Limmattal
Leser befürworten Wegwerf-Verbot für Grossisten

Die Birmensdorfer Autorin Hélène Vuille und der Dietiker CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr erhalten in Sachen Wegwerf-Verbot Schützenhilfe von der Leserschaft der Limmattaler Zeitung.

Florian Niedermann
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Vuille fordert eine Gesetzesänderung, die Grossisten dazu verpflichtet, Tagesfrischprodukte nicht mehr zu entsorgen, sondern an gemeinnützige Organisationen und Sozialhilfebezüger abzugeben. Wiederkehr richtet in Kürze eine Anfrage an den Zürcher Regierungsrat, in der er diese Idee thematisiert.
Überwältigende 99 Prozent der Online-User befürworten Vuilles Idee (Stand: 15. 03. 2013 um 16.35 Uhr). In der Kommentarspalte zum Artikel vom 11. März äussern Leser ihre Entrüstung ob der passiven Haltung der Politiker gegenüber dieser Forderung und ihre Anerkennung für das Engagement von Vuille und Wiederkehr.
So schreibt etwa Userin Verena Hungerbühler, dass es moralisch geboten sei, die Forderung Vuilles zu unterstützen. «Wir können uns die Verschwendung von Lebensmitteln sicherlich finanziell leisten. Aber können wir uns dies moralisch erlauben?» Es sei bedenklich, dass in einer Gesellschaft Lebensmittel lieber vernichtet werden, als diese Bedürftigen zukommen zu lassen, schreibt Peter Kleist: «Die Idee von Hélène Vuille verdient grossen Respekt.»
Und Userin Susi Muoth erklärt, dass sie gezielt in Geschäften einkaufen würde, die ihre Produkte an gemeinnützige Organisationen abgeben, statt sie wegzuwerfen. Bernadette Abegg findet es «bedenklich, dass sich die Politik bei einer so phänomenalen Zustimmungsquote (bei der Online-Umfrage, Anm.d.Red.) nicht dieser Problematik annimmt.» Wiederkehr müsse ein Kompliment ausgesprochen werden. «Ist er der Einzige, der den Puls der Bevölkerung spürt?», fragt sie.
«Nägel mit Köpfen»
Auch Autorin Vuille spricht Wiederkehr ihre Anerkennung aus: «Josef ist der erste Politiker, den ich in den 14 Jahren meines Kampfes kennen gelernt habe, der Nägel mit Köpfen macht.» Den CVP-Kantonsrat erstaunt die durchweg positive Resonanz auf seinen geplanten politischen Vorstoss nicht. «Hélène Vuilles Ansinnen ist ein Thema, gegen das man schlicht nichts haben kann.» Dennoch habe er sich über die positive Resonanz aus der Bevölkerung gefreut, sagt Wiederkehr: «Auch ein ehemaliger Nationalrat hat mir gesagt, dass er eine Gesetzesänderung als erstrebenswert erachte. Seine Aussage nehme ich durchaus als Pulsmesser der Classe politique.»
Wiederkehr hofft, dass der Regierungsrat einen gangbaren Weg findet, um die Grossisten im Kanton zur Abgabe der Tagesfrischprodukte zu verpflichten. Sei die Antwort des Regierungsrats nicht zufriedenstellend, so könne er sich auch vorstellen, eine Volksinitiative zu lancieren. «Die Online-Umfrage bestätigte meinen Eindruck, dass der Vorstoss in der Bevölkerung mehrheitsfähig wäre», so Wiederkehr. Er glaubt auch, dass sich die finanziellen Mittel für die Unterschriftensammlung - er rechnet mit einem sechsstelligen Betrag - über Spendengelder generieren liessen. «Noch bin ich aber davon überzeugt, dass es auch auf einem einfacheren Weg ginge», sagt Wiederkehr.
«Schweizweite Lösung wäre besser»
Vuille will zwar erst die Reaktion des Regierungsrats abwarten. Für sie steht aber fest, dass eine Einschränkung der Gewerbefreiheit auf Bundesebene das beste Mittel gegen das Verschwendungsproblem wäre: «Ich traue dem Kantönligeist nicht. Wenn eine Vorschrift schweizweit gilt, dann ist klar, dass sich alle danach richten müssen.» Dies sei besser, als wenn man eine kantonale Lösung finde und hoffen müsse, dass andere Kantone nachziehen.

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