Das Limmattal ist nicht als sagenreiche Region der Schweiz bekannt. Viele Legenden, die jedoch existieren, ranken sich um die Ereignisse der zweiten Schlacht bei Zürich im Jahr 1799. Damals, am 25. September, überquerte der französische General Masséna bei Dietikon die Limmat, um die bei Unterengstringen stationierten Russen unter General Korsakov im Gebiet oberhalb des Klosters Fahr zu bekämpfen. Das Manöver gelang. Die russischen Truppen wurden zum Rückzug gezwungen.

Das geschichtsträchtige Ereignis hinterliess Spuren bei der lokalen Bevölkerung. In Erzählungen finden sich zahlreiche Anekdoten aus der Zeit als sich die Russen und die Franzosen im Limmattal aufhielten. So hielt etwa der Weininger Sekundarlehrer Oskar Lüssi in seinem Buch «Aus schwerer Zeit» aus dem Jahr 1915 fest, dass die Russen im Wald bei Weiningen ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Bäume auf Brusthöhe abgesägt

«Sie fällten Bäume bis zur Brusthöhe; offenbar in der Absicht, einen besseren Überblick über das Gelände und ein freies Schussfeld zu haben, ohne selbst bemerkt zu werden», schreibt Lüssi. Die Weininger hätten sich über die Anwesenheit der Russen nicht beklagen können. Umgekehrt wohl auch nicht, denn die älteren Weininger Frauen hätten den Soldaten oft Mittagessen und andere Esswaren gebracht. Die Jungfrauen aber hätten während der ganzen Zeit Hausarest gehabt.

Die Russen erhielten aber nicht nur Besuch von der Bevölkerung, sondern sie besuchten die Leute gleich selbst. So schreibt Lüssi, dass die Russen einige Weininger Backöfen für sich beanspruchten, namentlich denjenigen der Familie Hollenweger im Oberdorf. «Als der Kampf mit den Franzosen losging, erklärte der russische Bäcker, er wolle ins Gefecht ziehen. Nach zehn Minuten kam er, von einem Schuss in den Oberschenkel verwundet, zurück.»

Auch um die «Russenhöhle» ranken sich Geschichten. So soll sie einst ein Tunnel gewesen sein und Oberengstringen mit Regensdorf verbunden haben. «Es wird erzählt, dass die Russen so bei einem Angriff unbemerkt auf die andere Seite des Bergs hätten fliehen können», sagt James Levell. Er ist Leiter der Pfadi Laupen, die den Platz vor der Höhle bei Oberengstringen oft als Besammlungsort benutzt.