Oberster Kommandant wird dann Daniel Schwab, bisher höchster Feuerwehrmann in Unterengstringen. Für sein Oberengstringer Pendant, Olivier Béguin, wird es am Samstag der letzte Einsatz sein. Nach dieser Übung gibt er die Leitung ab und scheidet aus der Feuerwehr aus. Gleichzeitig tauschen seine Kollegen ihr Gewand, beschriftet mit «Feuerwehr Oberengstringen», mit jenem der «Feuerwehr Engstringen» aus.

Béguin hat Fusion angestossen

«Ich habe so kurz vor meinem Abgang natürlich gemischte Gefühle», sagt Béguin, «ich bin schliesslich seit 1992 in der Feuerwehr und leite sie als Kommandant schon acht Jahre lang.» Er habe den Zusammenschluss aber selbst angestossen. «Wir hatten in der Feuerwehr Oberengstringen ein Nachwuchsproblem. Weniger bei den Jungen, aber vor allem im Kader.»

Heute sei es generell schwierig geworden, tagesverfügbare Feuerwehrmänner und -frauen zu verpflichten. «Viele arbeiten auswärts, und sind tagsüber nicht in der Gemeinde. Sie können also nicht sofort zu einem Brand ausrücken.»

Deshalb hat Béguin seinen Rücktritt als Kommandant bereits im Jahr 2014 fürs 2018 angekündigt, um Druck zu machen: «Es war ein taktischer Entscheid. Denn eine Fusion ist die einzig richtige Lösung, um das Nachwuchsproblem anzugehen.» Béguin präzisiert allerdings: «Von Fusion darf man im streng juristischen Sinn eigentlich gar nicht sprechen, denn die hoheitsrechtliche Befugnis verbleibt bei den einzelnen Gemeinden.»

Was sich aber ändert, ist, dass die beiden Feuerwehren fortan eine einheitliche Kleidung tragen und die Feuerwehrautos umgespritzt werden. Auch tätigen die beiden Gemeinden künftig alle Anschaffungen gemeinsam, bislang befand man nur zusammen über Fahrzeuge von einem Gewicht von über 7,5 Tonnen. Der Verteilschlüssel für sämtliche Kosten der beiden Feuerwehren beträgt 53 zu 47.

Den grösseren Anteil übernimmt dabei Oberengstringen, dies hat sich nach einer kombinierten Berechnung aus Einwohnerzahl und Gebäudeversicherungssumme ergeben. Die Lösung sei «fair«, heisst es von verschiedenen Seiten. Die administrative Arbeit wird schliesslich gegen Entgelt in Oberengstringen zentral geführt. Die Depots bleiben allerdings an beiden Standorten bestehen.

Dazu der neue Kommandant Daniel Schwab aus Unterengstringen: «Die Zusammenarbeit der beiden Gemeinden ist ja nicht neu. Gemeinsam mit Weiningen besteht schon länger ein Zusammenarbeitsvertrag.» Doch der Zusammenschluss mit Unterengstringen in allen Belangen fordere ihn jetzt besonders organisatorisch heraus. «Ich denke an die gemeinsamen Übungen und das Koordinieren dieser Anlässe.»

Deshalb sieht Schwab dem Zusammenschluss mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber auch für ihn steht das Personalproblem an vorderster Stelle. «Zwar ist die Feuerwehr Unterengstringen momentan noch gut aufgestellt, aber das kann sich jederzeit ändern.» In der zusammengeführten Feuerwehr werden dann aktuell 89 Männer und Frauen zu Diensten stehen. «Sie werden grössere Einsatzgebiete bestreiten müssen», so Schwab weiter, «denn neu rückt man bei jedem Brand von beiden Depots aus.» Bis jetzt war dies nur bei Grossbränden der Fall.

«Ein Gebot der Zeit»

Simon Wirth (FDP), Gemeindepräsident von Unterengstringen, sieht auf Anfrage in der Fusion keine Nachteile. «Die engere Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren hat den Vorteil, dass grössere personelle Ressourcen zur Verfügung stehen.» Das könne die Reaktionszeit verkürzen, allerdings müsse dies sich noch in der Praxis zeigen. Schliesslich aber sei die Zusammenarbeit auch ein Gebot der Zeit. «So praktizieren wir schon heute den Zusammenschluss der Gemeindepolizei mit Weiningen und Oetwil.»

Laut dem abtretenden Oberengstringer Kommandanten Olivier Béguin kursiert noch eine andere Vision unter den Feuerwehrmännern: «Eine Grossfeuerwehr Rechtes Limmattal wäre das Ziel. Nebst Ober- und Unterengstringen sowie Weinigen gehörten dann auch noch Geroldswil und Oetwil dazu.» Die Krönung wäre dann ein Depot auf dem Gubristdeckel in Weiningen.

Der Kanton hat bereits das Nutzungsrecht an die Gemeinde abgetreten, geplant sind ein Feuerwehrgebäude, ein Werkhof und eine Wertstoffsammelstelle. Würden sich die Nachbarsgemeinden daran beteiligen wollen, müssten sie sich in das an Weiningen übertragene Baurecht einkaufen (wir berichteten). «Das wäre vorstellbar und wünschenswert», so Béguin weiter.

Auch der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender (SVP) teilt diese Vision. «Wir könnten Ressourcen zusammenlegen, unsere Leute noch besser und gezielter ausbilden – ich sehe viele Vorteile.» An der letzten Übung «seiner» Feuerwehr am Samstag wird er persönlich anwesend sein. Aber nicht, weil es die letzte ist, sondern weil der Gemeindepräsident sowieso an jede Übung geht.