Limmattaler Sport

Leidenschaftliche Kampfkünstlerin aus dem Limmattal: «Die Kampfkunst gehört zu mir»

Kraftvoll und selbstbewusst: In der Kung-Fu-Schule ist Geraldine Balint in ihrem Element.

Kraftvoll und selbstbewusst: In der Kung-Fu-Schule ist Geraldine Balint in ihrem Element.

Die Geroldswilerin Geraldine Balint hat im Kung-Fu-Training auch viel über sich und fürs Leben gelernt.

Sobald sie auf der Matte steht und ihren Schülern eine Schlagbewegung vorführt, wirkt Geraldine Balint wie ausgewechselt. Die zierliche Frau mit sanfter Stimme, bedacht-gemächlicher Ausdrucksweise und schüchternem Lächeln ist einer kraftvollen Kampfkünstlerin mit selbstbewusster und intensiver Ausstrahlung gewichen. Die Freude steht ihr beim Training ins Gesicht geschrieben. «Die Kampfkunst gehört zu mir», sagt sie und legt sinnbildlich ihre Hand aufs Herz. «Ich praktiziere sie leidenschaftlich gerne.»

Hier in der Kung-Fu-Schule ist sie in ihrem Element. Hier habe sie nicht nur gelernt, sich selbst zu verteidigen, sondern auch ihre innere Kraft entdeckt und ihren Willen gestärkt. «Das kann ich nicht nur in der Trainingshalle umsetzen, sondern auch im Beruf und allgemein im Leben.» In schwierigen Arbeitssituation schöpfe sie in Gedanken an ihr Training viel Energie. «Es erinnert mich daran, wie stark ich bin und was ich alles überwinden kann.»

Dank dem Training in der «Swiss Chinese Kung Fu School» in Urdorf erlangte Balint auch das nötige Selbstvertrauen, um selbst das Training zu leiten und ihre Schüler zu motivieren und zu führen. Rund vier Mal pro Woche ist sie in der Kampfschule und trainiert nach den Lektionen meistens noch eine Stunde alleine weiter. Sie lernt und lehrt Kung-Fu-Techniken, gibt einen Fitnesskurs mit Tritt- und Schlagtechniken, stärkt ihren Körper mit Krafttraining und übt die Bewegungsabläufe im «Shaolin Kung Fu», einer Disziplin, bei der Kampfformen aneinandergereiht werden zu einem Schaukampf gegen einen imaginären Gegner.

Dabei zerlegt sie ihre Bewegungen vor dem Spiegel bis in die Einzelteile und nähert sich mit endlosen Wiederholungen der nie erreichbaren Perfektion. Das mindert ihre Motivation keineswegs. «Es geht nicht bloss darum, eine Form auswendig zu lernen. Sondern sie zu verinnerlichen, sie zu leben und fühlen und dabei selbst als Mensch zu wachsen. Das kann gar nicht langweilig werden», sagt die 27-jährige, die vor einigen Jahren von Zürich Höngg nach Geroldswil gezogen ist.

Folgt der fünfte Meister-Titel?

In den letzten Wochen hat die vierfache Schweizer Meisterin besonders intensiv trainiert. Am Sonntag will sie an den Swiss Wushu Championships weitere Erfolge feiern. «Ich will unbedingt gewinnen.» Durch das Kung-Fu-Training hat sie ihr kompetitives Feuer entfacht. Früher habe sie viel mehr Mühe gehabt, sich zu motivieren. Noch wichtiger als ihr eigener Auftritt ist ihr die Rolle als Trainerin. Fünf Athleten begleitet sie an den Schweizermeisterschaften. «Es gibt für mich nichts Schöneres, als zu sehen, wie meine Schüler bei ihren Auftritten wachsen.»

Als Lehrer und Schulleiter hat Roger Müller Balints Entwicklung aus der Nähe miterlebt. «Sie hat einen extremen Willen und ist bereit, viele Opfer dafür zu bringen», sagt er und lobt ihre engagierte und disziplinierte Art. Es sei beeindruckend, wie sie über die Jahre ihr Selbstbewusstsein sowie ihre physische und mentale Stärke gesteigert habe.

Swiss Chinese Kung Fu School Urdorf

Swiss Chinese Kung Fu School Urdorf

Training der Erwachsenen in der Kung Fu Schule von Roger Müller in Urdorf. Mit dabei ist auch Géraldine Balint (in schwarz).

Wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählt, überrascht Balint, die nach einer Detailhandelslehre das KV nachholte und als administrative Assistentin in einem Familienbetrieb arbeitet, immer wieder Kolleginnen und Kollegen. Ihr sanftes Gemüt und ihre Statur passen nicht zu klischierten Vorstellungen. «Man muss nicht krass drauf sein, um Kampfkunst zu betreiben. Das hat nichts miteinander zu tun», sagt sie. Dazu passt auch, dass sie nicht so gerne sparrt, also im Training gegen Mitschüler kämpft. «Ich habe grossen Respekt und Angst davor, mein Gegenüber zu verletzen.» Über die Jahre habe sie aber gelernt, mit dieser Hemmschwelle umzugehen.

Aufgewachsen mit Bruce Lee

Die Freude an der Kampfkunst wurde Balint quasi in die Wiege gelegt. Schon als Kind trainierte sie eine kurze Zeit in der Karateschule ihres Vaters und liebte die Filmklassiker der Martial-Arts-Legenden Bruce Lee und Jackie Chan. «Aber da wusste ich noch nicht, dass es mal meine grosse Leidenschaft wird.» In der Jugend probierte sie immer wieder Neues aus und spielte eine Zeit lang viel Tennis.

Eines Tages erblickte sie auf ihrem Weg zur Arbeit zufällig die Anschrift der Kung-Fu-Schule. Nach einem Probetraining war sie gleich angefixt. «Es war mega anstrengend, aber hat mir extrem gut gefallen.» In der Folge besuchte sie regelmässig die Trainings und begann nach einigen Jahren, selbst zu unterrichten. Sie habe im ganzen Trainingsprozess viel über sich gelernt. «Es sind so wertvolle Lektionen und Werte, die ich auch mit in die Welt hinaustragen kann.» Gut acht Jahre nach ihrer ersten Lektion sei ihr klar, dass Kung Fu für sie immer ein wichtiger Teil ihres Lebens sein wird. «Es ist ein unendlicher Prozess, man hat nie ausgelernt.»

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