Birmensdorf

Leerstehende Hallen sind Mangelware

Die Erhöhung der Asylquote rückt in grossen Schritten näher. Ein Monat vor Ankunft der zusätzlichen Asylsuchenden gibt es für die Zürcher Gemeinden noch folgende Optionen.

Ab Anfang nächsten Jahres tritt die Erhöhung der Asylquoten in Kraft. Dann müssen Zürcher Gemeinden nicht mehr wie bis anhin fünf Asylsuchende pro 1000 Einwohner aufnehmen, sondern deren sieben.

Wie eine Auswertung der genauen Anstiege zeigt, sind kleinere Gemeinden kaum davon betroffen, da ihr Kontingent nur um wenige Personen zunimmt. Bei den Städten des Bezirks ist dies anders: In Dietikon gesellen sich zu den bisher 130 Asylsuchenden 50 neue, in Schlieren, das bisher 89 beherbergte, kommen 37 hinzu.

Keine einfache Aufgabe, innert nur weniger Wochen die nötige Infrastruktur bereitzustellen.

Variante 1: Schutzräume

Möglichkeiten gibt es einige. Im Kanton Aargau beispielsweise sind verschiedene unterirdische Operationsstellen von Spitälern bereits mit Asylsuchenden belegt, im Kanton Schaffhausen bieten Zivilschutzanlagen eine unterirdische Beherbergung für rund 180 Asylsuchende.

Ein Szenario, das auch in Dietikon bald möglich ist. Am Donnerstag starteten die Bauarbeiten am ausgemusterten Sanitätsposten Oberdorf, gleich vis-à-vis des Alterszentrums Ruggacker. Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) führte durch den Bau aus dem Jahr 1983 (siehe Artikel links).

Wie auch Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) versichert Illi, dass die Stadt derzeit fieberhaft nach Unterbringungsmöglichkeiten suche und der Bunker ein absoluter Notnagel sei.

Der Widerstand vonseiten der Asylsuchenden und Hilfsorganisationen gegen die Bunker-Unterbringung wächst jedoch. Das Genfer Kollektiv «Stop-Bunker» arbeitet mit Vereinen und Migranten zusammen, um ein Verbot dieser Praxis zu erwirken. Daneben ist der Bunker keine günstige Unterbringungsmöglichkeit.

Der Direktor der Genfer Sozialorganisation Hospice général sagte im Oktober gegenüber dem SRF, dass bei dieser Form der Unterbringung mehr Sicherheitspersonal benötigt werde.

Daher würden die Kosten für Bund und Kanton pro Asylbewerber in einer unterirdischen Anlage rund dreimal höher liegen als in einer Containersiedlung. Heinz Illi nimmt diesen Widerstand zwar zu Kenntnis: «Man muss aber auch sehen, dass dies eine zumutbare, jedoch nur vorübergehende Unterbringungsmöglichkeit ist.»

Variante 2: Container

Auch in Schlieren suchte eine departementübergreifende Task-Force nach Möglichkeiten, um die zusätzlichen 37 Asylsuchenden unterzubringen. Mitte nächsten Jahres soll eine Asylunterkunft für 48 Bewohner auf dem Werkhof-Areal eröffnet werden.

Daher erhoffte sich Claude Chatelain, Abteilungsleiter Soziales, dass die zusätzlichen Personen gestaffelt über das Jahr hindurch an die Gemeinden verteilt werden (Limmattaler Zeitung vom 14. November). Diese Hoffnung zerschlug sich bei der kantonalen Sozialkonferenz von vergangener Woche im Wind.

«Der Kanton machte klar, dass die Gemeinden dazu verpflichtet sind, die ihnen zugeteilten Asylsuchenden in den ersten Wochen von 2016 aufzunehmen», sagt Fabio Pedretti, stellvertretender Leiter Soziales auf Anfrage.

Oberste Priorität habe derzeit das Anmieten von zusätzlichen Wohnungen: «Damit haben wir bereits begonnen». Nur: «Es ist eher schwierig, geeignete Objekte zu finden».

Die Gemeinde sieht sich daher gezwungen, auch andere Varianten zu prüfen: Von der Belegung einer Turnhalle bis hin zum Aufstellen von Ikea-Häusern in einer Lagerhalle, sei alles zur Diskussion gestanden.

Die wahrscheinlichste Variante sei die Errichtung eines Modulbaus, da der Stadt auf die Schnelle weder grosse Industriehallen, noch leerstehende Turnhallen zur Verfügung stünden. «Derzeit laufen Abklärungen in Bezug auf die Grösse und den Standort eines solchen Modulbaus», so Pedretti.

Diese sind schnell errichtet. In Genf wurde eine solche Siedlung für 200 Asylbewerber innerhalb von nur acht Wochen realisiert. «So schnell geht es nur, wenn sämtliche Einzelteile bereits fabriziert sind und nur noch zusammengebaut werden müssen», sagt Patrick Suter, Geschäftsleitungsmitglied von Erne Holzbau in Laufenburg. Derzeit realisiert das Unternehmen rund 20 Projekte.

Variante 3: Ikea-Häuser

Obwohl die industrielle Vergangenheit der Region sie für die Unterbringungs-Variante «Ikea-Haus» prädestinieren würde, stehen die Chancen dafür eher schlecht. Das Fertigbauhaus des Schwedischen Möbelhauses wird bereits im Kanton Aargau angewendet und kostet rund 1000 Franken. Doch: Im Winter müssen diese Häuser in einer Halle aufgebaut werden.

Wie bereits erwähnt, ergab die Suche in Schlieren keine Ergebnisse. Auch Dietikon ist dieser Variante nicht grundsätzlich abgeneigt. Das Problem ist aber, dass die Hallen beheizbar sein und über minimale sanitäre Anlagen verfügen müssen. «Diese Kriterien schränken die Auswahl massiv ein», sagt Marina Frischknecht, stellvertretende Leiterin der Dietiker Sozialabteilung diese Woche gegenüber der Limmattaler Zeitung.

Variante 4: Wohnungen

Ist keine der genannten Lösungen optimal, bleibt noch die Unterbringung in Wohnungen – ob gemeindeeigene oder solche in Privatbesitz spielt dabei keine Rolle. So sagte der Weininger Sozialvorstand gegenüber der Limmattaler Zeitung, dass man derzeit nach Wohnungen für die zusätzlichen Asylsuchenden suche. Auch in Birmensdorf setzt die Sozialabteilung voraussichtlich darauf, Wohnraum zu finden.

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