Dietikon
Lehre als Landschaftsgärtner: «Ich kann mich draussen austoben»

Die Vogelbeere hat es dem 17-jährigen Gärtner-Lehrling Felix Kratter angetan.

Sebastian Schuler
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Felix Kratter ist im zweiten Jahr der Lehre als Landschaftsgärtner EFZ.

Felix Kratter ist im zweiten Jahr der Lehre als Landschaftsgärtner EFZ.

Sebastian Schuler

Wieso haben Sie sich für die Lehre als Landschaftsgärtner entschieden?

Felix Kratter: Ich wusste bereits früh, dass ich Landschaftsarchitekt werden will, und bei einer Schnupperlehre erhielt ich Einblick in den Beruf. An die Fachhochschule, wo man Landschaftsarchitektur studieren kann, gelangt man über verschiedene Wege. Neben der Matur ist es auch mit einer Lehre und Berufsmatur möglich. Diese mache ich bei der Firma Meier Gärten AG in Niederglatt. Hier lerne ich die Materie kennen und bin mir später bewusst, was ich zeichne und plane. Ausserdem kann ich mich so drei Jahre draussen austoben, bevor ich ins Büro wechsle.

Austoben können Sie sich auch im Gartenraum, der von den Lernenden mitgestaltet wird. Sind sie komplett frei in der Gestaltung?

Es sind nur die einzelnen Bereiche vorgegeben, die wie Bienenwaben geformt sind. Diese Waben können von den Lernenden individuell gestaltet und am Eröffnungswochenende den Besuchern erklärt werden. Mit der Gestaltung meiner Wabe bin ich noch nicht ganz fertig, aber wahrscheinlich verwende ich die Vogelbeere.

Die Vogelbeere gilt nicht unbedingt als eine attraktive Pflanze. Warum stellen Sie diese vor?

Auch wenn sie wenig Beachtung findet, ist die Vogelbeere eine hochinteressante Pflanze. Das bei uns heimische Gewächs hat einen hohen Nutzen für unsere Fauna. Über 63 Vogelarten, 80 Insekten und 30 verschiedene Säugetiere ernähren sich oder erhalten Schutz vom Rosengewächs.

Was hat der Mensch von der Vogelbeere?

Wir können auf mehrere Arten von ihr profitieren. Das Gewächs hat wegen der Blüten, Beeren und Blätter, vor allem in ihrer Herbstfärbung, einen hohen Zierwert. Vorsicht geboten ist bei den Beeren. In rohem Zustand enthalten sie Parasorbinsäure und sind giftig. Ein viertelstündiges Bad in heissem Wasser löst diese Säure jedoch auf. Die gekochten Beeren können als solche gegessen oder zu Konfitüre verarbeitet werden. Am besten schmecken sie nach dem ersten Frost, dann sind sie leicht süsslich. Die getrockneten Blätter der Pflanze sind ebenfalls verwertbar. Mit ihnen kann man Tee zubereiten, der gut für den Magen ist und gegen Husten und Bronchitis hilft.

Was ist bei der Vogelbeere auch noch zu beachten?

An einem guten Standort kann sie eine Höhe von bis zu 25 Metern erreichen. Sie wächst in direktem Sonnenlicht und im Halbschatten, ist also konkurrenzfähig zu anderen Pflanzen. Die Vogelbeere verträgt auch Trockenperioden und ist insgesamt eine sehr pflegeleichte Pflanze.

Inwiefern werden denn Neophyten im Rahmen Ihrer Ausbildung thematisiert?

In der Schule ist es schon ein sehr präsentes Thema. Ich habe mich hier in Dietikon auch schon einmal im Rahmen einer Öko-Woche sehr intensiv mit invasiven Neophyten und einheimischen Pflanzen auseinandergesetzt. In der Berufsmaturitätsschule habe ich zudem auch noch Kontakt mit Förstern. So erfuhr ich, dass diese beinahe eine ganze Saison benötigen, um beispielsweise den verwilderten Kirschlorbeer in den Wäldern der Zürcher Goldküste zu bekämpfen. Ich denke, dass ich in der Lehre oder speziell in meinem Betrieb gut auf dieses Thema vorbereitet werde und freue mich, die Besucherinnen und Besucher ebenfalls zu informieren.