutsche zu übersetzen. So einfach sei dies aber nicht gewesen. «Die Herausforderung bestand darin, den theologischen Sinn beizubehalten und dennoch die Lieder an die jeweilige Kultur anzupassen», erklärt Bettina Lichtler.

Grundaussagen der Lieder sollen beibehalten werden

Daher könne man nicht von einer Übersetzung sprechen, sondern eher von einer deutschen Version der brasilianischen Lieder, sagt sie. Und André Lichtler fügt an, dass sie immer versuchten, die Grundaussagen der Lieder beizubehalten und die Feinheiten der schweizerischen Kultur anzupassen. «Das Ziel des des Projekts waren Lieder, die mit Musik und Text aus dem Herzen sprechen, egal aus welcher Kultur jemand kommt», sind sich die beiden einig. Die Themen in den Liedern kreisen oft um die Gemeinschaft der Menschen auf dem Weg im Leben und Glauben.

Seine Verbundenheit zu Brasilien erklärt André Lichtler damit, dass sein Ururgrossvater im 19. Jahrhundert von Deutschland nach Novo Hamburgo im brasilianischen Süden ausgewandert ist und die gesamte Grossfamilie auch heute noch da lebt.

Autorenrecht wurde eingeholt

In diesen fünf Monaten sind insgesamt 15 deutsche Versionen entstanden, welche als Erstübersetzungen gelten. Die Stücke können alle der zeitgenössischen Periode zugeordnet werden. Sprich: Sie entstanden zwischen 1970 und heute. Bettina Lichtler habe die Lieder ausgesucht und die jeweiligen Komponisten um das Autorenrecht gebeten. Anschliessend seien die Lieder übersetzt und mit einer brasilianischen Musikprofessorin einstudiert worden, erklärt sie.

Neuer Wind für den Gottesdienst

André Lichtler habe derweil die Stücke mit einem speziellen Computerprogramm in ein einheitliches Layout umgeschrieben und angepasst, sagt er. Die Lieder werden nun in Bettina Lichtlers Gottesdienste miteinfliessen, um etwas frischen Wind einzubringen, sagt sie und lacht.

Chor- und Orgelkonzert

16. September 2012 | 17.00 Uhr | Ref. Kirche Dietikon | Werke von Schütz, Bach, Mendelssohn und Reimann

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