Es beginnt schon beim Bedienen eines iPhones oder bei der schnellen Zubereitung eines Salates. Viele Dinge, die für Menschen mit gutem Sehvermögen selbstverständlich sind, müssen Blinde und Sehbehinderte mit viel Geduld lernen. Nur schon zehn Minuten Joggen wird zur Herausforderung. Im Bildungs- und Begegnungszentrum Zürich in Dietikon lassen sich die sehbehinderten und blinden Personen von den vielen Hindernissen nicht abschrecken und machen das, was sie können und was sie gerne tun.

Gestern, am Tag der offenen Tür, hatten Interessierte die Möglichkeit diese Menschen kennenzulernen und zu sehen, wie sie beschäftigt werden und was sie alles selbstständig herstellen können. Schon das dritte Mal organisieren die Mitarbeiter und die Betroffenen zusammen diese Veranstaltung. «Unser Zentrum ist das jüngste der insgesamt fünf in der Schweiz. Mit diesem Tag wollen wir die Leute auf uns aufmerksam machen», sagt Marlène Fritschi, Mitarbeiterin des Zentrums in Dietikon.

Unterstützt, aber nicht verwöhnt

Blinde und Sehbehinderte werden in diesen Zentren unterstützt und vor allem gefördert. «Das Wichtigste ist, dass die Fähigkeiten dieser Leute gefördert werden und dass sie lernen, selbstständig zu arbeiten», sagt Martin Bühler, Leiter des Bildungs- und Begegnungszentrums. «Wir verwöhnen sie nicht, indem sie sich beispielsweise einfach an den Tisch setzen können und ein Mittagessen serviert bekommen. Sie müssen selber Hand anlegen und etwas leisten.» Laut Bühler kommen die blinden und sehbehinderten Personen freiwillig in das Zentrum und verdienen für ihre Arbeit nichts. Einige kommen einmal in der Woche, andere jeden Tag. Jeder kann dort einer der vielen Beschäftigungen nachgehen.

Gaby Lauber kommt schon seit acht Jahren in das Zentrum. Sie erkrankte am Grauen Star. Seither ist sie auf dem rechten Auge komplett blind und auf dem linken sieht sie nur noch zehn Prozent. «Meine grosse Leidenschaft war schon immer das Malen», sagt sie. «Am Anfang war es sehr schwer, da ich nicht mehr so präzise zeichnen konnte. Ich war frustriert.» Doch aufgegeben habe sie nie. Nach einer Therapie habe sie die Freude dann plötzlich wiedergefunden.

Drei Jahre ist Brigitta Käser nun schon dabei und findet die Beschäftigungen toll. Seit Neustem habe sie sogar einen Blindenhund, der sie immer begleitet. «Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ohne ihn zu leben», sagt Käser. Nebst handwerklichen Beschäftigungen gibt es auch sportliche Aktivitäten, wie beispielsweise den Lauftreff Limmattal. Der 22-jährige Roberto geht regelmässig Joggen. Er wird von René Scheidegger, Sehbehinderten-Guide, geführt. «Früher spielte ich Fussball. Obwohl ich jetzt stark sehbehindert bin, habe ich die Freude am Sport nicht verloren», sagt Roberto. Der Sport motiviere ihn. «Ich möchte immer sportlich aktiv bleiben.» Robert rennt mit seinem Guide bei jedem Wetter einmal in der Woche bis zu neun Kilometer.