Gemeinderat Dietikon
«Lehrer sollen lehren, und Eltern sollen erziehen»: Die Stadt muss sich mit Schulsozialarbeit befassen

An der Dietiker Parlamentssitzung am Donnerstag überwies der Gemeinderat mit knapper Mehrheit das Postulat des Grünen Beat Hess.

Gabriele Heigl
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Unterstützung: Ein Schulsozialarbeiter wirkt entlastend, zumal sich Lehrer vermehrt auf den Unterricht konzentrieren können. (Symbolbild)

Unterstützung: Ein Schulsozialarbeiter wirkt entlastend, zumal sich Lehrer vermehrt auf den Unterricht konzentrieren können. (Symbolbild)

Limmattaler Zeitung

Die Schulsozialarbeit ist in Dietikon ein Thema, mit dem sich die Gemeindepolitiker schwertun. Einige Jahre war Dietikon die einzige Gemeinde im Bezirk ohne Schulsozialarbeit, bis die Stadt schliesslich gesetzlich verpflichtet wurde, sie anzubieten.

Geändert hat das an der Brisanz des Themas nichts, wie man an der Parlamentssitzung am Donnerstag sehen konnte. Den einen Gemeinderäten wird bei dem Thema viel zu viel gemacht und bezahlt, die anderen sehen gefährliche Defizite und fordern eine Ausweitung. Kaum verwunderlich, dass sich die Positionen auf die Parteien des rechten und linken Spektrums verteilen. Beat Hess, Gemeinderat der Grünen und Lehrer in der Schuleinheit Zentral, hatte ein Postulat eingereicht, mit dem Ziel, die Stellenprozente der Schulsozialarbeit von 290 um mindestens 130 Stellenprozenten aufzustocken.

Die Aufgaben der Schulsozialarbeiter seien in Dietikon besonders herausfordernd durch die heterogene Schülerschaft aus vielen Nationen und zum Teil prekären Verhältnissen. Eine Vollzeitkraft muss sich um 940 Schüler kümmern – mehr irgendwo sonst in der Region Süd. Der Schulsozialarbeiterverband empfehle maximal 400 Schüler auf 100 Stellenprozente, so Hess in seinem Postulat. Dies auch, damit die Schulsozialarbeiter präventiv tätig werden könnten. Auch mit der Aufstockung «erreichen wir nur eine durchschnittliche Lösung», so Hess.

Alles Argumente, denen auch die SP folgen kann. Für die Fraktion äusserte sich Catherine Peer: «Schulsozialarbeit ist kein Luxus, den wir uns leisten, weil es chic ist. Wir wollen sicher sein, dass Lehrer jederzeit eine Fachkraft zu ihrer Unterstützung an der Seite haben.»

Im Parlament war es an Esther Wyss-Tödtli, SVP-Gemeinderätin und wie Hess Pädagogin, eine konträre Position zum Postulat zu beziehen. Dabei wurde sie ungewohnt persönlich, indem sie Beat Hess’ pädagogische Fähigkeiten infrage stellte, wenn er der Schulsozialarbeit so intensiv das Wort rede. Als Pädagogin, wehre sie sich gegen die Vermutung, dass sie schlecht ausgebildet sei und fachliche Unterstützung brauche. Ihr Antrag auf Nichtüberweisung des Postulats war die logische Folge.

Auch Michael Segrada (FDP) ist nicht der Ansicht, dass die Schulsozialarbeit ausgebaut werden muss. «Lehrer sollen lehren, und Eltern sollen erziehen.» Einen weiteren Ausbau halte seine Partei nicht für nötig und werde deswegen den Nichtüberweisungsantrag der SVP unterstützen.

Dieser war aber nicht von Erfolg gekrönt. Denn mit 17 Ja- zu 13 Nein-Stimmen wurde das Postulat doch überwiesen, was mit einem triumphierenden Freudenschrei auf der linken Seite quittiert wurde. Die Schulsozialarbeit wird damit eines der ersten Themen sein, mit denen sich neu gewählte Stadtrat auseinandersetzen muss.