Dietikon

Lebensfreude statt Gangsterattitüde: Der Rapper, der nicht frech sein will

Denken tut er in Schweizerdeutsch: Giuseppe Sonetto alias GiuRap.

Denken tut er in Schweizerdeutsch: Giuseppe Sonetto alias GiuRap.

GiuRap ist kein Bad Boy, sondern versprüht Italianità – Bushido mag er trotzdem. Mit dem Schlieremer Label «Toscanelli Records» hat der Dietiker bereits mehrere Alben herausgebracht.

«Viele, meist ältere, Menschen sind überrascht, wenn sie hören, dass ich Rapper bin.» Dies scheint verständlich. Erwartet man doch viele Tätowierungen, Goldzähne und eine mit Kraftausdrücken durchsetzte Sprache. GiuRap alias Giuseppe Sonetto ist das genaue Gegenteil dieses Klischees. Mit seiner Musik will er Lebensfreude und eine Prise Italianità verbreiten. Der 21-jährige Dietiker, der seit bald 12 Jahren musiziert und mit dem Schlieremer Label «Toscanelli Records» bereits mehrere Alben herausbrachte, wird am kommenden Mittwoch vier neue Songs aus seinem bald erscheinenden Album präsentieren.

Seine Werke handeln meist von leichten, flockigen Themen. Eine Männerfreundschaft, die nach Jahren wieder neu aufblüht, die Liebe zu einer Angebeteten. Nur ein Song tanzt aus der Reihe: «Das Neugeborene eines Freundes ist kürzlich verstorben. Dieses Drama habe ich in «Angelo Mio» verarbeitet und meinem Bekannten gewidmet», so GiuRap.

Denken tut Sonetto in schweizerdeutscher Sprache, warum also sind seine Texte meist in Italienisch. «Meine Gefühle kann ich so viel präziser ausdrücken, ich weiss nicht warum, aber ich bringe vieles besser auf den Punkt», so Sonetto. Manchmal macht er Ausnahmen und verfasst einzelne Passagen in Mundart. «Ich fühle mich heimisch im Schweizerdeutschen.» Musik in diesen Sprachen wird nur selten jenseits der Schweizer und italienischen Landesgrenze erfolgreich. Mit dem Gedanken auf Englisch zu rappen, habe er sich bereits befasst, momentan stehe es jedoch nicht zur Debatte: «Ich bin aber offen.»

Erfolgsgeheimnis: Liveshows

An Selbstbewusstsein mangelt es Sonetto nicht. Gefragt nach der Bande zu seiner italienischen Heimat, beteuert er, dass diese stark sei, er den letztjährigen Sommerhit seines Dorfes geschrieben habe. Überheblich wirkt er dabei nicht, eher selbstsicher. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um in der Musikbranche voranzukommen. Setzt er nach der Lehre als Informatiker auf die Karte Musik? «Es ist nicht mein Ziel, aber ergibt sich in Zukunft die Möglichkeit, in der Musik ein zusätzliches Standbein zu finden, dann würde ich diese Chance nutzen.»

Er will seine Karriere langsam und stet vorantreiben. Dies bewerkstelligt GiuRap mit einem facettenreichen Online-Auftritt, Aktivitäten in Social Media und – dem laut Sonetto wichtigsten – zahlreichen Liveauftritten. «An diesen erlebt das Publikum die Persönlichkeit eines Künstlers. Dabei ist der Eindruck, den man hinterlässt, bleibend», so Sonetto.

Der Auftritt liegt dem jungen Mann. Gekonnt und ohne Hemmungen weiss er sich beim Fotoshooting ins richtige Licht zu rücken. Eine Pose mit Daumen in der Höhe, die nächste mit verschränkten Armen, dann lässig an die Mauer lehnend. Dabei immer ein Lächeln auf den Lippen.

«Ich höre auch Buschido»

In den so erfolgreichen Gangster-Rap mit seinen Exponenten wie Bushido oder Fabri Fibra würde GiuRap gar nicht passen. «Ich werde nie einer von ihnen sein, auch wenn ich ihre Arbeit mag.» Stören ihn die vielen Kraftausdrücke nicht? «Nein», er höre auch gern harten Rap. Die Kontroversen, welche diese Künstler regelmässig auslösen, weil sie sexistisch, homophob oder diskriminierend gegen andere Minderheiten rappen, empfindet GiuRap als Marketingkalkül. «Wenn sie politisch unkorrekt sind oder fluchen, dann erhalten sie ein grosses mediales Echo.» Das heisst aber nicht, dass es eine unproblematische Entwicklung ist. «Ich schaue darauf, dass ich bei meinen Texten nicht zu frech bin. Wir sind alle Menschen und müssen zusammen auskommen.»

Am Mittwoch 5. März um 20 Uhr stellt GiuRap in der Caffè Bar Limmatfeld vier neue Lieder seines im April erscheinenden Albums vor.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1