Schlieren

«Lasst uns nicht im Regen stehen» – Schlieremer Parlament sagt Ja zu den 4,3 Millionen für Garderoben

Fussballjuniorinnen und -junioren demonstrieren vor der Parlamentsversammlung in Schlieren

Fussballjuniorinnen und -junioren demonstrieren vor der Parlamentsversammlung in Schlieren

Nach einer harten Diskussion erzielte das Projekt ein Glanzresultat im Schlieremer Parlament. Im September entscheidet das Stimmvolk.

«Lasst uns nicht im Regen stehen», skandierten rund 100 Kinder vor der Schlieremer Sporthalle Unterrohr in ihren blau-gelben Trikots. Sie wollten die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die zur Parlamentssitzung schritten, daran erinnern, dass sie sich für den 4,3-Millionen-Franken-Kredit aussprechen sollen. Mit diesem Geld soll bei den Fussballplätzen im Zelgli-Quartier ein neues Garderobengebäude erstellt werden.

Für die rund 560 Mitglieder des FC Schlieren, wovon rund 400 Kinder sind, reiche das Gebäude aus dem Jahr 1980 nicht mehr. «Hauptsache, der Ball geht ins Tor: Egal ob mit einem Steilpass, Doppelpass, Fallrückzieher oder einem flotten Direktschuss – heute Abend geht es um viel», sagte Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (parteilos).

Es sei Aufgabe der Stadt, geeignete Infrastruktur für Sport- und Kulturvereine bereitzustellen. «Unsere Vereine leisten viel und leben Integration», sagte sie. Die Liegenschaften der Stadt hätten einen Wert von rund 300 Millionen Franken, dabei entfallen nur 2 Prozent auf Sportanlagen, wie Stiefel ausführte. «Seien sie sportlich und hüpfen Sie notfalls über ihren Schatten», appellierte sie an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier.

Höhere Zahlung vom FCS und geheime Abstimmung verlangt

Dass es einen Ersatz für das bestehende Garderobengebäude brauche, stelle niemand in Frage, sagte Andres Uhl (CVP). Doch, so Uhl weiter, zweifle seine Fraktion daran, dass der Kredit im September vom Stimmvolk angenommen werde. So begründete er seinen Rückweisungsantrag. «Unserer Ansicht nach sollte sich der Fussballclub mit einem Beitrag von 400'000 bis 500'000 Franken beteiligen», so Uhl. Dies wäre, so Uhl, ein wertvolles Zeichen gegenüber dem Stimmvolk und anderen Vereinen, die nicht so grosszügig bedacht würden. Zudem beantragte er eine geheime Abstimmung.

In der Vorlage des Stadtrats ist vorgesehen, dass der FC Schlieren rund 100 000 Franken an den Innenausbau sowie jährlich 16000 Franken Pacht zahlt. Für einen Sportclub sei dies bereits ein ansehnlicher Brocken. «Sie kennen die Finanzlage des Clubs und Sie wissen, wie hart der Verein zu kämpfen hat», sagte Finanzvorsteherin Stiefel in Richtung Uhl.

Schützendeckung erhielt Uhls Antrag von Markus Weiersmüller (FDP). Dieser betonte, dass die Garderoben zwar in einem miserablen Zustand seien. «Aber leider zeigt sich, dass die Stadt wieder mit grosser Kelle anrichtet und nicht das volle Sparpotenzial ausschöpft», sagte er weiter. Darüber hinaus sei ihm zu Ohren gekommen, dass sich der Fussballclub gerne stärker finanziell beteiligen würde. Stiefel liess dies nicht auf sich sitzen: «Von Beginn weg sind wir mit den Verantwortlichen des FC in engem Kontakt und es käme uns nicht in den Sinn, Geld abzulehnen.» Weiersmüller solle ihr die Namen der Zahlungswilligen nennen, forderte sie. «Die Wünsche der Fussballclubs werden wegen ihrer Beliebtheit oftmals einfach erfüllt», sagte Daniel Frey (FDP). «Das Schlieremer Stimmvolk ist erfahrungsgemäss aber nicht sonderlich spendabel, wie man beim Nein zur Stadthalle gesehen hat.»

Jedes Gemeinderatsmitglied wurde einzeln aufgerufen

Gaby Niederer vom Quartierverein machte deutlich, dass eine Rückweisung die dringend notwendigen Arbeiten weiter verzögern würde. Die SP sei entschieden gegen die Rückweisung, sagte Sprecherin Leila Drobi. «Es geht auch darum, die geleistete Arbeit des FC Schlieren anzuerkennen.» Auch die GLP war dezidiert für das Projekt: «Wäre die verlangte Kostenbeteiligung ein Kredit, würden wir uns angesichts der Finanzlage des Fussballclubs keine grossen Hoffnungen auf eine Rückzahlung machen», sagte Henry Jager.

Zwar sei man sich bewusst, dass 4,3 Millionen Franken ein grosser Betrag sei, doch brauche es ein neues Garderobengebäude. «Uns freut die Fotovoltaikanlage, da unsere Stadt diesbezüglich noch in der Steinzeit ist», sagte Manuel Kampus von den Grünen. Erwin Scherrer (EVP) begründete sein Ja unter anderem damit, dass er anlässlich einer Begehung geschockt gewesen sei vom Zustand des Garderobenhauses. Auch für Hans-Ueli Etter (SVP) war der Fall klar und der Bedarf nach einer neuen Garderobe ausgewiesen.

Den Antrag von Uhl auf heimliche Abstimmung wollte Mitte-links verhindern: Daher stellte Walter Jucker (SP) den Antrag, dass die Abstimmung zur Vorlage unter Namensaufruf durch­geführt wird. Ein Ansinnen, das mit 14 Stimmen angenommen wurde. Jeweils 9 Parlamentarier sprachen sich für eine reguläre beziehungsweise eine geheime Abstimmung aus. Mit 23 zu 9 Stimmen wurde der Antrag auf Ablehnung abgelehnt, wobei die Gemeinderäte einzeln aufgerufen wurden.

Nur Politiker aus der CVP und der FDP sprachen sich für eine Rückweisung an den Stadtrat aus. Ein glänzendes Resultat erreichte der Millionenkredit für die Fussball-Garderobe bei der Schlussabstimmung: Mit 26 zu 5 Stimmen bei einer Enthaltung wurde der Antrag angenommen. Am 27. September wird es zur Urnenabstimmung kommen.

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