Oberengstringen
LED folgt auf Tango-Licht: Das Sitzungszimmer im Gemeindehaus wurde aufgefrischt

Seit dieser Woche stehen die neuen Möbel im Sitzungszimmer des Oberengstringer Gemeindehauses. Die Erneuerung war überfällig, stammt die Einrichtung doch noch aus dem Jahr 1963.

Manuela Moser
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Oberengstringen
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Ein ovaler LED-Kreis an der Decke: Die neue Lampe lässt sich dimmen.
Ganz anders die alte Lampe: Sie gab kaum Licht, war eher eine "Tango-Beleuchtung".
Die Reparatur eines alten Stuhles hätte je 700 Franken gekostet.
Das Engstringer Blau findet sich auf den Gläsern und auf dem Teppich.
Das Modellbild des neuen Sitzungszimmers.
Der alte Tisch war massiv und schwer.

Oberengstringen

ZVG/Manuela Moser

«Star Trek» folgt auf «Mad Men», oder anders gesagt: Die topmodernen Möbel für das Sitzungszimmer im Oberengstringer Gemeindehaus sind eingetroffen, die alte Einrichtung aus den 1960er-Jahren wurde ersetzt. Beim Besuch des neueingerichteten Raums schweift der Blick unweigerlicher zuerst an die Decke, konkret zur Lampe. Mehr schmales Band als Lampe schwebt sie hell und elegant als ovaler LED-Kreis über dem linsenförmigen Tisch an der holzgetäferten Decke – diese stammt allerdings noch aus dem Originalbaujahr 1963, als das Gemeindehaus des Architekten Hugo Müller eingeweiht worden ist. Seit damals ist das Mobiliar im Sitzungszimmer nie ausgetauscht worden.

«Der Ersatz des Tisches, der zwölf Stühle und der Lampe war überfällig», sagt Liegenschaftenverwalter Remo Albrecht. «Die alten Stühle fielen teils fast auseinander und die Reparatur eines einzelnen kostete bis zu 700 Franken.» Nicht verwunderlich, schliesslich haben sie über all die Jahre für geschätzt mehr als 8000 Sitzungen hinhalten müssen. Wie teuer die Möbel seinerzeit gewesen sind, weiss im Gemeindehaus niemand mehr. «Sicherlich haben sie aber genug gekostet», sagt Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther. Dafür stellten sie auch etwas dar: Die ledrigen Sessel waren breit und tief, das Gestell aus massivem Holz. «Heute gelten sie als Designerstühle», sagt Albrecht mit einem Augenzwinkern.

Schwer und zu gross für den Lift
Auch der alte Sitzungstisch mit seinen stolzen Massen von 3,5 Meter auf 2 Meter war eine Erscheinung: Oval und laut Albrecht «sehr sehr schwer», weil ebenfalls aus massivem Holz, passte er beim Abtransport nicht in den Lift. Schliesslich musste er in seine Einzelteile zerlegt werden und mit der Unterstützung einiger Werkangestellten aus dem Gemeindehaus getragen werden – immerhin ging es nur ein Stockwerk hinunter.

Zahlende Abnehmer fanden die alten Möbel trotzdem nicht – nicht einmal die alte Lampe, die ein eindrückliches Kreuz aus Chromstahl mit acht grossen Kugellampen war. «Es würde mich allerdings nicht verwundern, wenn ich sie eines Tages in einem angesagten Start-up-Unternehmen an der Decke sehe», so Albrecht. Ausgeschrieben wurden die Möbel auf tutti.ch gratis – Abnehmer fanden sich schliesslich in zwei Privatpersonen. Mehr über sie weiss auch Gemeindeschreiber Ebnöther nicht. Er vermutet aber, dass sie Zwischenhändler sind, die die Möbel in den Ostern weiterverkaufen werden. Albrecht erinnert sich noch an einen dritten Interessenten: «Er fuhr mit dem öV zum Gemeindehaus und wollte die massive Lampe abholen. Als er sah, wie gross sie ist, erschrak er und machte gleich wieder kehrt – ohne Lampe.»

Testsitzen mit vier Modellen

Für die neue Einrichtung hat sich der Gemeinderat Zeit gelassen. Insgesamt vier Stuhltypen wurden «testgesessen». Schliesslich fiel die Wahl auf ein Modell aus dem Hause Brunner Winterthur. «Der Gemeinderat wünschte sich eine hohe Lehne», sagt Albrecht, «damit man sich während langen Sitzungen auch mal den Rücken durchstrecken kann.» Schliesslich tagen hier nicht nur die Gemeinderäte, sondern auch die Vertreter der Schule und die Gemeindemitarbeiter. Eine weitere Voraussetzung war, dass das braune Leder viele Abreibungen verträgt. Die Stühle passen zudem zum ebenfalls braunen Tisch. «Auch hier wurden verschiedene Oberflächen ausprobiert.» Entschieden hat man sich für Linoleum, die Füsse sind metallisch. Der schmal und leicht wirkende Tisch verfügt neu über Strom- und Netzwerkanschlüsse. Bei der Herstellung des alten Tisches, gibt Albrecht zu Bedenken, habe man noch gar nicht gewusst, was Computer seien.

Die Bedürfnisse haben sich tatsächlich verändert: So lässt sich das Licht jetzt dimmen, nach oben und nach unten, sodass die Raumhelligkeit bei Folienpräsentationen angepasst werden kann. «Abends ist die LED-Beleuchtung dann so angenehm wie Tageslicht.» Mit der alten Lampe habe man höchstens eine «Tango-Beleuchtung» erreicht.
Perfekt fügt sich nun auch der übergrosse Fernseher ein – in Tat und Wahrheit ein mobiler Display, der den herkömmlichen Beamer mit Leinwand ersetzt. «Der alte hatte seine Lebensdauer überschritten und der Ersatz wäre teurer gewesen als die moderne Variante.» Als Letztes wurde auch die grüne Magnettafel, die «viel Licht geschluckt hat», ersetzt. Neu ist sie weiss und sowohl magnetisch als auch beschreibbar. Nicht erneuert wurde der blaue Teppich – genau im Engstringer Blau. «Ein Jahr hatten wir danach gesucht», so Albrecht. Und das ist auch erst ein paar Jahre her.
Kostenpunkt des neuen Mobiliars, inklusive der neuen Möbel im gleichen Stil für zwei kleinere Sitzungszimmer: 80 000 Franken. Albrecht: «Hält alles wieder 55 Jahre lang, dann hat sich die Investition gelohnt.»