Nur 70 Kilometer der Fliessgewässerstrecke des Kantons Zürich haben einen hohen Wert für Brutvögel. Das sind gerade einmal 3,9 Prozent, wie eine Studie von BirdLife Zürich zeigt. Sie analysiert die Situation der Brutvögel an Fliessgewässern und beschreibt Förderungsmassnahmen.
Dass die Situation für die Tiere vielerorts unzureichend ist, lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Starke Niederschläge und grosse Schneeschmelzen führen immer wieder zu Hochwassern, die das Fassungsvermögen der Flüsse übersteigen. Deshalb hat der Mensch die Gewässer künstlich gezähmt. Das Kanalisieren und Einengen von Flüssen führt im Gegenzug dazu, dass Vögel ihre natürliche Umgebung verlieren. Die Tiere brauchen aber ihre geschützten Plätze, um ungestört nisten zu können.
Als Reaktion darauf verpflichtet das Gewässerschutzgesetz die Kantone, die Fliessgewässer zu revitalisieren. In 80 Jahren sollen schweizweit etwa 25 Prozent der insgesamt 10 000 km wieder in einen natürlichen bis naturnahen Zustand zurück geführt werden. Der Kanton Zürich muss bis Ende Jahr seine Prioritäten für die nächsten 20 Jahre zur Genehmigung beim Bund einreichen.

Von nationaler Bedeutung

An der Limmat konnte im Rahmen des Landschafts-und Entwicklungskonzepts Limmatraum schon an einigen Stellen mit Verbesserungen begonnen werden. Die Geroldswiler Auen wurden bereits 2005 geschaffen. Sie liegen neben den letzten natürlich gewachsenen Auenresten im Limmattal. Die Flachmoorbiotope in den Dietiker Auen sind sogar von nationaler Bedeutung. In der Studie von BirdLife schneidet das Gebiet relativ gut ab. Doch auch dort gebe es noch Verbesserungspotenzial, sagt Thomas Kuske, Geschäftsführer von BirdLife Zürich. Streckenweise verlaufe die Limmat durch dicht besiedeltes Gebiet, das den Flussraum stark einenge. «Hier müssen die verbleibenden Lebensraumelemente besonders gut gepflegt werden und zusätzliche geschaffen werden, damit sich die Situation noch etwas verbessern lässt.»

Allgemein könne gesagt werden, dass möglichst breite Gewässerräume die Gebiete für Vögel attraktiv machten. Der Gewässerraum der Limmat müsse daher genügend gross festgelegt sein. Ausserdem müssten Bäume, Sträucher und auch die Uferböschungen gut gepflegt werden. Zu Beginn der Brutzeit sollten diese den Vögeln zur Verfügung stehen, störungsfrei sein und nicht gemäht werden.
Der Abschnitt Werdhölzli in Oberengstringen und Zürich schneidet in der Studie schlecht ab. Das liegt aber vor allem daran, dass nur Zahlen bis ins Jahr 2006 verwendet werden konnten, da seither keine neuen Datenerhebungen mehr stattgefunden haben. Man könne aber davon ausgehen, dass die Region Werdhölzli heute nach seiner Renaturierung im Jahre 2013 besser abschneiden würde, so Kuske.

Es liessen sich aber auch positiv bewertete Regionen aufwerten. Denn die Studie stütze sich auf den relativen Vergleich zwischen den vorhandenen Abschnittswerten der Fliessgewässer ab. Das heisst: Je schlechter der Zustand ist, desto weniger braucht es, damit ein Gewässer als durchschnittlich qualifiziert wird. Weil man wisse, dass die Situation für die Brutvögel nicht gut sei, könne gesagt werden, dass es noch Aufwertungspotenzial gebe, so Kuske.