Reiten
Leidenschaft auf dem Parcours: Hier wiehert sogar das Handy

An der Springkonkurrenz des KV Limmattals in Birmensdorf herrschte grosser Andrang – Mario Schwinn aus Unterengstringen war mit seinem neuen Pferd Miss Moss mittendrin.

Florian Schmitz
Merken
Drucken
Teilen
Springkonkurrenz des KV Limmattal in Birmensdorf
7 Bilder
Kurz zuvor wartet Mario Schwinn nach dem Aufwärmen in der Halle auf seinen Auftritt.
Endlich gehts los: Mario Schwinn blickt auf den Parcours.
Unter den prüfenden Blicken der Zuschauer gibt Mario Schwinn auf dem Sandplatz sein Bestes.
Mit viel Schwung fast aus dem Bild herausgesprungen.
Mehrere Reiter beobachten gebannt einen ihrer Kollegen auf dem Parcours.
Beim Aufwärmen wird auch mal ohne Reiter geübt.

Springkonkurrenz des KV Limmattal in Birmensdorf

Martina Strebel

«Ich bin erleichtert, die Anspannung und die Nervosität sind weg», sagt Mario Schwinn. Kurz zuvor sass er noch auf seinem Pferd Miss Moss und übersprang die 75 Zentimeter hohen Hürden auf dem Parcours. Eigentlich sei er recht entspannt gewesen, doch am Morgen im Auto auf dem Weg zum Turnier spürte er ein flaues Gefühl im Magen. «Sobald ich auf dem Ross sass und die ersten Meter geritten bin, fühlte ich mich wieder viel besser», erzählt der Unterengstringer.

Der 14-jährige Schwinn war einer der über 60 Teilnehmer an der Anfängerkonkurrenz – darunter viele Junge, aber nicht ausschliesslich – auf der Reitanlage Vogelsang in Birmensdorf, wo am Wochenende die vom Kavallerieverein Limmattal (KVL) organisierte Springkonkurrenz stattfand. Die Anfänger teilten sich den Freitag mit dem Dragoner Championat, an dem ehemalige Kavalleristen zeigten, dass sie mit ihren Pferden auch heute noch jede Hürde schaffen. Nach verschiedenen Konkurrenzen am Samstag folgte am Sonntag der sportliche Höhepunkt: das KVL-Vereins-Championat. Hier kämpften Mannschaften aus der ganzen Schweiz um den Sieg. Ebenfalls am Sonntag präsentierte die Schaugruppe der Islandpferdevereinigung Schweiz ihre Show «Isländer in Action».

Unerfahren, aber ambitioniert

Für Mario Schwinn, der vor rund sechs Jahren mit dem Reiten begann, war der wichtigste Moment des Wochenendes allerdings bereits am frühen Freitagnachmittag vorbei. Seinen zweiten Lauf beendete der Unterengstringer mit einer guten Zeit, doch weil er für zwei umgefallene Hürden Strafpunkte kassierte, war er nicht ganz zufrieden. Dabei sind Turniere für ihn noch eine relativ neue Erfahrung. In Birmensdorf trat er zu seiner insgesamt dritten Konkurrenz an. Mit seinem neuen Pferd Miss Moss war es der erste gemeinsame Turnierauftritt überhaupt.

Seit vier Monaten reitet er mit dem irischen Pferd. Nach erfolgreichen Erfahrungen in Irland kam Miss Moss vor zwei Monaten in die Schweiz. In seiner Heimat bestritt das Pferd zwar bereits einige Turniere, doch mit nur fünf Jahren ist es noch relativ jung und unerfahren. Dies fordert den Reiter, denn er muss sein Pferd an die Turniererfahrung gewöhnen. «In seiner Heimat sind die Anlagen meist viel grösser als in der Schweiz, deshalb hat Miss Moss noch Mühe mit engen Wendungen», so Schwinn.

Statt zurück schaut er aber lieber nach vorne. Dabei gibt er sich für einen jungen Teenager erstaunlich weitsichtig und geduldig. Für ihn ist klar, dass seine Partnerschaft mit Miss Moss erst am Anfang steht und er zusammen mit dem Pferd an den kommenden Herausforderungen wachsen will: «Derzeit reiten wir noch nicht, um zu gewinnen, sondern, um gemeinsam Erfahrung zu sammeln. Es ist ein langfristiges Projekt.» In zwei Jahren will er dann vermehrt auch gute Resultate anstreben. In seinen Ausführungen ist zu spüren, dass ihn die Leidenschaft gepackt hat und er dem Reitsport noch lange erhalten bleiben möchte.

Mit seiner Leidenschaft ist Mario Schwinn nicht alleine. Ob besorgte und mitfiebernde Eltern oder motivierte Helfer: In der Birmensdorfer Reitanlage ist sie überall zu spüren. Hier wiehern nicht nur die Pferde. Als während dem Gespräch das Handy von Manuela Dubs, Presseverantwortliche des KVL, klingelt, ertönt prägnantes Wiehern aus den Lautsprechern. «Die Vorbereitungen liefen optimal, alle haben ihre Aufgaben zuverlässig erledigt», lobt OK-Präsident Konrad Stapfer die Arbeit seines Teams.

Selbst von unglücklichen Rückschlägen liessen sich die Organisatoren nicht unterkriegen. Im Juni wurde der im Frühling sanierte Sandplatz bei einem heftigen Unwetter weggeschwemmt. «Der ganze Sand wurde bis zum Bach herunter gespült», sagt Stapfer. Trotz Versicherung trafen ein Teil der Schäden den Verein auch finanziell. Dennoch wurde der Sandplatz rechtzeitig zur Springkonkurrenz wieder fertig. Auch das erneute Wetterpech am Austragungswochenende hinderte das Organisationsteam nicht an einer erfolgreichen Durchführung aller Wettbewerbe der Springkonkurrenz.