Werden nun auch die Wirtschaftskriminellen immer jünger? Fest steht, dass sich in dieser Woche ein gerade erst 19-jähriger Versicherungsfachmann aus Schlieren vor dem Bezirksgericht Zürich wegen Betrugs in grossem Stil verantworten musste.

Der junge Schweizer hatte bei seiner Arbeitgeberin im Frühling 2009 innerhalb von nur sechs Wochen rund 135000Franken für sich abgezweigt und die ertrogenen Gelder auf die Konten seines älteren Limmattaler Bruders sowie dessen Aargauer Freundin überwiesen.

Erfundene Schadensfälle

Der zur Tatzeit 18-jährige Angeklagte hatte im August 2006 eine kaufmännische Lehre bei einer Versicherung in Zürich begonnen. Zuerst zeichnete sich der Jugendliche über mehrere Jahre hinweg durch zuverlässige Leistungen aus.

Bis er im März 2009 auf die Idee kam, einen Schadensfall zu erfinden und dafür einen noch unauffälligen Geldbetrag von 3000Franken zu kassieren. «Ich wurde schnell grössenwahnsinnig», blickte der geständige Betrüger vor Gericht zurück.

Um nicht aufzufliegen, weihte er seinen um ein Jahr älteren Bruder sowie dessen Partnerin ein. Sie stellten dem KV-Stift ihre Bankkonten als «Landeplätze» für die Beute zur Verfügung und erhielten dafür einen Anteil.

Kleider und Bordellbesuche

Schon bald sackte das Trio regelmässig Geldbeträge ein und genoss einen luxuriösen Lebensstil. Während sich die heute 20-jährige Verkäuferin teure Kleider und Schuhe leistete, bevorzugten die Männer ausgiebige Bordellbesuche. Ende Mai 2009 war aber Schluss. Die drei Angeklagten flogen auf und legten ein umfassendes Geständnis ab.

Auch vor dem Bezirksgericht Zürich, wo ihnen bedingte Freiheitsstrafen sowie Bussen bis zu 1000 Franken drohten. Der entlassene Hauptbeschuldigte musste wegen Betrugs mit zwölf Monaten auf Bewährung rechnen. Sein Bruder und dessen Freundin wegen Geldwäscherei mit zehn Monaten bedingt sowie mit sieben Monaten bedingt.

Der Verteidiger des Lehrlings verneinte einen Betrug und ging mangels Arglist nur von einer unrechtmässigen Aneignung seines Klienten aus.

Das Gericht ging aber aufgrund des Vertrauensbruchs von betrügerischen Handlungen aus. Allerdings ersetzte es die geforderten Freiheits- durch Geldstrafen.

Der Hauptbeschuldigte erhielt 327 Tagessätze zu 30 Franken sowie 1000 Franken Busse. 275 Tagessätze zu 40 Franken und 1000 Franken Busse kassierte der ältere Bruder, der sich zusätzlich einen Raserexzess in einem Autobahntunnel geleistet hatte.

Am mildesten kam die Aargauerin davon. Sie wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 165 Tagessätzen zu 40 Franken sowie 600 Franken Busse verurteilt. Die Angeklagten sollen der geprellten Versicherung einen Schadenersatz leisten.