Oberenstringen
Le Rex präsentierte im Jazzclub Allmend ihren vielseitigen Jazz

In einer Reihe aufgestellt, als würden sie an einer Strasse stehen, begannen die fünf Musiker von Le Rex ihr Konzet im Oberengstringer Jazzclub Allmend. Das Bild ist passend. Denn Le Rex sind tatsächlich als Strassenband gross geworden.

David Hunziker (TExt und Foto)
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Virtuos und doch sorgfältig arrangiert: Als ehemalige Strassenband weiss Le Rex sein Publikum mitzureissen.

Virtuos und doch sorgfältig arrangiert: Als ehemalige Strassenband weiss Le Rex sein Publikum mitzureissen.

David Hunziker

Und als solche verstehen sie sich darauf, ein Publikum unverzüglich mitzureissen. Alles, was die Band dazu braucht, sind die unverstärkte Wucht von vier Bläsern und einem Schlagzeug sowie viele treibende Grooves und eingängige Melodien. Die Musik von Le Rex ist eingänglich und anspruchsvoll zugleich, wie ein Zuschauer es bei der Zigarette nach dem Konzert passend auf den Punkt brachte.

Ensemblespiel im Zentrum

Le Rex spielen einen stilistisch vielfältigen Jazz, der von Balkan-Melodien, Funk oder New Orleans Jazz beeinflusst ist. Obwohl Benedikt Reising und Marc Stucki am Saxofon, Andreas Tschopp an der Posaune, Marc Unternährer an der Tuba und Rico Baumann am Schlagzeug allesamt virtuose Solisten sind, steht das sorgfältig arrangierte Ensemble-Spiel im Zentrum ihrer Musik. Trotz teilweise verschachtelten Arrangements bleiben die Songs angriffig und direkt. «Es ist uns wichtig, mit unseren Songs möglichst viel Energie rüberzubringen», bestätigt Saxofonist Benedikt Reising.

Besonders bei einem Stück konnte man sich die Band gut inmitten einer belebten Fussgängerzone einer Grossstadt vorstellen. Nachdem die Band gemeinsam ein griffiges Thema angestimmt hatte, bog Benedikt Reising in ein auslandendes, virtuoses Solo ein, das die pausierenden Musiker mit Klatschen und «Hey, ho»-Rufen begleiteten. Da und dort wurde das Klatschen auch im Publikum aufgenommen. Tatsächlich stammt das Stück noch aus der Strassenmusiker-Zeit der Band, wie einer der Musiker sagte.

Le Rex spielten zahlreiche Stücke ihres letzten, im vergangenen Herbst veröffentlichten Albums «Wild Man», von denen viele von Erlebnissen auf einer US-Tour im Jahr 2012 inspiriert sind, auf der das Album mehrheitlich entstanden ist: Ein Stück erinnert an die berühmt-berüchtigte Bar «Sugar Maple» in Milwaukee, ein anderes an einen Museumsbesuch in Chicago. Das farbige, wolkenähnliche Gebilde auf dem Cover des Albums stellt laut Tubist Marc Unternährer den «Geist des Jazz» dar.

Humorvolle Soli

Le Rex beglückten das Publikum mit zwei abwechlungsreichen Sets, von denen das zweite den einzelnen Musikern zunehmend Raum für längere solistische Einlagen gab. Diese wurden vom Publikum jeweils mit Zwischenapplaus gefeiert. Zwei der vielen Highlights: Als Andreas Tschopp mit seiner Posaune einen verblüffend narrativen Dialog zwischen einer wie ein Schiffshorn trötenden und einer zart singenden Stimme inszenierte, und als Marc Unternährer seine Tuba fauchend und brummend durch alle Register jagte. In Momenten wie diesen zeigte sich Le Rex vor allem auch als äusserst witzige Band.