Bezirksgericht Dietikon
Ladung auf Lieferwagen schlecht gesichert: Handwerker kämpft wie Don Quijote gegen Busse

Das Bezirksgericht Dietikon hat einen 42-Jährigen wegen fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln verurteilt. Doch der akzeptiert den Entscheid nicht.

Rosmarie Mehlin
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Vor dem Bezirksgericht Dietikon gab der Handwerker der Polizei die Schuld, dass die Ladung nicht vorschriftsmässig gesichert war. (Themenbild)

Vor dem Bezirksgericht Dietikon gab der Handwerker der Polizei die Schuld, dass die Ladung nicht vorschriftsmässig gesichert war. (Themenbild)

Keystone

Als dem 42-jährigen Handwerker im April dieses Jahres ein Strafbefehl über eine Busse von 500 Franken plus 430 Franken Gebühren ins Haus geflattert war, verstand der die Welt nicht mehr. Da stand geschrieben, er sei als Fahrer eines Pick-up-Lieferwagens an einem Freitag Ende März kurz vor Mittag auf der Autobahn A3 Richtung Chur mehrfach von der Normalspur weit nach rechts auf den Pannenstreifen geschwenkt.

Ferner habe er ein Mobiltelefon sowie eine externe Musikbox auf dem Armaturenbrett vor sich bedient und sei dabei Schlangenlinie gefahren. Weiter sei das Transportgut nicht vorschriftsgemäss gesichert gewesen, denn auf der Ladefläche des Fahrzeugs hätten Baumaterialien, Maschinen und Kisten lose herumgelegen.

«Ich kann mir nicht erklären, warum die Ladung sich gelockert hatte, denn ich hatte sie gewissenhaft befestigt. Ich vermute, dass die Polizistin die Sicherung entfernte, bevor sie die Ladung fotografiert hat», sagte der Handwerker vor Einzelrichter Bruno Amacker am Bezirksgericht Dietikon. Dort war es zu einer Verhandlung gekommen, nachdem der Beschuldigte den Strafbefehl nicht akzeptiert hatte.

Wie einst Don Quijote

Der Mann beteuerte immer wieder, er sei korrekt gefahren. «Mir wurde keine Sekunde bewusst, die Fahrbahn verlassen zu haben.» Die Musikbox habe er, wenn überhaupt, am Schalter vom eingebauten Radio bedient. «Kann sein, dass ich am Handy hantiert habe, aber niemals so, dass ich abgelenkt gewesen wäre.» Er sei also ganz normal und korrekt unterwegs gewesen, «als plötzlich ein ‹bitte folgen› aufgeleuchtet hat.» Die zweiköpfige Polizeipatrouille hatte den Pick-up-Fahrer überholt und gefilmt, ihn angehalten, mit den Vorwürfen konfrontiert und die Ladung kontrolliert.

Vor dem Richter erschien der Beschuldigte mit einem Anwalt, der für einen vollumfänglichen Freispruch plädierte und sich dafür tüchtig ins Zeug legte: Wie Don Quijote weiland gegen Windmühlen, so kämpfte der Jurist vor den Schranken gegen die Polizei. Mit harschen Worten gab er seinen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der beiden Patrouillen-Beamten Ausdruck.

«Widersprüchlich und unpräzis»

Er betonte, dass die Polizistin sich bei einer Befragung im Statthalteramt nur zwei Monate nach dem Vorfall bereits nicht mehr habe erinnern können. Die Videoaufnahmen würden den Rapport nicht etwa ergänzen, sondern die schriftlichen Ausführungen gar widerlegen. Überdies sei das im Polizeiauto installierte Videogerät zwar im fraglichen Zeitpunkt eingeschaltet gewesen, doch seien die Aufnahmen nicht damit, sondern mit einem Handy gemacht worden. Das Plädoyer gipfelte in der Feststellung: «Wenn sich jemand etwas zuschulden kommen liess, dann der Lenker des Polizeifahrzeugs.»

Trotz allen Bemühungen unterlag der Anwalt. Richter Amacker sprach den Mandanten schuldig gemäss Strafbefehl. Die Aussagen des Beschuldigten seien mitunter unpräzise und widersprüchlich gewesen, ganz im Gegensatz zu den klaren Ausführungen der Beamten mit den eindeutigen Videoaufnahmen. Die Behauptung des Beschuldigten, dass die Polizistin die korrekte Sicherung der Ladung entfernt habe, sei völlig unglaubhaft.

Wegen fahrlässiger Verletzung der Verkehrsregeln und des Lenkens eines wegen der Ladung nicht betriebssicheren Fahrzeugs wurde der 42-Jährige zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Dazu gesellen sich 790 Franken Untersuchungskosten und 600 Franken Gerichtsgebühr. Die Einsprache gegen den Strafbefehl beschert dem Handwerker also 760 Franken Mehrkosten – das Anwaltshonorar nicht eingerechnet. Und dieses ist noch nicht saldiert, haben Mandant und Verteidiger doch gegen das Urteil Berufung eingelegt.