Der Kirchweg ist heute eine ganz normale Quartierstrasse in Oberengstringen. Lediglich der Name erinnert noch daran, dass die reformierten Kirchgänger während Jahrhunderten den langen Weg nach Höngg auf sich nehmen mussten, um dort am Gottesdienst teilzunehmen.

Nicht viel anders erging es der katholischen Bevölkerung Oberengstringens. Nach der Reformation hatten sie einzig im Kloster Fahr die Möglichkeit die Messe zu besuchen. Später, um 1900, wurden sie der Pfarrei in Altstetten zugeteilt. Danach mussten auch sie nach Höngg.

Inzwischen haben sowohl die Reformierten als auch die Katholiken ihre eigenen Kirchen. Beide feiern dieses Jahr einen runden Geburtstag. Das reformierte Gotteshaus wird 30 Jahre alt, das katholische 50 Jahre alt. Begangen werden diese Jubiläen heute Morgen um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Dorfplatz.

Dabei wird auch daran erinnert, dass es zur Realisierung beider Kirchen ein langer Weg war. Auslöser für den Wunsch nach Selbstständigkeit und damit der Ablösung von der Pfarrei Höngg war bei den Reformierten die stürmische Entwicklung der Gemeinde. Diese setzte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Innerhalb weniger Jahre explodierten die Einwohnerzahlen Oberengstringens.

Aus dem kleinen Bauerndorf wurde eine Vorortsgemeinde der Stadt Zürich mit fast 6000 Einwohnern. Allerdings befasste sich die Kirchenpflege bereits 1939 mit dem Anliegen nach einem eigenen Kirchgemeindehaus. Zwölf Jahre später wurde der Wunsch zur Realität. Am 4. November 1951 wurde das Kirchgemeindehaus eingeweiht. Fortan fanden die Gottesdienste dort statt.

Bis die heutige Kirche am Dorfplatz stand und die Ablösung von Höngg vollzogen war, dauerte es allerdings noch eine Weile. Es brauchte letztlich den Anstoss aus der politischen Gemeinde, um den Stein ins Rollen zu bringen.

Der Gemeinderat war zu jener Zeit gerade mit der Planung des Gemeindezentrums beschäftigt. Er ersuchte in diesem Zusammenhang die Kirchenpflege, die zukünftigen kirchlichen Bauten doch als südlichen Abschluss des Dorfplatzes zu planen. Die Gemeinde war bereit das dafür benötigte Land im Baurecht zur Verfügung stellen. Die Idee fand Anklang und es wurde ein Projektwettbewerb ausgeschrieben, der 1973 beendet wurde.

Bis zur endgültigen Baubewilligung vergingen allerdings nochmals mehr als sieben Jahre. Zuvor, am 1. Januar 1977, löste sich die Kirchgemeinde Oberengstringen von Höngg. Den Kredit für den 3,88 Millionen Franken teuren Neubau sprachen die reformierten Stimmbürger im Februar 1980. Gut zwei Jahre später erfolgte der erste Spatenstich und im September 1983 wurden die vier Glocken hochgezogen. Am 4. November 1984 fand die offizielle Einweihung statt.

Auch die Katholiken mussten sich lange gedulden, ehe ihre Kirche am 31. Mai 1964 von Bischof Johannes Vonderach geweiht werden konnte. Lange wurden sie hin und her geschoben, bis sie schliesslich 1940 in der Pfarrei Heiliggeist in Höngg landeten.

Wie die Reformierten spürten auch die Katholiken den enormen Bevölkerungszuwachs. In den 1950er-Jahren wurde der Ruf nach einem eigenen kirchlichen Zentrum deshalb immer lauter. So wurde schon bald darauf eine Stiftung gegründet und mit der Geldmittelbeschaffung begonnen.

Ab September 1957 wurde dann jeden Sonntag im Singsaal des Schulhauses Goldschmied die heilige Messe gefeiert. Vier Jahre später beschloss der Churer Bischof, die Stiftung St. Mauritius von Höngg zu trennen und eine eigene Pfarrei zu gründen.

Im gleichen Jahr nahm der erste Seelsorger seine Arbeit auf und startete mit dem Aufbau der neuen Pfarrei. Die Werktagsgottesdienste feierte er in dieser Zeit in einem Luftschutzkeller im Schulhaus Halde. Von da an ging es allerdings schnell. Bereits 1962 wurde mit dem Aushub begonnen. Nur zwei Jahre später war die Kirche fertig.