Was er unterwegs zum Leben, Weiterkommen und Schlafen braucht, will sich der 18-jährige Landschaftsgärtnerlehrling allein mit Gartenarbeiten verdienen.

Anlass für dieses Abenteuer ist Brunners Abschlussarbeit; er ist im letzten Jahr seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei der Dietiker Firma A. Ungricht Söhne Gartenbau AG. Die Arbeit ist Teil der Lehrabschlussprüfung.

Probe aufs Exempel

Brunner konnte für seine Arbeit aus drei Themen auswählen: Heimat, Klima und Kommunikation. Als einer der wenigen hat er sich für Kommunikation entschieden.

«Heute kommunizieren wir meist nur noch indirekt; via E-Mail oder Handy. Ich aber gehe am liebsten direkt auf Menschen zu und rede am liebsten von Angesicht zu Angesicht.» Mit seiner Reise macht Brunner die Probe aufs Exempel. «Ich möchte nur durch Kommunikation vorwärts kommen», sagt er.

Doch wie stellt sich Brunner das genau vor? «Ich klingle an den Haustüren, stelle mich vor und biete meine Hilfe im Garten an», sagt er und lacht.

Skepsis und Misstrauen

Dass ihm dabei auch Skepsis und Misstrauen entgegenschlagen werden, ist ihm bewusst. «Grüne Hosen anziehen und anbieten, den Rasen zu mähen, kann jeder; das weiss ich», sagt er. Deshalb habe er ein Schreiben vorbereitet, das sein Projekt erkläre und sowohl von seinem Arbeitgeber als auch dem Berufsschullehrer unterzeichnet ist.

Und ansonsten setze er auf seine offene, herzliche Art: «Ich bin ein kommunikativer Mensch. Vielleicht habe ich das Glück, dass Herr und Frau Schweizer mir ihr Vertrauen schenken.»

Probieren wolle er es in erster Linie bei Einfamilienhäusern. Und wenn das nicht klappe, frage er auf Bauernhöfen nach Arbeit, dort gebe es immer etwas zu tun.

Nicht von Dorf zu Dorf hetzen

Einpacken wird Brunner für seine Reise nur das Nötigste: ein Zelt, einen Schlafsack, eine Taschenlampe, Wäsche und eine Zahnbürste. Auch sein Handy möchte er zu Hause lassen.

Einen Notgroschen wird er aber einstecken; nur für den Fall, dass es überhaupt nicht mehr weitergehe oder er kurz vor dem Verhungern stehe, versichert er.

Mitnehmen wird er ausserdem eine Fotokamera und einen Notizblock, schliesslich muss er ja über die Reise seine Arbeit schreiben: «Ich will Tagebuch darüber führen, für welche Arbeit ich was bekommen habe, wie das Wetter war und was ich unterwegs so alles sehen werde.»

Etwas sehen auf seiner Reise

Etwas sehen - das will Brunner auf seiner Reise auf jeden Fall auch. «Wenn ich irgendwo vorbei komme, wo es mir gefällt, will ich mir auch die Zeit nehmen, das anzuschauen. Ich will nicht bloss von Ort zu Ort hetzen.»

Ein Wohlfühl-Reischen wird der Trip nicht werden, aber Brunner ist nicht anspruchsvoll. «Ich hoffe einfach, dass ich ab und zu mal warm duschen kann und nicht wie ein Landstreicher herumschleichen muss», sagt er und lacht.

Ausserdem hofft er auf die eine oder andere warme Mahlzeit. Beim Nachtlager stellt er keine grosse Ansprüche. «Ich schlafe auch im Heu, damit habe ich überhaupt keine Probleme.»

An ein Scheitern will Brunner aber gar nicht denken: «Ich glaube fest daran, dass ich die Leute überzeugen kann und dass die Reise klappt.»