Dietikon

Lärmschutz: «Wenn der Güterzug vorbeifährt, dann rumpelt es richtig»

Bei der Darstellung der Daten zur Lärmbelastung fehlt es an Transparenz

Wie hoch ist die Lärmbelastung im Schienenverkehr wirklich?

Bei der Darstellung der Daten zur Lärmbelastung fehlt es an Transparenz

Josef Wiederkehr (CVP) will mehr Transparenz in Sachen Lärmschutz. Mit einem Postulat wendet er sich gemeinsam mit zwei weiteren Kantonsräten an den Regierungsrat.

Mit einem Postulat wenden sich die Zürcher Kantonsräte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon), Christian Lucek (SVP, Dänikon) und Marc Bourgeois (FDP, Zürich) an den Regierungsrat. Sie weisen auf den Umstand hin, dass bei der Darstellung der Daten zur Lärmbelastung bei der öffentlichen Plattform des Kantons (GIS Kanton Zürich) keine Transparenz vorliegt. Bedingt sei dies durch die Tatsache, dass bei den Werten des Schienenverkehrs auf die SBB und die nationale Lärmschutzverordnung (LSV) verwiesen werde, während die Daten beim Strassen- und Luftverkehr durch die Fachstelle Lärmschutz der Baudirektion gesondert aufgeführt werden.

Gefordert wird die Prüfung konkreter Massnahmen, damit die effektiven Lärmbelastungen aller Verkehrsmittel gleichermassen aufgeführt werden und diese vergleichbar werden. Denn durch den Unterschied bei der Erhebung resultiere eine von der Realität abweichende Darstellung, weil der Schienenverkehr von dem vom Bund geregelten «Schienenbonus» profitiere, wird im Postulat kritisiert.

Die Bestimmung der nationalen Lärmschutzverordnung (LSV) besagt, dass der Eisenbahn ein Bonus im Umfang von 5 bis 15 Dezibel zugesprochen wird. Trotz gleicher Lärmbelastung wird dadurch beispielsweise beim Schienenverkehr der Radius des betroffenen Umkreises kleiner angegeben als beim Fluglärm. Dies wiederum sei problematisch, weil aus solchen Daten auch Massnahmen zur Lärmreduktion abgeleitet werden. «Man vergleicht hier Birnen mit Äpfeln», betont Wiederkehr.

Mit einer korrekten Darstellung werde auch Transparenz für jene Bewohner geschaffen, die vom Lärm des Schienenverkehrs betroffen sind. Besonders der Güterverkehr sei für viele Menschen eine Belastung, die nach wie vor nicht genügend ernst genommen werde, sagt er. Im Limmattal empfinde er selbst den Lärm, den die S-Bahn verursacht, als nicht ganz so schlimm: «Die S-Bahn hört spätestens gegen 1 Uhr auf, aber der Güterverkehr darf nicht vergessen werden. Dieser fährt rund um die Uhr und ist von der Nachtsperre befreit.» Zudem seien oft die Waggons derart in die Jahre gekommen, sodass sie mit einer unglaublichen Lautstärke vorbeiziehen: «Wenn ein Güterzug vorbeifährt, dann rumpelt es richtig und der dadurch verursachte Lärm ist viel schlimmer als der Lärm eines Lastwagens», führt Wiederkehr weiter aus.

Im Fokus bleiben Daten der effektiven Lärmbelastung

Im Postulat geht es nicht um die Abschaffung des umstrittenen Schienenbonus im Allgemeinen, diese wäre auf Bundesebene zu fordern. Sondern Wiederkehr fordert Transparenz bei den Lärmangaben des Kantons, damit dieselben Massstäbe für alle Verkehrsmittel gelten. «So können wir am Ende vor allem über dasselbe reden», sagt er.

Die Lärmbelastung im Verkehr sei seit Jahren ein grosses Thema und dies schweizweit für verschiedene Regionen. Ein aktuelles Beispiel, bei dem der Eisenbahn wiederum eine gesonderte Stellung zukomme, sei im Umweltbericht 2018 zu finden: «Der Schienenverkehr wird auch hier in einem Nebensatz erwähnt, während auf den Strassen- und Flugverkehr wiederum vertieft eingegangen wird. Es geht mir nicht darum, dass es gar keinen Lärm mehr geben darf, sondern dass Transparenz vorliegt», sagt Wiederkehr. Mit dem Postulat erwarte er nun, dass der Regierungsrat bereit ist, Transparenz zu schaffen und dass er damit das Problem an die Hand nehme.

Fünf Massnahmen sollen umgesetzt werden

Im Postulat sind neben den bereits erwähnten Forderungen noch weitere aufgelistet. Es soll ausgewiesen werden, wie viele Personen dem um den Schienenbonus bereinigten Bahnlärm ausgesetzt sind. Weiter soll die Massnahme einer möglichen Temporeduktion auch für den Schienenverkehr bedacht werden. Zudem soll auf die generelle Abschaffung des Schienenbonus in den nationalen Gremien hingewirkt werden.

Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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