Schlieren
Lapsus führt per Autokorrektur durch den virtuellen Dschungel

Das Komikerduo Lapsus testete sein neues Programm «On/Off» im Stürmeierhuus in Schlieren.

Franziska Schädel
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Dank Videoinstallationen ist das Komikerduo mehrfach auf der Bühne zu sehen.

Dank Videoinstallationen ist das Komikerduo mehrfach auf der Bühne zu sehen.

Franziska Schädel

Atemlos nuschelt sich Theo Hitzig mit breiter Zürischnurre durch den Abend, während sein Gehilfe Bruno Gschwind keine Gelegenheit auslässt, sich vor seiner Arbeit zu drücken. Einfältig, aber schlau, bringt er seinen Chef an den Rand des Wahnsinns und auch immer wieder dazu, ihm seine Arbeit abzunehmen.

Tief taucht das Duo Lapsus mit seinem neuen Programm «On/Off» in die Geheimnisse unseres digitalen Lebens ein. Hitzig und Gschwind führen darin vor, wie die Welt uns im Alltag oft verzweifeln lässt. Sei’s, weil der Akku leer ist oder das System neu gestartet werden muss, sei’s, weil ständig SMS klingeln oder Autokorrektur-Programme zu irrwitzigen Wortschöpfungen führen. So wird aus Bürgerkrieg «Burger King» und konfiszieren flugs zu kompostieren. Hitzig kann da nur noch seufzen: «Das ist total aperitif, äh, primitiv.»

In blitzschnellen Assoziationsketten hangeln sich die beiden von Merkel über Riccola und von Putin bis zur Vogelwarte. Dank Videoinstallationen sind sie auch virtuell in mehrfacher Ausführung vorhanden; sie schlüpfen sozusagen von der realen in die virtuelle Welt. Sie saugen die Handydaten der Zuschauer ab und werden selbst zu Robotern, deren System nach einem Neustart verlangt. Die Zugabe ist dann aber nicht mehr virtuell: Mit Segways surft das Duo Lapsus altmodisch analog über die Bühne.

Ein Duo aus dem Limmattal

Christian Höhener und Peter Winkler, alias Hitzig und Gschwind, die beide im Limmattal wohnen, treten seit über 20 Jahren als Komikerduo auf. Mit immer wieder neuen und aktuellen Themen sorgen sie für Lacher in ausverkauften Häusern. Ihr neustes Programm testeten sie am Mittwoch vor Publikum im Stürmeierhuus in Schlieren, bevor es am 21. März im Casino-Theater Winterthur ernst gilt. «Wir brauchen sicher nochmals 20 Vorstellungen, bis alles sitzt», sagt Höhener. «Komik ist ein Miteinander mit den Zuschauern. Was funktioniert und was nicht, können wir erst vor Publikum herausfinden.»

Für Winkler ist klar: «Auch nach der Premiere hört die Arbeit am Programm nicht auf.» Das Thema Roboterisierung hat die beiden zum neuen Programm inspiriert. «In der Computerwelt ist immer alles top, alles great. Aber bei der Anwendung der Technologie hat man ständig Probleme. Alles ist weit weg von perfekt. Das wollen wir a mit Humor erfahrbar machen», sagt Höhener.

Dass die Arbeit am neuen Programm bereits weit fortgeschritten ist, liessen die Lacher und der Applaus des Publikums erkennen. Nur die Schlussszene will das Duo nochmals überdenken. Den ganzen Saal des Stürmeierhuus einzunebeln – in eine Computercloud sozusagen –, das war wohl nicht der Weisheit letzter Schluss.

Ein modernes Programm

Facebook, Touchscreen, Instagram – posten, liken, twittern. Für Cecile Wyss aus Schlieren ist klar: «Das ist halt heute so mit dieser Technik. Darum gehören wir auch zum alten Eisen. Aber die Schlussnummer mit den Surfbrettern, die war s’Zäni.» Regula Kuhn, die als ehemaliges Mitglied der Kulturkommission das Duo Lapsus nach Schlieren bringen konnte, ist zufrieden. «Wir wussten nicht, was wir einkaufen, weil das Duo ja erst auf Try-Out Tour ist. Aber wir wollten mit auch ein jüngeres Publikum an unsere Veranstaltungen locken. Mir hat es Spass gemacht.»