Schlieren

Lärmschutzwand kostet den Kanton 100'000 Franken mehr

Hier soll eine rund 80 Meter lange Lärmschutzwand die Anwohner vor dem Treiben auf der Kesslerstrasse Schützen.

Hier soll eine rund 80 Meter lange Lärmschutzwand die Anwohner vor dem Treiben auf der Kesslerstrasse Schützen.

Die langwierigen Verhandlungen zwischen Kanton und Stadt Schlieren führten dazu, dass Subventionsgelder des Bundes für den Bau der Lärmschutzwand an der Kesslerstrasse nicht fliessen.

Noch im vergangenen Februar hiess es, die rund 80 Meter lange Lärmschutzwand entlang der Schlieremer Kesslerstrasse zwischen Kleinzelgli- und Langackerstrasse könne im Sommer dieses Jahres eingeweiht werden. Heute sind die rund 30 Bewohner der Gebäude an dieser Lage noch immer nicht vor dem Lärm der Kantonsstrasse geschützt. Einige würden sogar fürchten, der Kanton verzichte auf den Bau der Wand, wie Anwohner Tibor Johonyak sagt. Seit Jahren verfolgt er das Ringen um das Bauwerk mit und hofft, dass es bald zu stehen kommt. Der Lärm, der vom Strassenrank ausgeht, sei wirklich störend, sagt er. Unerträglich werde er während der Sommermonate, wenn man die Balkontür offenlassen möchte. «Besonders die Lastwagen, welche die Baustellen mit Material versorgen, machen grossen Lärm. Erst hatten wir jene des Spitalneubaus vor der Tür, nun jene der Limmattalbahn.»

Auf Nachfrage bei der Baudirektion des Kantons heisst es, dass man dabei sei, die Projektfestsetzung durch den Regierungsrat vorzubereiten. «Sofern dagegen keine Rechtsmittel ergriffen werden, planen wir, im Herbst 2020 mit den Bauarbeiten zu beginnen», sagt Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudiektion, auf Anfrage der Limmattaler Zeitung.

Keine grossen Anpassungen gegenüber dem Vorprojekt

Dass sich der Bau aber nochmals verzögert, ist gut möglich. So reichte der Stadtrat Mitte 2017 bereits Einwendungen gegen das Vorprojekt ein. Darin forderte er eine Begrünung der Wand und den Verzicht auf Werbeflächen. Ende Februar dieses Jahres startete dann die Planauflage des Projekts. «Gegenüber dem Vorprojekt weist das Bauprojekt keine grossen Änderungen auf», sagte Maag damals gegenüber dieser Zeitung. Dies liess sich der Schlieremer Stadtrat nicht gefallen und reichte gegen das Bauprojekt eine Einsprache ein, wie die Baudirektion bestätigt.

«Die damit verbundenen Verhandlungen führten zur Verzögerung», sagt Maag. Inhaltlich geht es bei diesen Verhandlungen noch immer um die Begrünung der Wand, den Verzicht auf Werbeflächen und den Unterhalt der Wand, wie aus gut unterrichteten Quellen zu erfahren war.

Fest steht: Dass der Kanton und die Stadt keine Einigung erzielen konnten, kommt den Kanton richtig teuer zu stehen. So entrichtete der Bund bislang finanzielle Unterstützung an Projekte zur Lärmsanierung. Bereits im Februar stand fest, dass die Lärmschutzwand zu einem der letzten Projekte im Kanton Zürich gehört, das in den Genuss dieser Gelder kommt. Dieser finanzielle Zustupf ist nun keine Option mehr. «Die Verzögerung führt dazu, dass der Kanton für diese Lärmschutzwand keine Bundesgelder mehr erhalten wird und deshalb die Kosten vollumfänglich bezahlen muss», sagt Maag. Von den rund 500 000 Franken, die für die Wand ausgegeben werden müssen, hätte der Bund rund 100 000 Franken übernommen. Zwar unterstützt das Bundesprogramm Lärmschutz-Projekte bis ins Jahr 2022. «Bis diese Lärmschutzwand aber abgerechnet wird, werden die zur Verfügung stehenden Bundesgelder ziemlich sicher ausgeschöpft sein», so Maag.

SP und FDP kämpfen für mehr Fördergelder

Ein kleiner Hoffnungsschimmer auf finanzielle Unterstützung bleibt dennoch: So soll die Befristung des Bundesprogramms, in dessen Rahmen seit 2008 rund 180 Millionen Franken in Lärmschutzprojekte flossen, aufgehoben werden. Vonseiten der SP und der FDP gibt es Bestrebungen, Gelder zeitlich unbegrenzt anzubieten, um den Kantonen einen Anreiz zur Lärmsanierung zu geben. In diesem Jahr wurden im Nationalrat zwei Vorstösse zu diesem Thema eingereicht.

Eigentlich will die Stadt Schlieren auf den Bau von Lärmschutzwänden verzichten, da sie ein trennendes Element darstellen. Dieses spielt einer durchlässigen Stadtentwicklung nicht in die Hände, wie man längst bei jener Lärmschutzwand entlang der Bernstrasse westlich der Engstringerkreuzung feststellte. Zwar sprach sich die Stadt im Rahmen des Vorprojekts grundsätzlich für das Projekt an der Kesslerstrasse aus, wollte diese Massnahme jedoch nicht als Präjudiz für weitere Wände an Kantonsstrassen verstanden wissen, wie der damalige Bauvorstand und heutige Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) sagte.

Johonyak : «Das Tiefbauamt ist keine Gärtnerei»

Für Anwohner Johonyak hätte sich all dies verhindern lassen. «Die Stadt will eine bepflanzte Wand, für den Unterhalt soll aber der Kanton sorgen – das kantonale Tiefbauamt ist aber keine Gärtnerei, die solche Aufgaben übernimmt.» Er sei zwar froh, dass sich die Stadt für die Anliegen der Einwohner einsetzt. «Aber mir ist es wichtig, dass wir Anwohner so rasch wie möglich vor dem Lärm geschützt sind.»

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