Wer in der Schweiz die Rekrutenschule absolviert, laufe künftig Gefahr, dadurch seine Ausbildungszeit zu verlängern. Diese Befürchtung äusserten die Dietiker Kantonsräte Rochus Burtscher (SVP) und Josef Wiederkehr (CVP) sowie der Winterthurer Dieter Kläy (FDP) in einer Anfrage an den Regierungsrat.

Mit dem Projekt «Weiterentwicklung der Armee» (WEA) soll die Dauer der militärischen Ausbildung von 21 auf 18 Wochen reduziert werden. Eine Aufsplittung der Ausbildungszeit sei nicht möglich, da die Rekruten per Verfassungsauftrag nach Ende der RS fertig ausgebildet sein müssten. Durch die Neuerungen komme es allerdings zu einer Überlappung zwischen militärischer und ziviler Ausbildung von insgesamt sieben Wochen, wie die Kantonsräte in ihrer Anfrage zu bedenken gaben. Dadurch könne sich die Ausbildungszeit um ein bis zwei Jahre verlängern, sofern keine Gegenmassnahmen getroffen würden.

Deshalb wollten die Kantonsräte vom Regierungsrat wissen, wie eine solche Benachteiligung zu verhindern sei und wie er zu den von ihnen vorgelegten Vorschlägen stehe. Diese umfassten eine Vorverlegung der Maturaprüfung, einen späteren Semesterbeginn, Erleichterungen bei verspätetem Studienbeginn sowie die Anrechnung von ECTS-Punkten für Absolventen einer Kaderschule.

Hochschulen sind zuständig

Auch dem Regierungsrat sei die Vereinbarkeit von ziviler und militärischer Ausbildung ein Anliegen, wie er nun in seiner Antwort schreibt. Er weist jedoch darauf hin, dass er für Massnahmen in diesem Bereich nicht zuständig sei. Verantwortlich seien die Hochschulen, die hochschulpolitischen Organe und der Bildungsrat.

Verhandlungen zwischen der Armeeführung und Vertretern der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren sowie den Rektorenkonferenzen der Hochschulen fänden bereits statt, schreibt der Regierungsrat. Diese würden nach Möglichkeiten suchen, die zeitlichen Überschneidungen möglichst gering zu halten.

Der Regierungsrat erachtet allerdings weder die Verkürzung der Unterrichtszeit an den Gymnasien noch eine Verschiebung der Semesterdaten an Universität und Hochschulen als praktikable Lösung. Die Maturaprüfungen seien im Kanton Zürich vor kurzem bereits vorverschoben worden, weshalb eine weitere Verkürzung der Unterrichtszeit nicht gerechtfertigt sei.

Eine Anpassung der Semesterdaten sei insofern unrealistisch, als dass der Beginn der Lehrveranstaltungen gesamtschweizerisch auf die 38. Kalenderwoche festgelegt sei. Die 2007 vorgenommene Harmonisierung habe für die Hochschulen einen erheblichen Aufwand bedeutet; dabei hätten alle Beteiligten Zugeständnissen machen müssen. Universität und Fachhochschulen seien allerdings bereit, Massnahmen zur Unterstützung von Studierenden zu ergreifen, die aufgrund ihres Militärdiensts verspätet ins Studium eintreten.