Hunde
Leinenpflicht hat "Hundetourismus"-Problem entschärft

Im Oetwiler und Weininger Wald müssen Hunde während vier Monaten an die Leine.

Sophie Rüesch
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Hund an die Leine: Das gilt seit kurzem im ganzen Wettinger Siedlungsgebiet. Auch in Weiningen und Oetwil sind die Regeln strenger geworden.

Hund an die Leine: Das gilt seit kurzem im ganzen Wettinger Siedlungsgebiet. Auch in Weiningen und Oetwil sind die Regeln strenger geworden.

Limmattaler Zeitung

Die Gemeinde Wettingen erlässt auf ihrem Siedlungsgebiet eine generelle Leinenpflicht für Hunde. Dies zusätzlich zur kantonalen Bestimmung, dass sie in Wäldern und am Waldrand von April bis Ende Juli an der Leine geführt werden müssen.

Denn in dieser Zeit – der sogenannten Setz- und Brutzeit – sind Wildtiere besonders schutzbedürftig. Im Kanton Zürich gibt es eine solche Bestimmung nicht. Und es soll auch keine geben, wie der Regierungsrat bereits im Jahr 2014 auf einen Vorstoss des Weininger alt SVP-Kantonsrats und Gemeindepräsidenten Hanspeter Haug erklärte. Er beklagte in seiner Anfrage einen «eigentlichen Hundetourismus».

Im Limmattal ist dieser besonders ausgeprägt: Zum saisonalen Freilaufverbot im Aargau kommt hier nämlich die zusätzliche ganzjährige Leinenpflicht in den Wäldern auf Stadtzürcher Boden. Kein Wunder, weichen viele Hundebesitzer auf das Limmattal aus, wo nicht nur schöne Wald- und Auengebiete, sondern eben auch eine vergleichsweise liberale Handhabung in Sachen Leinenzwang locken.

Die Gemeinden Weiningen und Oetwil haben auf die abschlägige Antwort des Regierungsrats hin selbst gehandelt: Sie haben letztes Jahr die Leinenpflicht in Wäldern und an Waldrändern von April bis Ende Juli eingeführt.

Schilder wurden aufgestellt, Hundehalter auf das neue Regime hingewiesen. Die Massnahme greife, sagt der für das Jagdgebiet Oetwil zuständige Stefan Tresch: «Im letzten Jahr waren bereits merklich weniger unangeleinte Hunde im Oetwiler Wald anzutreffen.» Zwar wurden dort auch letztes Jahr noch zwei Rehe von Hunden gerissen; dadurch, dass die neue Leinenpflicht zeitlich begrenzt ist, könne sie nicht sämtliche derartige Vorfälle verhindern.

Einheitliche Regelung sinnvoller

Doch insgesamt, so Tresch, habe sich die Situation entschärft – «vorher kamen wirklich alle Aargauer mit ihren Hunden hierher». Nun habe sich dieser «Tourismus» in Oetwil ans Limmatufer verlagert. Das findet Tresch in Ordnung: «Hunde sind schliesslich auch Wildtiere, die ihren Auslauf brauchen.»

Sinnvoller wäre laut Tresch eine flächendeckende Leinenpflicht rund um den Altberg herum gewesen – zusammen mit den Gemeinden Geroldswil, Dänikon und Hüttikon, die sich aber dagegen entschlossen. Die beste Lösung, so Tresch, wäre aber eine kantonale Regelung, die mit jener des Kantons Aargau übereinstimmt. Dieser Meinung ist auch Hanspeter Haug. Er bleibt dabei: «Die heutigen Bestimmungen fördern den Hundetourismus.»

Generelle Leinenpflicht kein Thema

Hundegesetz: Hier darf Bello nur mit Leine hin

Im Kanton Zürich obliegt es den Gemeinden, für bestimmte Gebiete ein Zutrittsverbot für Hunde oder eine Leinenpflicht zu erlassen – aber auch, hundefreundliche Zonen zu bestimmen. Im kantonalen Hundegesetz geregelt ist hingegen, dass Hunde in öffentlich zugänglichen Gebäuden, auf verkehrsreichen Strassen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Bahnhöfen und Haltestellen sowie an entsprechend signalisierten Orten sich nicht ohne Leine bewegen dürfen.

Ausserdem gilt gemäss Hundegesetz-Paragraf 11 für alle Hunde Leinenpflicht, die läufig oder bissig sind, eine ansteckende Krankheit haben oder bei denen eine Anordnung der zuständigen Behörde besteht. Ein Zutrittsverbot für Hunde gilt gemäss Paragraf 10 zudem in Friedhöfen, Badeanstalten, auf Pausenplätzen und Spiel- oder Sportfeldern.

In Wäldern und an Waldrändern sowie bei Dunkelheit sind Hunde im Freien zudem «in Sichtweite auf kurzer Distanz zu halten». Gemäss einer Regierungsratsantwort auf eine Anfrage vom damaligen SVP-Kantonsrat Hanspeter Haug suggeriere dies aber zumindest eine – ganzjährige – Leinenpflicht für die meisten Hunde: «Das heisst, dass die Hunde im Wald und an Waldrändern meist an der Leine zu führen sind, da die wenigsten Hunde so erzogen sind, dass die Halterin oder der Halter die Vorgaben nur mit Befehlen sicherstellen kann», heisst es dort.

Eine generelle und explizite Leinenpflicht auf Siedlungsgebiet wie in Wettingen ist in Limmattaler Gemeinden aber kein Thema. Laut Haug sind die frei laufenden Hunde vor allem für die Wildtiere ein Problem; Massnahmen im Dorf erübrigen sich für ihn also.

Auch der Uitiker Gemeindeschreiber Bruno Bauder sieht in seiner Gemeinde keinen Handlungsbedarf. Die kommunale Polizeiverordnung deckt sich weitgehend mit den Bestimmungen des kantonalen Hundegesetzes, inklusive Kriterien für Orte, an denen Leinenpflicht herrscht (siehe Kasten rechts).

Ausserdem steht in der Verordnung geschrieben: «Tiere sind so zu halten, dass niemand belästigt wird und weder Menschen, Tiere noch Sachen gefährdet werden oder zu Schaden kommen.» In Kombination, sagt Bauder, ergebe sich daraus «zwischen den Zeilen» eine eigentliche Leinenpflicht für das ganze Siedlungsgebiet– also selbst für Orte wie etwa ruhige Quartiersträsschen, die nicht explizit unter Leinenzwang fallen. Dies scheint zu funktionieren: Reklamationen wegen freilaufender Hunde gebe es in Uitikon nicht.

Das grössere Problem: die Häufchen

Auch in Dietikon ist eine Leinenpflicht im Siedlungsgebiet laut Thomas Winkelmann, Leiter der Sicherheitsabteilung, kein Thema. Zwar wurden vor einiger Zeit in der Grunschen, auf der Nötzliwiese und bei der Hundshütte neue Tafeln angebracht, die Hundehalter auf ein paar grundlegende Verhaltensregeln hinweisen. Ansonsten reichten die Bestimmungen des kantonalen Hundegesetzes aus.

Immer wieder ein Thema sei hingegen, dass manche Hundehalter den Kot ihrer Tiere liegen lassen, wie Bruno Rabe, Leiter Amt für Umwelt und Gesundheit, sagt. Hier ist die Gesetzeslage klar: Im öffentlichen Raum müssen alle Halter das Geschäft ihres Hundes unverzüglich auflesen und fachgerecht entsorgen. Mit wiederkehrenden Schreiben an alle Hundehalter in Dietikon oder einer zuletzt 2015 wiederholten Plakatkampagne weist die Stadt regelmässig auf die Aufnahmepflicht hin.

«Möglichst liberal»

Da das kantonale Hundegesetz den Umgang mit Hunden in Parkanlagen nicht regelt, gilt in der Stadt Zürich heute weder ein Zutrittsverbot noch eine Leinenpflicht.

Die Stadt handelt gegenwärtig aber mit verschiedenen Interessengruppen aus, in welchen Anlagen künftig Einschränkungen gelten sollen. Das Ziel sei es, «eine möglichst liberale Regelung zu finden», wie das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement auf Anfrage mitteilt. Zudem wird «in naher Zukunft» ein Nutzungskonzept für die Werdinsel ausgearbeitet.

Gemäss kantonalem Gesetz sind Hunde im Badebereich und auf Spiel- und Sportflächen ohnehin nicht zugelassen – für die übrige Werdinsel gibt es aber zurzeit noch keine Regelung. In einem geplanten separaten Mitwirkungsverfahren soll zudem auch die Frage geklärt werden, ob es auf dem Fischerweg auf der Höhe der Limmatauen eine Einschränkung geben soll. 2013 wurden dort Leinenpflicht-Schilder aufgestellt, die kurz darauf aber wieder abmontiert wurden – die Stadt hatte es versäumt, die Leinenpflicht öffentlich auszuschreiben, bevor sie die Schilder montierte.

Das Vorhaben sorgte damals für heftigen Widerstand; die Hundepartei sammelte innert kurzer Zeit 3500 Unterschriften für eine Aufhebung der Leinenpflicht.