Sechs vollamtliche plus vier nebenamtliche Richter arbeiten am Bezirksgericht Bülach. Die nebenamtlichen arbeiten 50 Prozent, auch die drei Laien unter ihnen.

Als Einzelrichter erhalten die Laien vor allem familienrechtliche Fälle zugeteilt. Gerichtspräsident Rainer Hohler nennt als Beispiele Scheidungen, Eheschutz, Vaterschafts- und Unterhaltsklagen.

Ohne Einschränkung werden die Laien eingesetzt für Fälle, bei denen das Gericht als Dreiergremium tagt.

Gemäss der Abstimmungszeitung für den kantonalen Urnengang vom 5. Juni sind das nur noch etwa 3,5 Prozent aller Gerichtsfälle.

In Bülach sind es sicher mehr, sagt Hohler. Das Gericht ist auch für den Flughafen zuständig und erhält somit auch viele Kriminalfälle. Es ist nach Zürich das zweitgrösste Bezirksgericht im Kanton; die meisten Flughafen-Fälle betreffen den Drogenschmuggel.

Insofern stellt Bülach einen Spezialfall dar. Die einzelrichterliche Zuständigkeit für Laien in Familiensachen wird aber auch an den anderen Gerichten praktiziert.

Am kleinsten der zwölf Zürcher Bezirksgerichte in Andelfingen etwa sind vier Laien tätig. Ihre hauptsächliche Zuständigkeit als Einzelrichter: Scheidungen, Trennungen, als Ausnahme fürsorgerische Unterbringungen. Alle sind in einem 20-Prozent-Pensum angestellt.

Der Andelfinger Bezirksgerichtspräsident Lorenz Schreiber liess sich in der «NZZ» mit dem Satz zitieren: «Wegen uns muss das Laienrichtertum nicht abgeschafft werden.»

«Nichts Besonderes»

Christina Steiner, Bezirksgerichtspräsidentin in Dielsdorf, will keine Abstimmungsempfehlung abgeben.

Sie streicht aber heraus, dass die drei Laien an ihrem Gericht eine gute Arbeit machten. Auch sie erhalten als Einzelrichter familienrechtliche Fälle zugeteilt.

Das sei insofern nichts Besonderes, als man eine Spezialisierung der Richter auf Fachgebiete pflege – so wie es an den grösseren Gerichten gehandhabt werde, aber nicht an allen kleinen.
Gibt es überhaupt genug familienrechtliche Fälle, um die Laien auszulasten? «Mehr als genug», sagt Steiner.

Oft seien sogar Überstunden nötig – welche die Laien auch gerne leisteten. Steiner lobt deren Flexibilität und sagt: «Es handelt sich hier nicht in erster Linie um ein Amt, sondern um Arbeit, die zu erledigen ist.»

Die Dielsdorfer Laien sind zu je

35 Prozent angestellt. Von einem «Sondersetting» für die Laienrichter zu sprechen, wie es im Abstimmungskampf teils die Befürworter reiner Profi-Gerichte tun, empfindet Steiner als abschätzig und nicht gerechtfertigt.

Ein glückloser Polizist

Die Verwendung des Begriffs im Zusammenhang mit Laienrichtern wurde geprägt durch den «Anzeiger von Uster», als er im Mai 2014 über einen vorzeitigen Abgang am Bezirksgericht Uster berichtete.

Ein Laienrichter, von Beruf Polizist, hatte nach neun Monaten im Amt seinen Rücktritt eingereicht.

Er begründete dies mit der Einsicht, dass ihm die Voraussetzungen für die anspruchsvolle Arbeit fehlten. Daran änderte auch nichts, dass er nur Famlienrechts-Fälle zugeteilt bekam und das Gericht zu seiner Unterstützung eine zusätzliche Gerichtsschreiberin angestellt hatte.

Nach dem glücklosen Polizisten trat in Uster ein Jahr später der zweite, seit vielen Jahren am Gericht tätige Laie altershalber zurück. Seither sind in Uster keine Laien mehr im Amt. Bei der Gesamtwahl für die neue Amtszeit, die diesen Monat an den Zürcher Gerichten begonnen hat, machten lauter Juristen das Rennen.

In Horgen hatte es 2010 einen Fall eines Laienrichters gegeben, der nicht lange durchhielt. Es handelte sich um einen Ökonomen. Heute sind keine Laien mehr am Gericht in Horgen tätig.

Die Parteien stellten gar keine mehr zur Wahl, erinnert sich Gerichtspräsident Reto Nadig. Aufgrund der Erfahrung von damals zeigt er sich überzeugt, dass es Profis am Gericht braucht.

Da heute die meisten Fälle durch Einzelrichter und nicht mehr im Dreiergremium entschieden würden, sei es für Laien nicht mehr möglich, langsam ins Amt zu wachsen. Zur Beschränkung auf familienrechtliche Fälle gibt Nadig zu bedenken, dass auch hier die Verfahren sehr komplex sein können.

Vor zwei Jahren hatte es auch in Bülach einen Rücktritt eines Laien kurz nach Amtsantritt gegeben.

Auf die Gesamterneuerung hin wurde nun ein Wahlkampf geführt, der von einer Juristin gewonnen wurde. Damit sank die Zahl der Laienrichter in Bülach von vier auf drei.

Kultur der offenen Türen

In Dielsdorf hingegen konnte sich ein Laienrichter gegen eine Juristin durchsetzen. Er wird von Gerichtspräsidentin Steiner persönlich eingearbeitet. Das sei ihr wichtig, sagt sie, «denn es geht um die Qualität der Rechtsprechung». Die zusätzliche Gerichtsschreiberstelle, die dem Bezirksgericht für den gewählten Laien zusteht, setzt sie anderweitig ein. Der Laie nimmt zunächst an ihren Verhandlungen teil, dann sie an seinen.

Das bedeute natürlich einen gewissen Aufwand, sagt sie, aber es zahle sich aus. Sie betont, das Arbeitsklima am Gericht sei gut, auch im Verhältnis zwischen Juristen und Laien. Man pflege eine Kultur der offenen Türen, sodass man kollegialen Rat einholen könne. Das sei insofern wichtig, als nicht jedem Fall gleich anzusehen sei, ob er kompliziert ist oder nicht.